Tanz - „b.40“ in Düsseldorf

Das Ballett am Rhein beschert einen leichten Offenbach-Abend

Szene aus dem „b.40“-Tanzabend des Balletts am Rhein: Mark Morris’ „Pacific“ mit dem Ensemble.

Szene aus dem „b.40“-Tanzabend des Balletts am Rhein: Mark Morris’ „Pacific“ mit dem Ensemble.

Foto: Gert Weigelt / Ballett am Rhein/Gert Weigelt

Düsseldorf  „b.40“ ist ein leichter Abend von Martin Schläpfers Ballett am Rhein: Wirbel mit Offenbach, Neoklassik von Mark Morris, Modernes von Cunningham.

. Offenbachs 200. Geburtstag steht vor der Tür: Grund genug für das Ballett am Rhein, im neuen Tanzabend „b.40“ an den gebürtigen Kölner zu erinnern, der mit „Hoffmanns Erzählungen“, Operetten, Cancan und Variété-Musik weltberühmt wurde. Mit Augenzwinkern und einer Tanz-Comedy, Röckeschütteln und hoch schwingende Tänzerinnenbeine inklusive. „Offenbach Ouvertures“ heißt die 30-Minuten-Show, die Paul Taylor bereits 1995 in New York herausbrachte und die bei der Premiere im Düsseldorfer Opernhaus bejubelt wurde. Wesentlich gedämpfter der Applaus für drei andere Stücke von amerikanischen Altmeistern des Modern Dance und zeitgenössischen Tanzes des letzten Jahrhunderts. Darunter das frühe 10-Minuten-Stückchen „Night Wandering“ von Merce Cunningham (1919-2009), der heuer 100 Jahre geworden wäre.

Der Vierteiler bietet mit Werken von gestern und vorgestern einen Blick ins Tanz-Museum und unterfordert das hoch trainierte Ensemble. Tanzhistorische Betrachtungen mag Noch-Chefchoreograph Martin Schläpfer. Ob er so etwas 2020 aber an seiner neuen Wirkungsstätte, der Wiener Staatsoper, noch herausbringen kann, ist fraglich.

French Cancan und American-Eagle-Walzer

Die Kurve bekommt Schläpfer am Ende nur dank Offenbach. Paul Taylor (1930-2018) führt in seiner Offenbachiade von 1995 in ein amüsantes Etablissement, in dem French Cancan und Walzerrhythmen (unter anderem die berühmte ‚Barcarole’) für ausgelassene Stimmung sorgen. Locker und luftig gespielt von Düsseldorfs Symphonikern unter Patrick Francis Chestnut. Kostüme, Schuhe, Kappen und Wände (Santo Loquasto) - alles in glühendes Variété-Rotlicht getaucht. In stilisierten Röckchen und Uniförmchen galoppiert das Ensemble schmissig dahin, tanzt Walzer– manchmal betont unbeholfen, mit ironischem Blinzeln.

Der Clou ist der „American Eagle Walzer“: Zwei Duellanten und Sekundanten bereiten sich auf einen Zweikampf vor, geraten aber in einen urkomischen Strudel von Verwechslungen, so dass sie am Ende weniger die Waffe zücken als vergnügt miteinander oder mit ihren Sekundanten Walzer tanzen. Eine Persiflage, die wie eine Offenbach-Comedy wirkt.

Harmloses von Mark Morris und Strandgymnastik von Trisha Brown

Den Beginn macht eine ästhetische Kurzreise mit neoklassischem Tanz (Frauen auf Spitzenschuhen!) in den Pazifik. „Pacific“, so der Titel der tänzerisch wenig herausfordernden, harmlosen Kreation des Neoklassikers Mark Morris. In langen, wehenden stilisierten Folklore-Röcken in Weiß-Blau, Weiß-Grün Rot und Weiß-Rot ergehen sich einige Solisten in ausgreifenden, klassischen Bewegungsmustern. Bekannte Gruppenbilder, gefühlvolle Pas-de-deux-Variationen und Soli (besonders von Chidozie Nzerem) erzeugen neoklassischen Fluss. Ganz schön anzusehen ist das, zumal die Lichteffekte Blau, Grün und Rot (James F. Ingalis) einen Farben-Zauber der eigenen Art bescheren.

Dann wird’s anstrengend. „Locus Trio“ von Trisha Brown (1936-2017) bietet nicht mehr als Strandgymnastik in Weiß. Ohne Musik. Drei Tänzer(inne)n wärmen sich auf, dehnen ihre Oberkörper, laufen, hüpfen und rollen über den Boden. Das Trio ertastet sich den Ort (Lateinisch: „Locus“), der, laut Programmheft, ein Würfel aus 27 Punkten sein soll. Die experimentelle Studie passt vielleicht ins Tanzhaus NRW, bleibt im Opernhaus aber fern und langweilig.

Merce Cunninghams „Nachtwanderung“ mit Kostümen von Rauschenberg

In Cunninghams „Nachtwanderung“ (von 1958) geht ein Paar (Camille Andriot und Michael Foster) auf Wanderschaft. Der Mann stützt und hebt die Frau. Beide in orange-braunen Fell-Kostümen, die archaisch wirken. Einst entworfen von Cunninghams Künstlerfreund Robert Rauschenberg. So sind die Kostüme das Interessanteste an der Petitesse mit reduzierten Alltagsbewegungen zu überholten, altmodernen Klangsplittern von Bo Nilsson. Dennoch: artiger Applaus. Ist ja Cunningham.

Termine: 24., 28., 30. Juni, 10., 12. Juli. Tickets: Tel. 0211/ 8925 211.

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