Theater

Dortmunds Schauspiel provoziert mit „Familien gegen Nazis“

„Familien gegen Nazis“ in Dortmund: Lea Annou Reiners als Moderation sowie Max Ranft (li.) und Uwe Rohbeck (re.).

„Familien gegen Nazis“ in Dortmund: Lea Annou Reiners als Moderation sowie Max Ranft (li.) und Uwe Rohbeck (re.).

Foto: Birgit HupfelD

Dortmund.  Ein Show-Konzept mit Judenwitzen, radikal und gnadenlos, von schamlos bis brutal: „Familien gegen Nazis“ in Dortmund ist gezielte Provokation.

Was war Hitlers liebste Süßigkeit? Nazipan. Und was sind 90 Nazis in einer Ecke? Ein Rechter Winkel. Man spart nicht mit solchen Plattitüden in diesem Theaterstück am Dortmunder Schauspiel, das den Titel „Familien gegen Nazis“ trägt und einen regulären Autor einfach nicht preisgeben will.

Laurence Young, der dafür offenbar erfunden wurde, scheint wieder mal eine Ausgeburt der Dortmunder Dramaturgie zu sein. Eigentlich sollte man ohnehin nicht von einem Stück reden. Was hier auf der Bühne passiert, erinnert eher an ein neues Show-Konzept. Moderatorin Elisabeth Brock (Lea Annou Reiners) begrüßt die fiktive fünfköpfige Familie Altmann, um deren Wissen in Sachen Nazis zu testen. Allerdings muss man sich schon nach kurzer Zeit fragen, wer hier eigentlich radikaler und gnadenloser agiert. Die Spiele jedenfalls zeugen von schamlos bis brutal. Wenn hier für diverse Aufgaben Punkte vergeben werden, dann geht es meist um Kenntnisse in Rassenhygiene oder Judenvernichtung. Oder um die Frage, ob Pferde im Krieg nicht auch Täter waren.

Orientiert an amerikanischen Comedy-Formaten

Auch wenn hier heftig provoziert wird, die düstere Komik findet ihren Weg. Die Familie, die anfangs so furchtbar sauber erscheint, lässt schon bald tief blicken. Da ist der zaghafte Vater (Uwe Rohbeck), der Angst davor hat, dass seine zweite Frau ihn schlagen könnte. Da ist Tochter Luise (Alida Bohnen), die endlich begreift, dass sie tatsächlich lesbisch ist. Und Tochter Ramona (Berna Celebi), die sich diesem Zirkus weitgehend entziehen möchte, am Ende aber mitten drinsteckt.

Das Stück, so heißt es im Text, orientiere sich in seiner Schnelligkeit und Direktheit an amerikanischen Comedy-Formaten. Wenn es doch so wäre. Aber die Regisseurin Laura N. Junghans scheint viel zu verliebt in diesen Stoff zu sein, um zur rechten Zeit die Bremse zu ziehen. Das Stück fasert aus, die Familie plätschert unkontrolliert vor sich hin. Schade drum.

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