Komödie

Axel Milberg macht sich für ARD in der Ost-Provinz unbeliebt

Beate Teuffel (Katja Flint) ist nach wie vor erfolgreiche Geschäftsführerin der Krummenwalder Mineralquelle. Steffen (Axel Milberg) hat tatsächlich seinen ersten Kurzgeschichten-Band „Abendbrot –Ost-Ansichten eines Westlers“ fertiggestellt.

Foto: WDR/DEGETO/UFA Fiction/Hans-Joachim Pfeiffer / WDR/DEGETO/UFA Fiction/Hans-Joac

Beate Teuffel (Katja Flint) ist nach wie vor erfolgreiche Geschäftsführerin der Krummenwalder Mineralquelle. Steffen (Axel Milberg) hat tatsächlich seinen ersten Kurzgeschichten-Band „Abendbrot –Ost-Ansichten eines Westlers“ fertiggestellt. Foto: WDR/DEGETO/UFA Fiction/Hans-Joachim Pfeiffer / WDR/DEGETO/UFA Fiction/Hans-Joac

Essen  „Liebling, lass die Hühner frei“ ist der dritte Film über eine West-Familie im Ost-Dorf. Die Gags sitzen, dennoch bleibt vieles bieder.

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Überspannte Familie aus dem Westen lebt in einem brandenburgischen Dorf unter knurrigen Ostlern – das war die Grundidee der ARD-Kulturkluft-Komödie „Liebling, weck die Hühner auf“ mit Katja Flint und dem Kieler „Tatort“-Kommissar Axel Milberg als Dreifach-Eltern Beate und Steffen Teuffel. 2002 war das. Die Wende lag damals noch nicht allzu lange zurück. Inzwischen gehören Großstädter, die an ihrem Traum vom Landhaus rumwerkeln, zu jedem Dorf im Berliner Umland dazu wie das Storchennest. Was also tun für einen – nach dem zweiten Teil von 2009 – dritten Aufguss?

Autor Martin Douven schlägt zunächst den richtigen Weg ein und legt den „Mauer in den Köpfen“-Quatsch auf Eis. Stattdessen konzentriert er sich für „Liebling, lass die Hühner frei“ auf die Geschlechterrollen, die auch bei Familie Teuffel auf ihrem idyllischen ehemaligen Reiterhof ordentlich durcheinanderpurzeln.

Mama Beate füttert die Familie durch

Der weibliche Teil ist tough und pragmatisch, der männliche Teil versponnen und lebensuntüchtig. Als Chefin der örtlichen Mineralquelle füttert Mama Beate die Familie inklusive Hühner durch – bis auf die älteste Tochter Lisa (Anke Retzlaff). Die Computerspezialistin kommt nur zu Besuch. Ihre Laune ist allerdings nicht gut: Sie ist schwanger, was ihr gar nicht in den Karrierekram passt.

Dagegen die Männer: Sohn Kai (Martin Aselmann) hat gerade sein Studium sausen lassen, um Horrorfilme zu drehen. Papa Steffen siedelt sich als Schriftsteller irgendwo zwischen James Joyce und Ernest Hemingway an, muss sein Buch aber auf einer Gratisplattform im Internet verramschen. Weil sie damit eigene Interessen verfolgt, lässt Beate schließlich ihre Tochter Steffens Buchwebsite manipulieren – und ihn zum Bestsellerautor hochhacken.

In der Dorfgemeinschaft reißen alte Wunden auf

Es ist nur eine Frage der Zeit, bis dieses Lügenkonstrukt einreißt und für ein brutales Ende von Papas Höhenrausch sorgen wird. „Nun sag es ihm schon“, möchte man Beate zurufen, die sich noch ein paar Mal die Zunge abbeißt, ehe die Wahrheit endlich aus ihr herausplatzt. Bis dahin beweisen die Darsteller komödiantisches Rhythmusgefühl. Viele Gags sitzen, etwa wenn Steffen die Ehe mit einer Kakerlake vergleicht: „Sie läuft einfach immer weiter.“

Schließlich aber erfahren die Dorfbewohner, dass Steffen für sein Buch in Spitzel-Manier ihre persönlichen Geschichten verwurstet hat. Alte Wunden reißen auf. Nun kommt es doch noch zur Ost-West-Abrechnung – auch das Sandmännchen und die FKK-Kultur spielen dabei eine Rolle.

Sender schneidet Kiffer-Szene raus

Das wirkt dann wieder arg verspätet. Die Handlung ist insgesamt so belanglos, dass es – frisch erprobt – möglich ist, während der 87 Minuten drei Hemden zu bügeln, einen Tee aufzusetzen und drei WhatsApp-Nachrichten zu schreiben, ohne den Faden zu verlieren.

Und schlussendlich fällt der dritte „Hühner“-Film biederer aus, als es sich die Macher um Regisseur Oliver Schmitz wohl gewünscht haben: Eine Szene, in der die Eltern kiffen, wurde verstümmelt. Selbstzensur eines Senders, der bei seinen „Tatorten“ zur gleichen Sendezeit wenig zimperlich ist.

Fazit: Durchaus lustig, aber mit Längen.

Freitag, 10. November, 20.15 Uhr, ARD: „Liebling, weck die Hühner auf“

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