Theater

Dortmunds „Dämonen“ prüfen Publikum viereinhalb Stunden

Andreas Beck in „Die Dämonen“.

Andreas Beck in „Die Dämonen“.

Foto: Foto: Birgit Hupfeld

Dortmund.  Üppiges Theater, nicht ohne Schwächen. Als große Ensembleleistung gehen „Die Dämonen“ über die Bühne. Nicht jeder Zuschauer blieb bis zum Schluss.

Er gilt als düsterster Roman im Schaffen des russischen Schriftstellers Fjodor M. Dostojewski, kaum einer der auftretenden Personen kann sich glücklich schätzen, kaum einer überlebt bis zum Ende. „Die Dämonen“ (1870), das ist eine Vermengung von umschatteten Schicksalen mit der verbissenen Suche nach politischen Alternativen inmitten einer Kleinstadt nahe St. Petersburg. Nicht wenige Regisseure haben bereits versucht, den Inhalt des tausendseitigen Wälzers auf die Bühne zu hieven. Am Theater Dortmund hat es jetzt Sascha Hawemann gewagt, den Zuschauern einen gut viereinhalbstündigen Abend zuzumuten.

Das Theater hat für diese Produktion getrommelt wie selten. „Erleben Sie das Dortmunder Ensemble in einzigartigen Rollen“ heißt es in der Ankündigung, und das ist im Verlauf des Abends wahrlich nicht übertrieben. Alles beginnt in einem großen, weißen Raum (Bühne: Wolf Gutjahr), in dem die handelnden Figuren nach und nach auftauchen. Tradition und Revolution prallen in diesem Ort immer deutlicher aufeinander. Der alternde Schöngeist Stepan (Andreas Beck) möchte die Ideale seiner Jugend nicht angetastet wissen, während sein Sohn Pjotr (Ekkehard Freye) bereits eine Gruppe organisiert, die bereit ist, über Leichen zu gehen. Und dann sind da auch noch all die privaten Dämonen, die ein friedliches Leben unmöglich machen.

Sascha Hawemann führt nach „Kirschgarten“ in Dortmund nun Regie bei „Die Dämonen“

Die lange Reise in die Nacht dieser Dortmunder Inszenierung hat zweifellos ihre Höhepunkte. Andreas Becks Rede des Stepan gehört dazu, in der er eine aus den Fugen geratene Welt der Beliebigkeiten anprangert. Aber auch die Zerrissenheit gehört dazu, mit der Friederike Tiefenbacher ihre Mäzenin Warwara ausstattet. Den eindringlichsten Auftritt jedoch liefert Frank Genser als Warwa­ras Sohn Nikolaj, der von gleich doppelter Schuld fast erdrückt wird. Wie der Schauspieler das darstellt, mit fortwährenden Zuckungen, gejagt von seinen Dä­monen, das ist ganz großes Theater.

Trotz dieser und anderer Leistungen des Ensembles haben am Premierenabend nicht wenige Besucher das Theater vorzeitig verlassen. Das mag an der opulenten Länge der Inszenierung gelegen haben, von der die meisten erst vor Ort informiert wurden. Aber wohl auch an der Einrichtung von Sascha Hawemann, der in Dortmund zuletzt mit dem „Kirschgarten“ erfolgreich wa

Sehr aufgeregt, sehr lautstark: Von manchem haben „Die Dämonen“ zu viel, von manchem zu wenig

Hier aber ist diesmal alles ein wenig zu viel oder zu wenig. Zu viel also an Aufgeregtheit und lautstark preisgegebenen Dialogen, zu wenig an Orientierungsmöglichkeiten zwischen den zahlreichen Figuren. Etwas kann nicht ganz stimmen, wenn man schon froh ist, wenn jemand sich erhängt und man über die eintretende Ruhe schon dankbar ist.

Immerhin: Das Theater hat eingesehen, dass bei dieser Länge die Anfangszeit um 19.30 Uhr nicht mehr gehalten werden kann. Ab sofort beginnt jede Vorstellung von „Die Dämonen“ bereits um 18 Uhr.

Nächste Termine: 6., 13., 21. Dezember; 8., 12., 16., 26. Januar. Karten: 0231 / 50 27 222.

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