Kino-Remake

Disneys „König der Löwen“ beeindruckt mit Computer-Animation

Die Szene aus dem „König der Löwen“ zeigt den jungen Simba - im Gespräch mit Nashornvogel Zazu.

Die Szene aus dem „König der Löwen“ zeigt den jungen Simba - im Gespräch mit Nashornvogel Zazu.

Foto: null / Disney Walt Disney

Essen.  „Der König der Löwen“ ist ein Klassiker des Zeichentrick-Kinos. Jetzt kommt der Film erneut auf die Leinwand - aufwändig produziert am Computer.

Beim Disney Filmstudio bekommt der Begriff „Remake“ mittlerweile eine völlig neue Bedeutung. Dort geht man inzwischen mit großem Elan daran, ehemalige erfolgreiche Zeichentrickfilme in Realfilme umzuwandeln. Bereits in diesem Jahr waren namhafte Regisseure wie Tim Burton und Guy Ritchie am Werk, um Disney-Klassikern wie „Dumbo“ und „Aladdin“ ein neues Gewand zu verpassen. 2020 wird auch die kämpferische Chinesin „Mulan“ ins reale Leben geholt.

Mit dem Klassiker „König der Löwen“ jedoch ist alles noch ganz anders. Denn Regisseur Jon Favreau („The Jungle Book“) arbeitet hier mit dem Remake eines im Tierreich spielenden Films. Man kann demnach nur mit Computer-Animation arbeiten und auf die Magie der Bilder setzen. Natürlich fragt man sich auch, ob es in diesem Fall nötig gewesen wäre, digitale Kunst gegen die von Zeichnern zu setzen. Zumal die Geschichte des Films auch in der Neugestaltung kaum verändert scheint – die Songs von Elton John inklusive.

Doch schon nach längstens zehn Minuten im Kino sind solche Gedanken müßig. Auf der Leinwand ist man überwältigt von der Klarheit der Bilder und dem Fotorealismus der Tiere. Man hat sich hier einer speziellen Technik bedient, die sonst im Game-Design eingesetzt wird.

Shakespeares „Hamlet“ im Tierreich

Das alles scheint nun derart echt, als habe man es tatsächlich mit einem Realfilm zu tun. Sogar die Landschaften kommen alle aus dem Rechner. Die Geschichte selbst klingt noch immer stark nach Shakespeares „Hamlet“. Da ist Mufasa, der König der Löwen, der von seinem eifersüchtigen Bruder Scar umgebracht wird. Simba, der kleine Sohn des Königs, sucht das Weite, weil er sich schuldig fühlt am Tod des Vaters. Er findet Freunde wie das Erdmännchen Timon und das Warzenschwein Pumbaa, die aus ihm fast noch einen Veganer machen. Der Medizinmann Rafiki spürt ihn nach langer Zeit auf und erinnert Simba an seine Pflicht als Königssohn, denn Scar, der Bösewicht des Stückes, habe sich inzwischen mit den Hyänen verbündet und ein Terrorregime eröffnet. Als aus dem Nirgendwo dann auch noch die Stimme des toten Vaters ertönt, gibt es für Simba kein Halten mehr.

Wenn die Geschichte schon die gleiche bleibt wie beim Zeichentrickfilm 1994, so haben Favreau und sein Team doch einiges an den Charakteren gefeilt. Wer Scar noch in Erinnerung hat als eleganten Schleimer, in der deutschen Version wunderbar gesprochen von Thomas Fritsch, der muss jetzt umdenken. Nun ist da ein Wesen das im Schatten haust, mit räudiger Mähne, einem leichenhaften Fell und eingefallenen Flanken. Vom aristokratischen Gegenspieler zu seinem Bruder Mufasa ist da rein gar nichts mehr vorhanden. Das Rudel der Hyänen wiederum, längst die eigentlichen Herrscher im Elend, hätten ruhig noch ein wenig gefährlicher wirken dürfen.

Perfektion an den Computern eröffnet neue Möglichkeiten

Eine Erkenntnis nimmt man aus diesem Film mit nach Hause: Wenn die Perfektion an den Computern weiter fortschreitet, werden wir bald bei Tierfilmen nicht mehr wissen, was echt ist und was künstlich produziert wurde. Und eine Frage will einem nicht aus dem Kopf: Was macht eigentlich ein Regisseur, wenn er keine Akteure mehr vorfindet, die nach seinen Vorstellungen agieren?

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