Tanz

Dortmunds Ballett zeigt „Alice“ mit dem Hasen als Helden

Sae Tamura als Königin in „Alice“.

Sae Tamura als Königin in „Alice“.

Foto: Bjoern Hickmann

Dortmund.  Die berühmte „Alice!" wird verdoppelt - doch Star ist der Hase. Dortmunds Ballettpremiere wurde gefeiert, zeigt aber auch Schwächen.

In „Alice“, dem Ballett von Mauro Bigonzetti, gibt es zwar gleich zwei Alicen – die junge und die reife, die als Spiegelbilder in ihren bizarren Wunderland-Traum abtauchen. Doch stehen sie als beobachtende Tänzerinnen (Ida Kallanvaara und Anna Süheyla Harms) überwiegend im Abseits. So müsste man eigentlich den Abend ‚Kaninchen’ nennen.

Denn das Tier mit Zottellocken wirbelt nicht nur durch die riesige Bibliothek, Paläste und Landschaften. Sondern, auf der Bühne des Dortmunder Opernhauses, dirigiert das Hasentier das teilweise rätselhafte Treiben und vollführt – in Gestalt von Giacomo Altovino – zauberhafte Kunststücke, meist ein Bein hinter dem Ohr. So wurde der außergewöhnlich biegsame, italienische Ballerino nach der Premiere im vollbesetzten Haus lautstark bejubelt.

Bigonzettis eigenwillige und auf über zwei Stunden gedehnte Deutung des berühmten Stoffs „Alice im Wunderland“ von Lewis Carroll hat kaum etwas von einem niedlichen Märchen. Dafür sorgt die raue, geerdete Volksmusik aus Süditalien. Die Musikanten Antongiulio Galeandro, Enza Pagliara und die dreiköpfige Frauengesangsgruppe ASSURD sind Teil der Choreografie und wandeln durch das Wunderland mit Fabeltieren.

Problem: Für die italienischen Lieder fehlen deutsche Übertitel. Schade! Folkloristisch wirkt nicht nur der Sound durch Akkordeon, Flöte, Spieluhr und Rahmentrommeln, sondern auch die Tänze, die durch neoklassische Bewegungen veredelt werden.

Ballettpremiere in Dortmund: „Alice“ wurde in der Choreographie Mauro Bigonzettis gefeiert

Dortmunds exzellente Solisten und Gruppe (Hofgesellschaft) kommen in vielen Tableaus zum Zuge, brillieren in exaltierten Pas-de-deux, trickreichen Drehungen, athletischen Sprung- und Hebefiguren. Sexuell aufgeladen winden sich Kater und Katze (Giuseppe Ragona und Denise Chiarioni) , die Raupe (Dustin True) und, neben dem Kaninchen, immer wieder dessen Widersacher der Hutmacher (Michael Samuel Blasko). Anfangs humpelt er auf einem Zylinder hinein, dann schleimt er, schlängelt sich und prahlt mit Virtuosentum. Diese abwechslungsreichen Ballettbilder verhindern die Ermüdung.

Ebenso der rasante Wechsel von Videoprojektion von Carlo Cerri und das OOOP-Studio: sie gleiten von einer Palastbibliothek, aus der die Bücher herauspurzeln, in Prachtsäle, dann in überdimensionale Klöppelspitzen und tanzende Tassen. Diese wundersamen Projektionen sind der Clou und versöhnen mit den Schwächen des Abends, der über zwei Stunden um sich kreist. Denn unklar bleibt, was Bigonzetti erzählen will und warum es zwei Alicen gibt, die am Ende unverändert dastehen oder (die ältere) auf einer Riesenschaukel ein italienisches Lied anstimmt.

Magisches Wunderland mit starken Tänzern - sehenswert ist „Alice“ in Dortmund

Fazit: Es geht weniger um Alice denn um das Kaninchen im Wunderland. Und ist sehenswert wegen Altovino und der Tänzer im magischen Wunderland. Hörenswert wegen der melancholischen Folklore, deren Lieder noch übersetzt werden müssen.

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„Alice“ – Ballett von Mauro Bigonzetti. Mit Livemusik von süditalienischen Musikern und Sängern.


Termine: 16., 22. Feb., 2., 9., 28., 21., 31. März, 19., 21., 27. April. Preise: 10 bis 49 €. 0231/50 27 222 oder www.theaterdo.de

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