Philharmonie

Daniel Harding und das BR-Symphonieorchester in Essen

Daniel Harding

Daniel Harding

Foto: Theater und Philharmonie Essen

Essen.  Große Orchesterkultur vom Feinsten: Daniel Harding und das Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks gastierten in der Philharmonie Essen.

Wer mit Tod und Jüngstem Gericht vor allem Verdis Requiem-Geschmetter verbindet, wird bei Edward Elgar eines sanften Besseren belehrt: „Der Traum des Gerontius“ heißt ein Oratorium auf einen Text des inzwischen heiliggesprochenen John Henry Newman, mit dem Elgar beim Niederrheinischen Musikfest in Düsseldorf 1901 seinen Ruhm als Komponist begründete.

Daniel Harding eröffnete mit dem Vorspiel zu dieser Seelenwegs-Schilderung sein Konzert in der Philharmonie Essen. Er verbreitet mit dem Symphonieorchester des Bayerischen Rundfunks eine überirdische Ruhe und Gelassenheit. Herrliches Piano, warm-satter Streicherklang und ätherische Harmonien ohne jede Trübung lassen hören: Die Münchner spielen nicht umsonst in der Top Ten internationaler Orchesterkultur.

Daniel Harding wuchert mit der Souveränität der Musiker – etwa in Mahlers „Totenfeier“

Nicht nur in dem selten gehörten Souvenir aus seiner Heimat wuchert Harding mit der Souveränität der Musiker. Gustav Mahlers „Totenfeier“, später zum ersten Satz seiner zweiten Symphonie geworden, ist anders als Elgars tröstlich-lichtvolle Lyrik. Bei Mahler dominiert der mal wuchtige, mal drohend lauernde Schritt eines Trauermarschs. Die Blechbläser rufen zur Katastrophe, Kontrabässe und Fagotte tauchen den Klang in die schwarze Tinte der Trauer und des Entsetzens. Daniel Harding hält dieses Ringen mit dem tödlichen Geschick, aber auch die Inseln idyllischen Sehnens fabelhaft in der Balance. Machtvolles lärmt nicht; auf der Palette der Lautstärken werden Aufbegehren und von fern herüberwehendes Verklingen beglückend gemischt. Orchesterkultur vom Feinsten im Dienst entschiedenen Ausdruckswillens.

Mariss Jansons, Chefdirigent des Orchesters, hatte krankheitsbedingt abgesagt

Ursprünglich sollte Mariss Jansons am Pult stehen. Doch der Chefdirigent des Orchesters musste krankheitsbedingt absagen. So erklang statt der vorgesehenen Neunten Anton Bruckners nun die Vierte Symphonie von Johannes Brahms. Deren Anfang nimmt Harding wie aus dem Geist Elgars: breit, langsam und spannungslos trotz markanter Akzentuierungen. Er sucht die subtilen leisen Töne, opfert dafür zuweilen Energie, Frische, Dynamik. Im dritten Satz gibt es zwar die Turbulenz eines Scherzos, aber die Artikulation bleibt oft zu mild, vor allem die Violinen phrasieren allzu gemessen.

Diese Noblesse, vielleicht dem Ideal des „klassischen“ Erbes verpflichtet, führt ohne Bruch in die lyrische Welt der Zugabe, Edward Elgars „Nimrod“ aus den „Enigma-Variationen“.

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