Kultur

Düsseldorfer Symphoniker mit Romantik-Sound

Joseph Bastian

Joseph Bastian

Foto: oh

Düsseldorf.   Tonhalle: Gast-Dirigent Joseph Bastian wird erneut beim „Sternzeichen“gefeiert. Das Konzert wird am Montagabend um 20 Uhr wiederholt.

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Joseph Bastian macht keine halbe Sachen. Als der 37-jährige Franzose (aus einer deutsch-französischen Musikerfamilie) 2018 endgültig seinen Posten als Bass-Posaunist beim Symphonieorchester des Bayrischen Rundfunks kündigte, hatte er schon zahlreiche Meriten als Dirigent erworben. Seine Qualitäten als Dirigent, der sich um die einzelnen Streicher und Bläser-Gruppen kümmert und dem Orchester einen runden, leuchtenden Sound entlockt, waren in der Tonhalle schon vor einem Jahr aufgefallen. Als kurzfristiger Einspringer für Alexandre Bloch begeisterte er. So auch jetzt wieder, als Bastian beim „Sternzeichen“ (Abokonzert) mit einem überwiegend (spät-)romantischen Programm antrat.

Nicht so schwer

Jedenfalls wurde er Freitag, nach gut zwei Stunden, in beinah ausverkaufter Tonhalle lautstark gefeiert. Fast wie ein Star. Nun hat es Joseph Bastian auch nicht so schwer; denn die Symphoniker mühen sich seit einiger Zeit (spätestens seit Adam Fischer Chef ist) um Bestform. Sie brillieren, atmen, die Instrumenten-Gruppen schwingen weit aus, sind fein aufeinander abgestimmt und – vielleicht durch die Knochenarbeit mit Fischer an den Mahler-Symphonien - besonders überzeugend in romantischem Repertoire. Das zahlt sich in den vier Werken aus, deren Auswahl, auf den ersten Blick, nicht gerade vom Hocker reißt.

Schwelgerisch und verschwenderisch

Was sie verbindet? Die Tondichter widmeten ihre Stücke einst Freunden oder geistig Verwandten. Ravel widmete „Le tombeau de Couperin“ dem gleichnamigen Rokoko-Komponisten, Strawinsky seinen erst 2015 entdeckten „Chant funèbre“ (Trauergesang) seinem Lehrer Rimski-Korsakow, Tschaikowski die Rokoko-Variationen seinem Freund, dem Cellisten Wilhelm Fitzenhagen und Edgar Elgar dachte bei seinen „Enigma-Variationen“ an seine Frau und einige Freunde. Letztere bringen die Symphoniker (in großer Besetzung) in all’ ihrer schwelgerischen und verschwenderisch melodiösen Schönheit zum Leuchten. Bastians übersichtiges, konzentriertes und elegantes Dirigat, das gänzlich auf Zappeln und Rudern verzichtet, führt in den langsamen Variationen zu fließenden, beinah gleitenden Bewegungen.

Tiefe und Emotionen

Aber auch zu Kantenschärfe und kurz aufblitzender Wucht, so in den skizzenhaft dahingeworfenen, schnellen Variationen. Ebenso makellos und schwärmerisch gelingen – neben der für Strawinsky atypischen Trauermusik (sie erinnert an Mahler, Strauss und Wagner) – die Rokoko-Variationen. In diesem Ohrwurm-Stück entlockt Julian Steckel seinem Guarneri-Cello so viel Wärme, sonore Tiefe und Emotionen wie nur möglich. Das wirkt bei dem ebenfalls 37jährigen Blondschopf mit nobler Intonation keine Sekunde altbacken, sondern in jedem Auftakt und in den virtuosen Läufen schlank, frisch und grazil

Das Publikum feiert auch ihn, der sich mit der heiteren, rasanten „Sacher-Variation“ von Lutoslawski bedankt.

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