Literatur-Nobelpreis

Der richtige Preis für Peter Handke

Jens Dirksen

Jens Dirksen

Foto: Socrates Tassos

Es ist gerade einmal 13 Jahre her, dass es ein Heiden-Theater um den Düsseldorfer Heine-Preis gab. Erst wollte der Stadtrat Handke den Preis, den eine Kritiker-Jury dem österreichischen Schriftsteller Peter Handke zugesprochen hatte, wegen seiner Parteinahme für Serbien im Jugoslawien-Krieg wieder einkassieren – dann lehnte der Schriftsteller selbst den mit 50.000 Euro dotierten Preis ab und stiftete selbst einen alternativen Heine-Preis.

Dass etwas Ähnliches beim Nobelpreis passieren könnte, ist aber nicht nur wegen der um rund 630.000 Euro höheren Preissumme unwahrscheinlich. Denn der Literatur-Nobelpreis, daran sollte man sich gelegentlich erinnern, ist keine Literatur-Weltmeisterschaft (dazu haben ihn schon viel zu viele Autoren aus der zweiten und dritten Reihe bekommen), er soll vielmehr „das Beste in idealistischer Richtung“ auszeichnen. Und Idealismus lässt sich Peter Handke nun wirklich nicht absprechen. Vielmehr drängt zuweilen ein Übermaß idealistischer Gedanken und Wortschrauben seine Texte an den Rand der Genießbarkeit geraten.

Starke Stücke von „Publikumsbeschimpfung“ bis „Immer noch Sturm“

Gleichwohl ist es Handkes Stärke, Verdrängtes, Unausgesprochenes, Verpöntes, Vernachlässigtes zur Sprache zu bringen. Zuweilen immer noch in provokatorischer Manier wie in seinen Anfangsjahren nicht nur mit der „Publikumsbeschimpfung“. Überhaupt gehören Handkes Theatertexte zu seinen stärksten Seiten, von seinen beiden stummen Stücken „Das Mündel will Vormund sein“ und „Die Stunde, da wir nichts voneinander wussten“, bis zum geschichtsmächtigen Erinnerungsstück „Immer noch Sturm“.

Handkes unablässiges Drängen auf Wahrheitssuche, seine Parteinahme vom Rand des Geschehens aus, seine unablässige Befeuerung von Dialogen lassen diesen Preis verdient erscheinen. Dass er einen gewissen Schönheitsfehler darin hat, dass er in diesem Jahr wie ein halber erscheinen muss, obwohl man ihn verdoppelt hat, passt allerdings auch zu einem Preisträger, der bei allem Idealismus auch den Schrammen und Schrunden der Wirklichkeit seine präzise Aufmerksamkeit gewidmet hat.

Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben