Dokumentarfilm-Festival

Duisburger Filmwoche: Wie Wahrheit hergestellt wird

Alexander Scholz, bei der Filmwoche für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, und Festivalleiter Werner Ruzicka mit dem Plakat, das der Grafiker Tilman Lothspeich mit einem Foto von Julia Krämer entworfen hat.

Alexander Scholz, bei der Filmwoche für Öffentlichkeitsarbeit zuständig, und Festivalleiter Werner Ruzicka mit dem Plakat, das der Grafiker Tilman Lothspeich mit einem Foto von Julia Krämer entworfen hat.

Foto: Lars Fröhlich

Duisburg.  Die Frage nach Fakten und Fakes kristallisiert sich als ein Thema heraus. Die Sichtungskommission arbeitet jetzt am Programm.

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Die Vorauswahl aus den 800 Einreichungen zur 42. Duisburger Filmwoche wurde im Juni getroffen, jetzt muss die sechsköpfige Auswahlkommission um Festivalleiter Werner Ruzicka entscheiden, welche Filme vom 5. bis 11. November gezeigt werden. Bis Mitte nächster Woche wird in der Filmwerkstatt des Filmforums an der Goldstraße in der zweiten Sichtungsphase ums Programm gerungen, dann geht es an die organisatorische Feinarbeit fürs Festival im Filmforum.

Das Motto der Filmwoche „Handeln“ richte den Fokus zum einen auf das, was bei der Filmwoche passiert, erläutert Alexander Scholz: Bilder entdecken und darüber sprechen. Zum anderen „wollen wir Filme zeigen, die selbst handeln und den Zuschauer aktiv adressieren“. Beispielsweise der eines Filmemachers, der mit dem Handy in den afrikanischen Kobaltminen und den chinesischen Firmen unterwegs ist, ohne die es Smartphones so nicht geben würde.

EIn Thema: Fakten und Fake

Als ein weiterer Schwerpunkt kristallisiere sich das Thema „Fakten und Fake“ heraus. Dabei geht es um die Frage, wie Wahrheit hergestellt wird. Die Dokumentarfilmer begleiten Medienmacher und beobachten, wie Themen aufgegriffen werden und dann ein Meinungsbild entsteht. Etwa wie sich in Deutschland der politische Diskurs nach Rechts verschoben hat. „Es wird nicht alternativ zum Fernsehen gearbeitet, sondern in die Lücken geschaut“, sagt Ruzicka. Dabei erweise sich, dass die Wiedervorlage für Dokumentarfilmer eine wichtige Qualität sei. Angesichts der jüngsten Ausschreitungen in Chemnitz erinnere man sich etwa an Bilder aus Rostock-Lichtenhagen, wo 1992 ein Aufnahmestelle für Asylbewerber und ein Wohnheim für vietnamesische Vertragsarbeiter Ziele von Rassisten waren.

„Die Geschichte ist nie zu Ende“, sagt Ruzicka auch mit Blick auf das Thema Familie. Junge wie etablierte Filmemacher holten die Menschen in eine zum Teil bedrückende Nähe, die man schon aushalten müsse.

Ihre persönlichen Sichtweisen bringen neben Ruzicka die Filmemacherin Henrike Meyer aus Berlin, der Kölner Sven Ilgner, seit Kurzem auch Geschäftsführer des Filmbüros NW, die Bochumer Kuratorin, Dozentin und Autorin Katrin Mundt, der Wiener Filmwissenschaftler und -kritiker Joachim Schätz sowie der Züricher Filmwissenschaftler Till Brockmann in die Kommission ein, der schon seit 2011 dabei ist.

Eine Kommunikationsmaschine

Die Duisburger Filmwoche sei als „kollegiales Treffen“ mit ihren Diskussionen nach jedem Beitrag „eine Kommunikationsmaschine“, sagt Ruzicka. Deswegen schicke Thomas Heise, als Professor Nachfolger von Harun Farocki an der Filmakademie in Wien, seine Studenten nach Duisburg. Der Filmemacher, der seine Arbeiten schon früh in Duisburg vorgestellt hat, sei davon überzeugt, dass der Nachwuchs hier in einer Woche mehr lernt als in einem Semester Hochschule.

Für Ruzicka (70), der die Filmwoche im 34. Jahr prägt, ist es das Abschiedsfestival. Verhandlungen über seine Nachfolge und die Festival-Struktur laufen.

>> REGISSEURE WETTEIFERN UM PREISE

Vom 5. bis 11. November wetteifern die Regisseure im Filmforum am Dellplatz auch um die Preise. Der Arte-Dokumentarfilmpreis ist mit 6000 Euro dotiert, der 3sat-Preis mit 5000 Euro.

Außerdem vergeben werden der Förderpreis der Stadt Duisburg (5000 Euro) sowie die „Carte Blanche“, der Nachwuchspreis des Landes NRW, ebenfalls dotiert mit 5000 Euro.

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