Musik

Chris Kramer: Der Beste an der Mundharmonika

Könner mit viel Gefühl: Chris Kramer beherrscht nicht nur sein Instrument virtuos, sondern auch viele Stile über die Grenzen des Blues hinaus.

Könner mit viel Gefühl: Chris Kramer beherrscht nicht nur sein Instrument virtuos, sondern auch viele Stile über die Grenzen des Blues hinaus.

Foto: Frank Beer

Dortmund.   Chris Kramer gewinnt den „German Blues Award“ – und tourt mit dem neuen Album „Way back home“.

Chris Kramer hat nicht nur den Qualm der Schlote aufgesogen, er hat auch den heißen Staub von Memphis geatmet: Dortmunds aufrechtester Blueser gehört nicht erst seit einer Reise zu den Wurzeln seiner Musik zu den Virtuosen auf der Mundharmonika. Kaum einer kann das Instrument so herzzerreißend heulen lassen wie er. Deshalb wurde ihm nun schon zum vierten Mal der „German Blues Award“ verliehen, nominiert von einer Fachjury aus Journalisten, Veranstaltern und Produzenten, öffentlich gewählt per Online-Voting.

Im Blues steckt viel frisches Blut

Dass im Blues viel frisches Blut stecken kann, bringt Chris Kramer auch gerade auf seinem zweiten Album mit Beatbox’n’Blues zu Gehör: Auf „Way Back Home“, das dem 2017er „On The Way To Memphis“ folgt, legt er eine bemerkenswerte Stilvielfalt an den Tag, er selbst an Blues-Harp und Gesang, dazu gesellen sich Gitarrist Sean Athens und Beatboxer Kevin O Neal. So startet Kramer mit dem Song „Jukebox“ eine atemberaubende Bluesrock-Reise, die aber bald an unterschiedlichsten Stationen entlangführt. Mit „Beatbox’n’Boogie“ wird’s zu einem beinahe klassischen, hochgetakteten Boogie Woogie, während der tieftraurige Song „Ashes To Ashes“ eine weinende Mundharmonika auf einen Streichergrund bettet.

Das Trio covert virtuos den alten „Lawyer Clark Blues“ von „Sleepy“ John Estes und taucht mit „Hot Summer Day“ in eine brütende Tex-Mex-Hitze, bei der Kramer zu den tiefsten Tiefen seiner Stimme hinabsinkt – und dabei vielleicht an die Melancholie von Calexico oder gar an die morbideren Songs der Handsome Family erinnert.

Gewagte Rhythmen auch ohne Schlagzeug

Auch Kramers Instrumentals wie „Deep In The Ground“ funktionieren perfekt mit der Mundharmonika als tragendem Instrument. Vermisst man angesichts des Beatboxings von Kevin O Neal das Schlagzeug? Im Gegenteil: Die Rhythmen sind eher abwechslungsreicher und gewagter, als mancher Schlagzeuger sich das trauen würde – oder es gar spielen könnte.

Kramers Songs funktionieren übrigens auch auf Deutsch, wie der durchaus witzige Fußballsong „Erst hatt‘ ich kein Glück“ zeigt, der mit stoppok’schem Humor als WM-Orakel hätte dienen können. Und mit „Der Wolkenmacher“ reist Kramer traurig-nostalgisch zurück in die Vergangenheit des Ruhrgebiets, als alles noch grau war, nur die eigene Gefühlswelt eben nicht…

Voller Blues-Tradition und doch in der Jetztzeit

All dies fügt der 48-Jährige zu einem stimmigen Album, das trotz aller Blues-Traditionen so ganz in der Jetztzeit steht. Und das sicherlich ein Grund dafür ist, dass Kramer am heutigen Mittwoch in Essen als Support von Billy Gibbons von ZZ Top spielen wird.

Chris Kramer & Beatbox’n’Blues: „Way Back Home“ (Fenn Music). Live: 11.7. Support bei Super Sonic Blues Machine mit Billy Gibbons (ZZ Top), Casino Zollverein. Eigene Gigs: 24.& 25.8. Schwerte. Video zu „Der Wolkenmacher“ unter https://youtu.be/hWAhDKFxE48

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben