Theater

Ein starkes „norway.today“ am Schauspiel Dortmund

Langer herzlicher Beifall für Frieder Langenberger und Alexandra Sinelnikova.

Langer herzlicher Beifall für Frieder Langenberger und Alexandra Sinelnikova.

Foto: Edi Szekely

Dortmund.   Frank Genser hat für seine erste Regie-Arbeit eine Herausforderung gewählt. Dank grandioser Schauspieler gelingt Bauersimas moderner Klassiker.

Ein Stück wie „norway.today“ ist nicht gerade eine Neuentdeckung auf dem Gebiet des Sprechtheaters. Eigentlich könnte man das Werk des Schweizer Autors Igor Bauersima schon eher zu den modernen Klassikern zählen. An über hundert Theatern ist sie bisher inszeniert worden, diese Geschichte einer lebensmüden jungen Frau, die einen Partner sucht, um mit ihm gemeinsam in den Tod zu gehen. Der am Dortmunder Theater engagierte Schauspieler Frank Genser hat sich für seine erste eigene Inszenierung trotz allem dieses populären Stoffes angenommen.

Er setzt dabei vor allem auf die Enge des Raumes im Studio des Theaters. Hier können die vom Leben enttäuschte Julie (Alexandra Sinelnikova) und der bisher nur Leere empfindende August (Frieder Langenberger) in den hautnahen Clinch der Argumente gehen. Sie sind nach Norwegen gereist, um hier vom 600 Meter hohen Preikestolen-Felsen am Lysefjord in den Tod zu springen. Doch je länger man zusammen hockt in der ansteigenden Kälte, umso grausamer empfinden sie die bodenlose Tiefe, in die sie hinabstürzen werden. Mit letzten Worten in die Kamera versucht man zwar noch, die Todessehnsucht zu stimulieren. Doch eigentlich sind sie längst mit den eigenen Gefühlen füreinander beschäftigt.

Genser forciert die Handlung deutlich, was dem zwei-Personen-Stück mit seinen gelegentlichen Ausbrüchen (Julie) und langen Erklärungen (August) nur guttut. Vor allem die Entdeckung des gegenseitigen Körpers und der aufkeimenden Liebe kommt bei Gensers Einrichtung wunderbar zur Geltung. Das fängt schon damit an, dass Julie vorsichtig ein wenig Kleidung ablegt, nur um Augusts Aufmerksamkeit zu erlangen. Und es explodiert förmlich, wenn beide, in artiger Entfernung, sich gegenseitig sexuell stimulieren. An den Tod denkt in diesem Augenblick sicher keiner mehr.

Langer, herzlicher Applaus, vor allem für die beiden starken Schauspieler.

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