Konzert-Kritik: Pixies in Köln

Der schönste Krach des Abends

Pixies-Frontmann Black Francis schreit noch immer wie in den 80ern.

Pixies-Frontmann Black Francis schreit noch immer wie in den 80ern.

Foto: heiko buschmann

Köln.  30 Jahre ist es her, als die Pixies ihr bahnbrechendes Debüt „Surfer Rosa“ veröffentlichen. Bis heute haben sie nichts von ihrer Magie eingebüßt.

„Hey“, sagt Charles Thompson, besser bekannt als Black Francis. Es ist um kurz vor 23 Uhr sein erster direkter Kontakt mit dem Publikum. Nein, ein Liebling seiner Fans wird der Frontmann der Pixies nicht mehr, außer wegen seiner Musik natürlich. Und auch das freundliche „Hey“ ist ja zugleich auch die Ankündigung eines folgenden Songs – von denen die in die Jahre gekommenen Helden des Alternative-/Punkrock am Montagabend im Palladium fast 40 aus dem Ärmel schütteln.

Über 30 Jahre ist es her, seit die Pixies mit ihrer ersten EP „Come on Pilgrim“ und dem folgenden Longplayer „Surfer Rosa“ Maßstäbe in ihrer Branche setzten. Keine noch so gute Band der Welt wird besser, wenn sie nach etlichen internen Querelen und einer zwischenzeitlichen zehnjährigen Auszeit auf die Bühne zurückkehrt. Gerade die Pixies, die in ihrer Frühphase epische Indiehymnen wie das heute noch auf jeder guten Party laufende „Where is my mind“ zelebrierten, rufen bei ihrem ebenfalls gut gereiften Anhang nach wie vor immense Erwartungen hervor.

Und, das ist wohl die größte Überraschung für die 3.500 Leute in Köln: Die Pixies werden diesen Ansprüchen voll und ganz gerecht. Nach dem kurzen, aber gelungenen Set der Blood Red Shoes, betritt das Quartett pünktlich um 21 Uhr die Bühne. Bassistin Paz Lenchantin ergänzt seit nunmehr fünf Jahren die Gründungsmitglieder Francis, Joey Santiago (Leadgitarre) und David Lovering (Drums). Sie ist die Nachfolgerin der geschätzten Kim Deal und bei den folgenden Parts erfreulich nahe am betörenden Gesang der Breeders-Gründerin. Nach einem über fünfminütiges Gitarrengewitter, somit das mit Abstand längste Stück des Abends und mit dem Rücken zum Auditorium intoniert, liefern die Pixies einen erfreulich ausgewogenen Mix aus neuem Material und dem, was die Leute hören wollen. „Caribou“ ist der erste Hit, auch „Gouge away“, „Wave of Mutilation“, „Here comes your man“, natürlich „Where is my mind“ und „Velouria“ lassen die Pixies nicht aus.

Als nach fast eineinhalb Stunden ein Hänger droht, weil auch „Beneath the Eyrie“ vorgestellt werden soll und fünf Nummern des aktuellen Albums hintereinander kommen, bitten die Pixies zum grandiosen Finale. Eine einzige Zugabe gönnen sie ihren Fans, dafür gehen sie nach ihrer ehrlichen Verneigung vor dem Publikum noch nicht einmal von der Bühne. „Debaser“ schreit Black Francis in die Halle, und Joey Santiago lässt noch einmal die Saiten kreischen – dann ist es vorbei. Kein „Gigantic“, kein „Monkey gone to heaven“, aber ein in der Summe grandioses Konzert einer Band, die man auch drei Jahrzehnte nach der Hochzeit ihres Schaffens nicht abschreiben sollte.

Nach Berlin war Köln die zweite Station der 2019er Tour der Pixies. Tickets für diese Shows sind noch erhältlich: 16. Oktober in Brüssel, 17. Oktober in Luxembourg, 23. Oktober in Barcelona, 25. Oktober in Lissabon. Die anderen Konzerte in Europa sind ausverkauft.

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