Ein halbes Jahrhundert brennen für die Kunst

Gelsenkirchen.   Sie sorgen für Kunst am Baum und für Papp-Art statt Pop-Art, verwandeln den Weg der Kohle in eine Kunststraße und bringen Malerei unter den Hammer des Auktionators. Die Mitglieder des Kunstvereins Gelsenkirchen brennen seit einem halben Jahrhundert für die Kunst der Avantgarde. Zum Jubiläum blickt der Kunstverein zurück auf 50 Jahre Engagement im Dienste der Kultur, schaut aber auch nach vorn. Die Ausstellung „Kunst & Leidenschaft“ zeigt ab Freitag im Kunstmuseum 84 überraschende Positionen internationalen, zeitgenössischen Schaffens.

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Sie sorgen für Kunst am Baum und für Papp-Art statt Pop-Art, verwandeln den Weg der Kohle in eine Kunststraße und bringen Malerei unter den Hammer des Auktionators. Die Mitglieder des Kunstvereins Gelsenkirchen brennen seit einem halben Jahrhundert für die Kunst der Avantgarde. Zum Jubiläum blickt der Kunstverein zurück auf 50 Jahre Engagement im Dienste der Kultur, schaut aber auch nach vorn. Die Ausstellung „Kunst & Leidenschaft“ zeigt ab Freitag im Kunstmuseum 84 überraschende Positionen internationalen, zeitgenössischen Schaffens.

Als im Jahre 1968 die Welt in Deutschland aus den Fugen geriet, da entstand der „Kreis Gelsenkirchener Kunstfreunde“, um vor allem junge Kreative und die Kunst im öffentlichen Raum zu fördern. Moderne Kunst stellte sich gegen etablierten „Muff“. Bis heute versteht sich der 240 Mitglieder starke Verein als lebendiger Ort für den gesellschaftlichen Austausch über unterschiedliche Positionen moderner Kunst. Und konnte mit diesem Ansatz in den letzten fünf Jahrzehnten bereits so manchen Künstler erfolgreich auf den Weg bringen.

Zu den frühen Entdeckungen zählen Größen wie Sandro Antal, Timm Ullrichs, Helmut Bettenhausen, Günther Dohr oder Udo Scheel. Günther Uecker stellte schon in Gelsenkirchen aus, lange bevor er einem breiten Publikum bekannt wurde. So war der Verein stets auch innovativer Tummelplatz für junge Talente, die sich im Museum, aber auch im öffentlichen Raum ausprobieren konnten. Die ehrenamtlichen Kunstförderer fungieren als Seismograph bei der Entdeckung neuer Kunstströme, bei der Vermittlung innovativer Wege, beim Schaffen von Akzeptanz.

Entdeckt, gefördert, provoziert

Die Gelsenkirchener haben in 50 Jahren entdeckt, gefördert, provoziert und überrascht. Zum Beispiel mit der Aktion „Kunst am Baum“. Hier verwandeln Künstler nicht mehr standsichere Gewächse in temporäre Kunstobjekte. Andere Projekte markierten den „Gahlenschen Kohleweg“ oder realisierten Objekte im Rahmen der Internationalen Bauausstellung IBA.

Überraschen wollen die Kunstförderer nun auch mit der Ausstellung zum Goldjubiläum. Hier rappelt es förmlich im Karton: 84 Künstlerinnen und Künstler folgten der Einladung, Kreativität in eine zugesandte Pappkiste zu packen. Es galt, jeweils eine Schachtel und ein weißes T-Shirt künstlerisch zu gestalten. Das Ergebnis geriet technisch und thematisch so vielfältig wie die Arbeit des Kunstvereins in den letzten 50 Jahren. Auf zwei Etagen ist Witziges und Zeitkritsches, Figürliches und Abstraktes, Malerisches und Objekthaftes, Banales und Komplexes zu entdecken. Kartons liegen auf Tischen, hängen an den Wänden oder auf einer Wäscheleine.

Udo Scheels Malerei lädt zu einer Tasse Kaffee ein. Uwe Gelesch verwandelt den Karton in einen Objektkasten mit 50 bunten Streichhölzern. Auch Horst Schielmann spielt mit einer kinetisch funkelnden Fünfzig. Stefan Pietryga lässt blaue Figuren über die Pappe tanzen und Jürgen Buhre formt aus Stoffresten eine fremdartige Kreatur. Klaus Staeck erfüllt die Erwartungen und thematisiert in seiner Collage Kritik an den Panama-Papers. Und passend zum Jubiläum gießt Monika Lioba Lang einen Strom bunter Blätter aus ihrem Karton. Alles echter Pappenstil!

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