Theater

Ersan Mondtag inszeniert in Dortmund „Das Internat“

Szene aus „Das Internat“ am Theater Dortmund.

Szene aus „Das Internat“ am Theater Dortmund.

Foto: Birgit Hupfeld

Dortmund.   Düstere Welt, Expressionismus und Anspielung auf Abgründe unserer Gegenwart. „Das Internat“ hatte jetzt Premiere am Schauspielhaus Dortmund.

Wenn ein Stück mit „Das Internat“ betitelt ist, dann erwartet man üblicherweise auch das, was man sich unter einer solchen Institution vorstellt. Von dieser Haltung jedoch sollte man sich schnell trennen angesichts eines kreisenden Bildertheaters, wie es der derzeit hoch gehandelte Regisseur, Bühnenbildner und Ausstatter Ersan Mondtag jetzt am Dortmunder Schauspielhaus präsentierte.

Sein hier uraufgeführtes „Internat“ steht am Ende von Zeit und Raum, soll letztendlich wohl auch so etwas sein wie eine düstere Metapher für unsere Welt. Entsprechend brutal und blutig geht es zu.

„Das Internat“ hat szenisch auch die Züge einer Collage von Gothic Novel bis Horrorfilm

Mondtag hat sich vieles zusammengeklaubt aus Gothic Novels, aus Expressionismus, Horrorfilmen und den Alpträumen von Autoren wie H.P. Lovecraft. Aus finsterem Gestrüpp lugen rote Augen, in der Dusche stehen bedrohlich düstere Wesen. Möglicherweise sind das alles Zeichen einer ständigen Beobachtung der exakt 17 Zöglinge im Internat (ein Gemisch aus Ensemble und Schauspielschülern), vielleicht aber auch Vorboten von Rebellion und Krieg.

Man kann sich da vieles ausmalen, denn der Regisseur verweigert sich einer herkömmlichen Erzählung. Was da als „Stimme eines toten Kindes“ erklingt, mal traurig raunend, mal anstachelnd, das ist Prosa aus der Feder der beiden Dramaturgen Alexander Kerlin und Matthias Seier.

Der Zuschauer hat nur kurz Zeit, sich in den Anblick des verschachtelten Internats mit seinen gotischen Spitzbögen und seiner zeitlosen Erscheinung zu vertiefen, dann beginnt die Bühnenmaschinerie, sich rückwärts zu drehen. Sie wird bis zum Ende der 90 Minuten nicht mehr damit aufhören, wird vorbeigleiten an diversen Räumen, an dressiert erscheinenden Zöglingen, an Essenritualen und an Szenen der Erniedrigung. Dass auch der Expressionismus hier Pate steht, das merkt man schon fast aufdringlich an der aufgemalten Kleidung, ob angezogen oder nackt im Bodysuit.

Gefährliche Endlosschleife in „Das Internat“ am Schauspielhaus Dortmund

Mit der Gruppe der Schüler durchlebt man Rebellion und Gegenrevolution, immer schön im Rückwärtsgang, auch körperlich. Im Hintergrund grummelt und grollt dazu der meist Unheil verkündende Soundteppich des Musikers F.D. Finck von Finckenstein, der die Schwere des Abends mitträgt.

Denn schwer muss es wohl sein, dieses stete Leben in einer Art gefährlicher Endlosschleife, wie Mondtag es hier präsentiert. Leider tut er das ganz ohne Leidenschaft, eher schon als sterilen Vorgang. Das bremst die anfängliche Begeisterung für die Bilder auf Dauer denn doch ein wenig.

Nächste Termine: 16. Februar; 10., 11. März. Karten: 0231 / 50 27 222.

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