Theater

Ein furioser Schwejk 2.0 am Düsseldorfer Schauspielhaus

„Schwejk“ nach Jaroslav Hašek — in einer Bearbeitung von Peter Jordan. Mit Kilian Land, Minna Wündrich, Jan Maak und Peter Jordan (v.l.n.r.).

„Schwejk“ nach Jaroslav Hašek — in einer Bearbeitung von Peter Jordan. Mit Kilian Land, Minna Wündrich, Jan Maak und Peter Jordan (v.l.n.r.).

Foto: Thomas Rabsch

Düsseldorf.   Peter Jordan und Leonhard Koppelmann krempeln Jaroslav Hašek Romanklassiker für die Bühne von heute um – und landen am Ende im Vietnamkrieg

Ein Einfaltspinsel stolpert durch den Ersten Weltkrieg: Wer an den „braven Soldaten Schwejk“ denkt, der muss vielleicht auch an Heinz Rühmann denken, der als Schelm vom Dienst in der berühmten Schwarz-Weiß-Verfilmung seine Vorgesetzten zum Narren hielt. Knapp 60 Jahre später leiht Peter Jordan dem Schwejk sein spitzbübisches Gesicht und unternimmt zugleich alles, um auch Jüngere für den abgründigen Witz der leicht angestaubten Romanvorlage zu begeistern. Das Publikum im Central des Düsseldorfer Schauspielhauses erlebt einen rasanten, kurzweiligen Abend, der am Ende allerdings übers Ziel hinaus schießt.

Schwejk, das ist der Inbegriff des kleinen Mannes, der sich mit List durchs Leben schlägt und dem alle Sympathien gehören. Autor Jaroslav Hašek brachte die Abenteuer seines Helden ab 1921 zunächst in Groschenheften unters Volk, ehe er die Arbeit an seinem unvollendet gebliebenen Roman begann. Bis heute bietet die Geschichte des böhmischen Hundefängers, der als einfacher Soldat zur Armee eingezogen wird, dankbares Spielfutter, weil es ein Leichtes ist, mit dem schlitzohrigen Rekruten mitzufühlen. Wer liegt schon gern im Schützengraben?

Tür-auf-Tür-zu-Gags von Jordan und Koppelmann

In Düsseldorf weiß man die Kriegssatire in bewährten Händen. Leonhard Koppelmann und Peter Jordan haben im Doppelpack manche Schlacht geschlagen, diesmal herrscht Arbeitsteilung. Koppelmann inszeniert, Jordan fertigt die Stückfassung, die er schlicht „Schwejk“ nennt, und spielt die Titelfigur. Dabei nähern sie sich Hašeks Vorlage denkbar frei. Bei ihnen sitzt der Soldat in einem geheimnisvollen Bunker fest, den jeder betreten kann, nur für Schwejk bleiben die Türen verschlossen. Die dunklen Mauern auf der Bühne von Michael Sieberock-Serafimowitsch rücken nah an die Zuschauer heran, allein das vordere Drittel der Spielfläche wird überhaupt genutzt.

Doch auf engem Raum ist richtig was los: In bester Tür-auf-Tür-zu-Tradition drehen Jordan und Koppelmann das Spiel zur quirligen Klamotte, bei der keine Idee zu schal und keine Zote zu deppert ist. Zum Star des Abends wird gar nicht unbedingt Peter Jordan selber, der zwar zu jeder Minute präsent ist, dessen gewollt ungelenkes Spiel sich aber relativ schnell abnutzt. Umso heller leuchtet das fünfköpfige Ensemble um ihn herum, das mit sichtlicher Begeisterung von einer Rolle in die nächste springt. Fast 40 Figuren werden am Ende im Stechschritt über die Bühne gejagt. Der fette Oberst des Jan Maak, der vor Angst zerfressene General der Hanna Werth und Minna Wündrich in einem schillernden Auftritt als gequälte Minna von Barnhelm sind absolute Hingucker.

Felix Krull, Woyzeck und Wallenstein

Um ihrem Schwejk auch den letzten Mief auszutreiben, reichern Jordan und Koppelmann das Personal um weitere Gestalten aus der Literaturgeschichte an. So mischen Woyzeck und sein Arzt, Wallenstein, Felix Krull und der Prinz von Homburg munter mit. Allein: Wenn zum Finale der Vietnamkrieg ausbricht, Europa die Einheit beschwört und Schwejk mit einem Maulwurf in den Untergrund flüchtet, wird der Turbo-Spaß ein wenig mühsam. Viel Beifall fürs Regie-Team und das blendend aufgelegte Ensemble.

Dauer: ca. 2 Stunden ohne Pause. Termine: 4., 10., 22. Februar; 11. und 19. März. Karten: Tel. 0211 / 369911.

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