Theater

„Der Widersacher“ nach Emmanuel Carrère am Theater Dortmund

„Der Widersacher“: Szene mit Max Ranft, Alida Bohnen und Björn Gabriel.

„Der Widersacher“: Szene mit Max Ranft, Alida Bohnen und Björn Gabriel.

Foto: Birgit Hupfeld / Handout

Dortmund.  Ein Mann, der ein gutes Leben zu führen scheint, erschießt seine Familie: Das Theater Dortmund zeigt „Der Widersacher“ nach Emmanuel Carrère.

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Der Franzose Jean-Claude Romand galt den Menschen seiner Umgebung stets als Markenzeichen eines erfolgreichen Lebens: die Ehe glücklich mit zwei kleinen Kindern, im Beruf eine bedeutende Position bei der Weltgesundheitsorganisation. Im Januar 1993 jedoch erschießt er zunächst seine Frau, danach seine Kinder und seine Eltern, mit denen er zuvor noch zu Mittag gegessen hatte. Den Schriftsteller Emmanuel Carrère hat diese monströse Tat nicht ruhen lassen. Sein ungemein erfolgreiches Recherche-Buch „Der Widersacher“ hat der Regisseur Ed. Hauswirth jetzt im Studio des Dortmunder Theaters zur Grundlage eines verstörenden Stückes gemacht.

Hier taucht der Zuschauer mitten hinein in das Unfassbare, nimmt nach und nach auf, was der Autor bei seiner Spurensuche zusammengetragen hat. Weil Carrère sich selbst in sein Buch hineingeschrieben hat, kann Uwe Rohbeck als sein Alter Ego fungieren. Er erzählt vom Besuch beim Täter im Gefängnis, der sich inzwischen ganz dem christlichen Glauben ergeben hat. Er befragt ehemalige Nachbarn und Freunde, um am Ende so etwas wie ein Zwischending aus Reportage, Essay und Krimi zu erhalten.

Die Bühne von Susanne Pries stellt Dinge an den Abgrund – eine Metapher

Am Theater Oberhausen hat es vor einiger Zeit unter dem Titel „Amok“ einen Versuch gegeben, sich anhand des Buches an die Untat heranzutasten. Was damals von zwei Schauspielern sehr konzentriert gespielt wurde, das findet sich in der Dortmunder Inszenierung nun ein wenig turbulenter. Neben Rohbeck tauchen noch sechs weitere Akteure auf kleinem Raum auf, die mal Nachbarn spielen, mal tote Kinder auf dem Boden, einmal sogar einen aufgeregten Hund. Wer hier zu wenig Erkenntnis moniert, der halte sich an die Bühne von Susanne Pries. Sie lässt kleine Dinge in den Raum stellen, die jeweils gefährlich nahe am Abgrund stehen. Immerhin eine Metapher.

Regisseur Hauswirth bietet zwei trefflich unterhaltsame Stunden

Regisseur Hauswirth spielt offensichtlich gern mit True-Crime-Elementen, weniger mit Zusammenhängen wie dem Banalen und dem Bösen. Denn mit einer banalen Lüge hat damals für den späteren Mörder Romand eigentlich alles angefangen. Weil er als Student das eigene Scheitern nicht ertragen kann, häuft sich alsbald eine Lüge auf die nächste. Daraus erwächst am Ende ein Leben ganz aus Lüge gebaut, grandios verschleiert bis zum großen Knall.

Die Dortmunder Inszenierung liefert zwei trefflich unterhaltsame Stunden. Am Ende werden sogar noch Thriller-Elemente ausgepackt, eine Art Aufbäumen vor dem Ende. Allein das Hintergründige will nicht so recht greifen.

Termine: 6., 13., 29. Dezember; 12., 16., 26. Januar. Karten: 0231 / 50 27 222

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