Literatur

Deutscher Buchpreis für einen Teneriffa-Roman

Inger-Maria Mahlke gewann für „Archipel“ den Deutschen Buchpreis.

Inger-Maria Mahlke gewann für „Archipel“ den Deutschen Buchpreis.

Foto: Getty

Frankfurt/M.   Für ihren Roman „Archipel“ erhielt Schriftstellerin Inger-Maria Mahlke (42) den Deutschen Buchpreis. Es geht um die Geschichte Teneriffas.

Inger-Maria Mahlke, 42, die für ihrem vierten Roman „Archipel“ den mit 25.000 Euro dotierten Deutschen Buchpreis 2018 zugesprochen bekam, gilt in der Branche schon länger als eine wichtige deutsche Autorin. Doch die drei vorherigen Romane, von Kritikern als große Literatur gehandelt, waren beim Publikum keine Erfolge. Die Autorin lebt prekär, wie viele Schriftsteller. Sie kommt mit Preisen und Stipendien über die Runden. Manchmal, hat sie gesagt, fühle sie sich wie eine Hochstaplerin, aber sie können nun mal vom Schreiben nicht lassen. Uns sie kann schreiben: Sie hat lebendige Figuren, eine abwechslungsreiche Handlung und wunderbar verrückte Einfälle.

„Archipel“ ist ein Roman über die Vergänglichkeit und ein großer Wurf. Er führt uns auf die Kanareninsel Teneriffa, in die Stadt Santa Cruz, dort, wo die Autorin – ihre Mutter stammt von der Insel – viele Monate ihrer Kindheit verbracht hat.

Die „Insel des ewigen Frühlings“

Der Roman beginnt mit einer Beschreibung der Meteorologie auf der „Insel des ewigen Frühlings“. In Folge geht es aber um weniger romantische Angelegenheiten, nämlich um das Erbe des einstigen Franco-Regimes, um Korruption, Sex, menschliches Versagen und eine verquere Liebe. Die Insel wird zum Symbol für historisches Scheitern in der europäischen Krise, obwohl es eine Familiensaga ist.

Die Geschichte wird rückwärts erzählt, von 2015 bis zurück in das unselige Franco-Zeitalter mit dem Spanischen Bürgerkrieg. Das macht es für die Leser nicht gerade leicht, aber Mahlke wollte das so, weil sie in die Rückschau ihre Figuren einbetten kann. Durch kenntnisreiche Schilderungen der Insel und ihrer Milieus kommt es zu spannenden Szenen. Mahlkes Konstruktion erscheint mitunter etwas gequält, wenn sie in Tiefenschichten der spanischen Geschichte eindringt und aus der Vergangenheit auf die Gegenwart schließen will.

Inger-Maria Mahlke: Archipel. Roman. Rowohlt, 432 S., 20 Euro

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