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Das Amsterdamer Rijksmuseum zeigt „Rembrandt - Velázquez“

Zweikönigstreffen: Die Schau zu Rembrandt und Velázquez im Amsterdamer Rijksmuseum.

Zweikönigstreffen: Die Schau zu Rembrandt und Velázquez im Amsterdamer Rijksmuseum.

Foto: Photo: Olivier Middendorp / Rijksmuseum

Amsterdam.  Es ist eine tiefe Verbeugung vor zwei Maler-Königen: Das Amsterdamer Rijksmuseum zeigt mit „Rembrandt - Velázquez“ zwei Meister und ihre Zeit.

Wenn Willem-Alexander von Oranien-Nassau und Felipe IV. von Spanien am morgigen Donnerstag im Amsterdamer Rijksmuseum mit einer Art Zweikönigstreffen die Ausstellung „Rembrandt - Velázquez“ eröffnen, wird es eine Verbeugung vor zwei Maler-Königen sein. Dass es dabei friedlich zugehen wird, ist abzusehen, aber keine Selbstverständlichkeit: Als die meisten der nun im Rijksmuseum versammelten Meisterwerke entstanden, lagen das spanische Weltreich und seine ehemalige Kolonie, die Niederlande, miteinander im Krieg, 80 Jahre lang.

Und der war auch mit dem Westfälischen Frieden von 1648 mental noch nicht vorbei: Bis heute hat das Amsterdamer Rijksmuseum kaum spanische Kunst, so wenig wie der Prado niederländische hat. Doch das ist jetzt vorbei, die Ausstellung, die jetzt im Rijksmuseum die Besucher strömen lassen wird, soll im nächsten Jahr eine Gloriole fürs 200-jährige Jubiläum des Prado sein. Der deutsche Chefkurator des Amsterdamer Hauses Gregor Weber hat die Bilder mit seiner Kollegin Cècilia Querol Torelló paarweise gruppiert, und so sieht man auch alte Bekannte in neuem Licht. In „Dialogen über Realismus und Religion“, wie Weber es formuliert.

Velázquez als Repräsentant des Hofstaats, Rembrandt als selbstkritische Künstlerseele

Typisch etwa die Selbstporträts der Stars: hier Velázquez als stolzer, fast überkandidelter Repräsentant eines opulent-zeremoniösen Hofstaats – und dort die bürgerliche, selbstbewusst-selbstkritische Künstlerseele Rembrandt. Oder hier der schier magisch getroffene Faltenwurf des Mönchsgewandes in Zurbaráns „Heiligem Serapion“ kurz vor dessen tödlichem Zusammenbruch und dort Jan Asselijns emblematisch erschreckter Schwan, den man glatt fauchen zu hören glaubt, so lebendig ist sein Gefieder gesträubt (er verkörpert damit ein niederländisches Nationalsymbol, das stete Abwehrbereitschaft bedeutet).

Man kann in dieser Ausstellung auch die Raffinesse bewundern, mit der Rembrandt noch die Firnis eines Porträts nutzt, um die Robe des reichen Bürgers Marten Solmans noch kostbarer schimmern zu lassen – oder das opferbereit gefesselte „Lamm Gottes“ von Zurbarán, das vor Jahren schon im Düsseldorfer Kunstpalast als Gipfel der Unschuld den Atem raubte und bei dem man jede einzelne Wolllocke streicheln zu können glaubt. Das bildet übrigens ein krasses Gegensatzpaar mit Pieter Jansz Seanredam calvinistisch kahlem Kircheninterieur, in dem selbst die Handvoll Gläubige, die einem Prediger lauschen, nicht weniger Kälte ausstrahlen als die weißen Wände.

Gegensätzlich auch Velázquez‘ „Schmiede des Vulkan“, die Gelegenheit für ein paar stramme Männerbeine und durchtrainierte Oberkörper bot, und Rembrandts Stoffhändler, die noch Hut und mörderisch große Krägen tragen und aufblicken, als hätte man sie gerade bei üblen Mauscheleien erwischt. Manchmal aber schimmert auch etwas davon durch, dass für beide Länder das 17. Jahrhundert ein „Goldenes Zeitalter“ war – nicht so sehr, weil die Ausplünderung der Kolonien sichtbar wurde, sondern der daraus resultierende Reichtum auch ein goldenes Zeitalter für die Malerei bedeutete.

Selbstverständlicher Wohlstand in Jan Vermeers „Kleiner Straße“

Darauf beruht vielleicht auch die verblüffende Ähnlichkeit der Stimmung zwischen zurückgezogener Besinnung und selbstverständlichem Wohlstand in Jan Vermeers „Kleiner Straße“ und in Velázquez‘ Szene am Garten der römischen Villa Medici.

Die Sensation dieser 60 Meisterwerke starken Ausstellung aber ist ihr Schlussbild: Juan de Valdés Leals daliegendes Skelett im Bischofsgewand, das drastisch-dramatisch vom Ende alles irdischen Glanzes auch für höchste Würdenträger kündet und fast barbarisch gut gemalt ist: „Finis Gloriae Mundi“, ausgeliehen von der Brüderschaft der Heiligen Barmherzigkeit in Sevilla, hat zum ersten Mal überhaupt spanischen Boden verlassen. Hoffentlich nehmen es sich Willem-Alexander und Felipe nicht allzu sehr zu Herzen.

Es empfiehlt sich die Online-Reservierung unter www.rijksmuseum.nl

Alle Infos zur Schau: „Rembrandt – Velázquez. Niederländische und spanische Meister.“ 11. Oktober 2019 - 19. Januar 2020. Rijksmuseum Amsterdam, Museumsplein 1. Täglich 9-17 Uhr. Eintritt: 20 Euro für Erwachsene, unter 18 Jahren Eintritt frei. Es empfiehlt sich die Reservierung unter www.rijksmuseum.nl/nl/tickets. Mit der Karte kann auch die ständige Ausstellung mit der „Nachtwache“ besucht werden, die derzeit unter den Augen der Besucher restauriert wird. Katalog (englisch, mit einem Essay von Cees Nooteboom): 25 Euro.

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