Musik

Das erwartet die Pop-Fans in diesem Jahr

Die Backstreet Boys

Die Backstreet Boys

Foto: Sony

.   Alle schon mal dagewesen: Neues von Rammstein und Dendemann, Avril Lavigne, den Backstreet Boys und Lana Del Rey, Mark Ronson und Dido

Schneller Blick auf den Kalender, vielleicht ist man ja tatsächlich in eine Art Zeitloch gefallen und zehn Jahre jünger in der Vergangenheit aufgeschlagen. Hm, zu früh gefreut, dort steht tatsächlich „2019“. Aber kann das sein? Zumindest, was die angekündigten Musikveröffentlichungen des noch blutjungen Jahres betrifft, ließe sich problemlos behaupten, dass wieder 2009 ist. Oder gleich 1999. Denn die bisherigen Veröffentlichungspläne der Plattenfirmen, sie legen – teilweise nach Jahren, wenn nicht Jahrzehnten – so manches Urgestein des Pop frei, über das im Laufe der Zeit eine ganze Menge Sand gerieselt war.

Rammstein zum Beispiel

Nach Jahren des kreativen Darbens hat die Band um Sänger Till Lindemann tatsächlich ein neues Werk angekündigt, im April soll es kommen. Das Album sei bereits fertig, wurde von Rick Costey (Muse) in Los Angeles abgemischt und verfüge, so lässt sich Gitarrist Richard Kruspe vernehmen, „über ein Potenial, das Rammstein bislang noch nicht ausgeschöpft hätten“. Melodischer sollen die Songs des offiziell noch unbetitelten Albums etwa geworden sein. Hauptsache, Rammstein lassen auf ihrer ersten Studioveröffentlichung seit „Liebe ist für alle da“ aus dem Jahr, genau, 2009, die Finger vom Hip Hop; das jüngst veröffentlichte Duett von Lindemann mit Rapper Haftbefehl namens „Mathematik“ ist alles andere als eine Empfehlung.

Dendemann

Überlassen wir den Sprechgesang besser Leuten, die Ahnung davon haben, jemandem wie Dendemann. Auch der gebürtige Mendener und Mittlerweile-Berliner, bürgerlich Daniel Ebel, galt lange als Figur der Vergangenheit. Der äußerst sprachverspielte Rapper, bis Ende 2016 musikalischer Direktor des „Neo Magazin Royale“, veröffentlicht neun Jahre nach „Vom Vintage verweht“ nun tatsächlich ein neues Album. Es heißt „da nich für!“, erscheint am 25. Januar, klingt altersgerecht für einen 44-Jährigen (Dende rappt darüber, lieber daheim den Hund kraulen als sich auf Partys zu langweilen), greift, aber nicht zu sehr, aktuelle Politikthemen auf und glänzt mit Gästen – lebenden (Casper, Beginner) wie dahingeschiedenen (Hildegard Knef, Rio Reiser).

Avril Lavigne

Irgendwo zwischen diesen Zuständen siechte Avril Lavigne („Complicated“) zwei Jahre lang wegen einer Borreliose-Erkrankung dahin. Die Erholung zog sich. Aber nun ist die inzwischen 34 Jahre alte, zwei Mal geschiedene ehemalige Skater-Rotzgöre wieder gesund und erkundet auf ihrem ungewohnt erwachsen und reif klingenden neuen Album „Head Above Water“ (15. Februar) das Leben erstmals nicht mehr als Mädchen, sondern als Frau.

Dido

Zumindest in musikalischer Hinsicht nie so wirklich jung war die Londonerin Dido („Stan“, „White Flag“), eine in den frühen Jahren dieses Jahrhunderts irrsinnig erfolgreiche Popsängerin, die es dann gemächlicher angehen ließ, Mutter wurde und sich jetzt auf ihrem fünften Album „Still On My Mind“ (ab 8. März) tatsächlich frischer, agiler und elektronisch-tanzbarer anhört als seit Ewigkeiten. Den neuen Stücken kommt zugute, dass Dido endlich wieder mit ihrem Produzentenbruder Rollo Armstrong, dem Mann hinter Faithless („Insomnia“) zusammengearbeitet hat.

Backstreet Boys

Als die introvertierte Dido ihre große Zeit hatte, ging es mit den Ende der Neunziger weltdominierenden Backstreet Boys schon wieder abwärts. Aber auch diese Herrschaften, heute allesamt Väter und bis auf Nick Carter über 40, lassen nicht locker. „DNA“ (ab 25. Januar) heißt das neue Album der nach der Rückkehr von Kevin Richardson wieder vollzähligen Jungs. Wer klassische Popsongs mit Sinn, Verstand und guten Stimmen zu schätzen weiß, dürfte von neuen Liedern wie „No Place“ recht angetan sein.

Mark Ronson

Auch Mark Ronson steht auf der Matte. Aus persönlichen Gründen darf man bei dem Mann hinter „Rehab“ von Amy Winehouse“ und „Uptown Funk“ mit Bruno Mars eine Trennungsplatte erwarten, die erste Single „Nothing Breaks Like A Heart“ mit ausgerechnet der frischvermählten Miley Cyrus schlug ja schon in die Scheidungskerbe.

Gruppenbild mit Damen

Und was macht eigentlich Madonna? Am Jahreswechsel tat die in Lissabon lebende Ikone in der New Yorker Schwulenbar „Stonewall Inn“ auf, ein neues Album ist verbindlich für dieses Jahr angekündigt. Wann? Spekulation. Fest steht: Lena Meyer-Landrut wird ihre Platte „Only Love, L“ am 5. April rausbringen, Anna Loos öffnet nach der (einstweiligen?) Trennung von Silly am 8. März ihren „Werkzeugkasten“, auch die forsche Schweizerin Stefanie Heinzmann wird, jetzt blond, im Frühjahr mit „All We Need Is Love“ wieder vorstellig. Außerdem haben Ellie Goulding und Sarah Connor neue Alben angekündigt, mit beiden ist im Frühjahr zu rechnen. Das neue Werk der gefeierten Solange Knowles könnte jederzeit ohne Ansage auftauchen.

Könnte, muss aber nicht

Im dunklen Reich des Munkelns: Bruce Springsteen (Soloalbum irgendwann 2019), Coldplay (nach einer Auszeit 2018 wieder im Studio), Ed Sheeran und Adele, die auch wieder zugange sein soll.

Newcomer

Neue Namen, spannende junge Künstler, irgendwelche Menschen, die uns beweisen, dass wir wirklich 2019 haben? Keine Angst, die gibt es auch. Alice „No Roots“ Merton kommt am 18. Januar mit ihrem erfrischenden Debüt „Mint“, Julia Jacklin verzaubert ab 23.Februar mit sanft-verstörendem Folk-Pop („Crushing“), Sharon Van Etten bringt am 18.1. das erste richtig großartige Album des Jahres raus („Remind Me Tomorrow“), der umjubelte Dagobert ist wieder da („Welt Ohne Zeit“, 1.3.), die Südafrikanerin Alice Phoebe Lou baut ihre stilistisch vielfältigen „Paper Castles“ (8.3.), die Norwegische Dance-Pop-Hoffnung Sigrid will mit ihrem ersten Album „Sucker Punch“ im März endlich soweit sein, dann soll auch Lana Del Reys jüngstes Album so weit sein, der Titel „Norman Fucking Rockwell“ steht schon fest.

Und auf Hochtouren sind...

Wer meint, dass das ein bisschen viel Jahrtausendwende ist, sollte sich die Konzertgipfel des Jahres besser sparen. Live geht es, wie schon gewohnt, auch mal bis in die Sixties. Kiss beginnen mit der Abschiedstournee, Bob Dylan gibt sich wieder einmal die Ehre, nach geraumer Zeit ist auch Cher wieder bühnenaktiv. An eine Zeit ohne Phil Collins, David Hasselhoff und Alice Cooper kann sich kaum ein Mensch erinnern, auch Pink und Bon Jovi waren schon erfolgreich, als Deutsche noch mit D-Mark bezahlten, und wer Peter Krrraus (dann 80) ein vielleicht letztes Mal live erleben will, bekommt im Herbst seine Chance.

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