Bloß keine Abschiedstournee!

Düsseldorf.   Tastenkönig Jon Lord wird bei Deep Purple nur „menschlich“ vermisst, der Gitarren-Exzentriker Ritchie Blackmore überhaupt nicht: In zwei Wochen erscheint das neue Deep-Purple-Album „inFinity“. Sänger Ian Gillan, der vielsaitige Steve Morse und das Jon-Lord-Double Don Airey haben mit Roger Glover (b, 71) und Ian Paice (dr, 68) zehn Songs eingespielt. Jens Dirksen traf die dienstälteste Rhythmusgruppe des Hardrock in Düsseldorf.

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Tastenkönig Jon Lord wird bei Deep Purple nur „menschlich“ vermisst, der Gitarren-Exzentriker Ritchie Blackmore überhaupt nicht: In zwei Wochen erscheint das neue Deep-Purple-Album „inFinity“. Sänger Ian Gillan, der vielsaitige Steve Morse und das Jon-Lord-Double Don Airey haben mit Roger Glover (b, 71) und Ian Paice (dr, 68) zehn Songs eingespielt. Jens Dirksen traf die dienstälteste Rhythmusgruppe des Hardrock in Düsseldorf.

Juckt es sie nicht, ein Konzert ohne „Smoke On The Water“ zu spielen?

Ian Paice: Niemals! Wir sind doch nicht verrückt! Zu 90 Prozent kommen die Leute in die Konzerte, weil sie die alten Sachen hören wollen!

Nehmen Sie sich so zu Herzen, was die Fans sagen?

Paice: Man kann es ja nicht jedem recht machen. Unsere echten Fans sind allerdings sehr kritisch, die melden sich sofort zu Wort, wenn ihnen etwas nicht gefällt. Sie haben ihren Geschmack, und das ist okay.

Roger Glover: Es hat sich alles geändert durchs Internet. Als wir die ersten Test-Konzerte mit Steve Morse gespielt hatten, sagte mein Stiefsohn morgens: Hey, war ja wohl ein Super-Konzert gestern. – Das Internet war voll davon. Ich habe mich darüber sogar mit ein paar Fans gut angefreundet. Aber man muss sich abgrenzen.

Paice: Oh ja, vor drei, vier Jahren hatte ich mal ein paar Jack Daniels zu viel und habe mich bei Facebook angemeldet – oh Mann! Ich war zwei Tage lang beschäftigt.

Glover: Es ist nicht mehr wie früher, als man die Fanpost irgendwo in der Ecke liegen lassen musste, weil es einfach zu viel war. Die Leute erwarten, dass du antwortest.

In letzter Zeit haben sie orakelt, die nächste Tour könnte die letzte sein.

Paice: Es ist wahrscheinlicher, dass wir noch mal ein neues Album machen als dass wir nach der nächsten Welttournee noch mal eine machen. Die Musik, die du aufgenommen hast, ist unsterblich, aber Musiker sind es nicht. Irgendwann fordert das Alter seinen Tribut, entweder du bist nicht mehr auf dem Planeten oder du kannst du nicht mehr, wie du solltest. Der Tag, an dem du das merkst, kann schneller kommen als man denkt. Im Moment sind wir nicht tapfer genug, um zu sagen: Schluss, das war’s!

Was also dann?

Paice: Nach der Tour werden wir ein halbes Jahr in uns gehen. Und vielleicht spielen wir danach hier und da noch ein Konzert. Jedenfalls wollen wir nicht wie andere Musiker eine Abschiedstournee machen – und zwei Jahre später sagen: Okay, wir sind wieder da.

Glover: Die erste alljährliche Wiedervereinigungs-Tournee... (lacht)

Aber Sie sind nicht gelangweilt, immer dieselben Songs zu spielen?

Paice: Ein gutes Stück Musik ist auch nach 50 oder 100 Jahren noch ein gutes Stück Musik. Und wenn es wirklich gut ist, macht es immer wieder Spaß, das zu spielen. Ich bin sicher, wenn man 200 Jahre zurückgeht, wird man eine Menge Klassik-Müll finden. Was wir kennen, ist das gute Zeug. Und unsere Musik ist ja wie Jazz: Es gibt eine Struktur, aber darin ist jeder jeden Abend ein bisschen anders.

Was sagen Sie zu Trump und dem Brexit?

Paice: Ich habe gegen den Brexit gestimmt, er nimmt mir viele Annehmlichkeiten. Aber: Die Europäische Union ist als Wirtschaftsgemeinschaft gegründet worden, das war eine gute Idee. Jetzt haben wir einen föderalen Staat und zu viel Regulierung aus Brüssel.

Glover: Ich habe mich da rausgehalten, ich lebe seit acht Jahren in der Schweiz. Ich hätte für „Bleiben“ gestimmt. Und gegen Trump.

Paice: Du Radikaler! Trump redet wie die blauen Anzüge, wenn sie an der Bar ein paar Drinks hatten. Er redet nicht, wie Politiker reden sollten.

Glover: Ich habe 30 Jahre in den USA gelebt – heute kommt es mir vor, als hätten sie einen neuen Bürgerkrieg. Nicht Norden gegen Süden wie früher, sondern die Mitte gegen die Ost- und Westküste. Eine Katastrophe!

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