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Dortmunder U zeigt Schau zur Alternativen Rechten im Netz

Mundpropaganda: Das Plakat zur Schau „Der Alt-Right-Komplex“.

Mundpropaganda: Das Plakat zur Schau „Der Alt-Right-Komplex“.

Foto: Ralf Rottmann

Dortmund.   Im Dortmunder U beleuchtet eine Ausstellung die Propanda der Alternativen Rechten im Netz – Kunst, die aufklärt.

Hassreden gegen Flüchtlinge und Feministinnen, personalisierte Wahlkampagnen auf Facebook, absichtlich gestreute Falschmeldungen – natürlich wissen wir, dass es all das gibt, nur wenige Klicks von unserer eigenen kleinen Internetwolke entfernt. Sicht- und spürbar aber wird die virtuelle Welt der Rechtspopulisten derzeit im Dortmunder U: In der Schau „Der Alt-Right-Komplex“ hat Kuratorin Inke Arns vom Hartware Medienkunstverein Werke mit aufklärerischer, aufrüttelnder Wirkung über die Alternative Rechte versammelt.

Bibelschwere Ringbücher voller Hasstiraden

Der Brite Nick Thurston hat einfach mal auf „Drucken“ geklickt: Zwölf bibelschwere Ringbücher voller Hasstiraden stehen nun auf Notenständern im Kreis. So einfach, so wirkungsvoll: Schwarz auf weiß entfaltet die vielsprachige Wut erschlagende Wirkung; hier wird ans Licht gezerrt, aufgelistet, katalogisiert, was sonst im Dunkeln tobt. Ähnlich fischt Jonas Staal in den Filmen Steve Bannons, der neben seiner Tätigkeit für Donald Trump sowie die Breitbart News cineastische Pamphlete produzierte: In zehn Videos zeigt Staal, mit welchen visuellen Metaphern Bannon den Kampf der Zivilisationen heraufbeschwört, wie er jagende Löwenrudel und Wirbelstürme einsetzt für seine nationalistischen Visionen – bildmächtige Grundlage für den „Trumpismus“ unserer Tage.

Gleich daneben lässt der Schweizer Regisseur Milo Rau die Rede des Terroristen Anders Breivik verlesen, eine Performance von Schauspielerin Sascha Ö. Soydan. Zwischen Fakt und Fiktion bewegt sich ein Comic-Triptychon von Paula Bulling und Anne König, der Szenen rund um den NSU-Rechtsterrorismus nachzeichnet; erstmals gezeigt wird der dritte Teil rund um den Mord an Mehmet Kubasik 2006 in Dortmund.

Dies also sind die tödlichen Folgen einer Verblendung, die vom Kulturkampf im Internet befeuert wird: Memes – viral verbreitete Fotos, Videos, Sprüche – gelten der Nato längst als Kriegswaffen. Eine spekulative Karte des Künstlerduos Disnovation.org sortiert Propaganda-Memes in die Achsen Links-Rechts und Freiheitlich-Autoritär – als Wandbild sowie als Handout.

Vortragsreihe der ausstellenden Künstler

Kunst mit Nutzwert: Das betont die Schau schon zu Beginn, deren tunnelartiger Eingang den Besucher ein Glossar an die Hand gibt, die wichtigsten Begriffe, Personen, Plattformen erläutert. Sonst hätte man vielleicht nicht verstanden, wieso der in Frankfurt geborene Silicon-Valley-Milliardär Peter Thiel dem Künstler Simon Denny gleich drei Brettspiele wert ist: Diese entlarven Thiels Ziele und Strategien auf dem Weg zur Abschaffung der Demokratie – und zur Weltherrschaft der Künstlichen Intelligenz.

Dem aufklärerischen Gestus entspricht eine Vortragsreihe der ausstellenden Künstler. Der Eintritt ist, wie in die Schau selbst, frei. Bis 22. September. Di-So 11-18 h, Do+Fr bis 20 h. www.hmkv.de.

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