Theater

Dürrenmatts „Das Versprechen“ am Düsseldorfer Schauspielhaus gefeiert

Böses im Spiegel: Szene aus „Das Versprechen“ von Friedrich Dürrenmatt am Düsseldorfer Schauspielhaus.

Foto: Matthias Horn

Böses im Spiegel: Szene aus „Das Versprechen“ von Friedrich Dürrenmatt am Düsseldorfer Schauspielhaus. Foto: Matthias Horn

Düsseldorf.   Berühmter Film, mit viel Beifall gefeierte Theateradaption. Am Düsseldorfer Schauspielhaus hatte Dürrenmatts „Das Versprechen“ Premiere.

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Wer hat die kleine Gritli Moser ermordet? Im Krimiklassiker „Es geschah am hellichten Tag“ hatte Heinz Rühmann den Mädchenmörder am Ende am Haken: Gert Fröbe gab ihn sensationell. Autor Friedrich Dürrenmatt war von seinem gutbürgerlichen Skript, so will es die Legende, hingegen wenig begeistert und erweiterte in dem Roman „Das Versprechen“ dieselbe Geschichte um ein weitaus offeneres, zynischeres Ende.

In seiner ersten Arbeit am Düsseldorfer Schauspielhaus erzählt Regisseur Tilmann Köhler die berühmte Geschichte als melancholischen Reigen und als Untergang eines Besessenen: beherzt gespielt und düster in Szene gesetzt. Dabei hält sich Köhler relativ eng an den Roman und überträgt die Erzählung mit sechs Schauspielern in wechselnden Rollen sorgfältig, vielleicht etwas arg respektvoll auf die Bühne. Dass er das ermordete Mädchen von einer Handpuppe spielen lässt, die Johanna Kolberg mit Liebe führt, ist eine fantastische Idee und sorgt für beklemmende, surreale Atmosphäre.

„Das Versprechen“ in Düsseldorf zeigt Täter und Opfer im Bühnen-Bild einer riesigen Spiegelwand

Den größten Schauwert des zweistündigen Abends besitzt das so schlichte wie famose Bühnenbild von Karoly Risz. Eine riesige Spiegelwand wird nach wenigen Minuten von der Decke herab gelassen und thront fortan über der kompletten Bühne. Diese zusätzliche Spielebene wird clever genutzt: So hat es den Anschein, als würden die Schauspieler mit letzter Kraft an einer Klippe baumeln, dabei liegen sie lediglich auf dem Boden. Auch ein Selbstmord am Strick findet dank des Spiegeltricks ein einleuchtendes Bild.

Doch dies ist mehr als nur ein optischer Gag, er treibt auch die Geschichte voran. Auf seiner verzweifelten Suche nach dem Kindermörder, der zwischen Zürich und Graubünden schon mehrere Mädchen auf dem Gewissen hat, stößt Kommissar Matthäi auf das Bild vom „Igelriesen“, das ihm wichtige Hinweise auf den Täter geben könnte. Mit bunter Kreide wird die Zeichnung auf den Boden gemalt – und wächst auf der Düsseldorfer Spiegelwand zu einer hinreißenden Collage mit Menschen, Farben und Maskenspiel.

Fein durchdachte Aneignung des Stoffes von Friedrich Dürrenmatt

Als abgehalfterter Polizist Matthäi, der immer verzweifelter einem Phantom hinterher jagt, gelingt Florian Lange das subtile Porträt eines Mannes, den es in eine selbstzerstörerische Obsession treibt. Wie zuvor in Bochum erweist sich Lange als starker Tragöde, als Darsteller der Verwirrten und Verlierer. Wenn er den Eltern des ermordeten Mädchens (Minna Wündrich, Sebastian Tessenow) „bei seiner Seligkeit“ verspricht, den Mörder zu finden, krallt er sich bereits mit letzter Kraft an diesen eigentlich abwegigen Gedanken fest. Als Vorgesetzter Dr. H sorgt Thomas Wittmann für wenige heitere Momente in dieser fein durchdachten Aneignung des Dürrenmattschen Klassikers. Viel Beifall.

Termine: 0211/36 99 11

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