Fotografie

Berliner Fotograf erkundet den Strukturwandel im Ruhrgebiet

So sieht Weichert die Kornbäckerei Rekas am Katernberger Markt.

So sieht Weichert die Kornbäckerei Rekas am Katernberger Markt.

Foto: Ulrich Weichert

Essen.   Für die Stadtviertel rund um das Weltkulturerbe Zollverein hat Fotokünstler Ulrich Weichert ausnahmsweise die Farbfotografie gewählt.

Der Mann war unter anderem hauptberuflich Fotograf beim Bundespresseamt in Berlin und daher darf man Ulrich Weichert unterstellen, dass er neben dem künstlerischen immer auch einen politischen Blick auf die Orte hat, an denen er fotografiert.

Seine jüngste, fotografische Expedition führte ihn ins Ruhrgebiet. Die Ergebnisse sind nun zu sehen. Weichert, geboren 1949 in Tübingen, hat meist Gegenden im Umbruch im Sucher – in Italien und in den neuen Bundesländern. Seine Bilder sind unter anderem im Haus der Geschichte in Bonn und im Deutschen Historischen Museum in Berlin zu sehen. Jetzt hat sich Weichert erstmals des Ruhrgebiets angenommen.


Wie entstand Ihr Interesse für das Ruhrgebiet als fotografisches Thema?

Das Ruhrgebiet hat mich schon lange interessiert. Während meines Studiums gab es Kommilitonen, die dort gearbeitet haben und ich kenne etliche Fotografen, die im Ruhrgebiet unterwegs waren und habe großen Respekt vor ihren Arbeiten. Vor zwei Jahren entstand dann der Kontakt zur Stiftung Zollverein und im vergangenen September habe ich begonnen dort zu fotografieren.

Haben Sie eher die Vergangenheit oder eher die Zukunft gesucht?

Vor allem die Gegenwart. Ursprünglich hatte ich überlegt, mein Projekt „Licht im Schacht“ zu nennen und wollte in Anspielung auf die „Schicht im Schacht“ zeigen, wie Menschen diesen Wandel angehen, wieder Licht in die Stadtteile bringen. Und ich habe mich anders als bei vorhergehenden Projekten dafür entschieden, in Farbe zu fotografieren, auch um den klassischen Bildern vom Ruhrgebiet etwas entgegenzusetzen.

Wie sind Sie vorgegangen? Die Bilder wirken so, als seien Sie gewissermaßen wie ein Flaneur durch die Straßen rings ums Weltkulturerbe spaziert…

Nun, es ist nicht ganz so. Es stimmt schon, dass die meisten Bilder entlang der Hauptstraßen durch Stoppenberg und Katernberg entstanden sind. Aber natürlich sind die Menschen erst einmal skeptisch, wenn da ein schwarz gekleideter Mensch mit Kamera durch die Gegend läuft und fotografiert. Diese Art zu fotografieren wird ja heutzutage zunehmend schwieriger. Insofern habe ich mich bemüht, Kontakte zu den Leuten herzustellen – wobei mich nicht nur Leute vom Zollverein sondern auch Essener Freunde unterstützten.

Und, stimmt das Klischee vom offenen und direkten Ruhrgebietsmenschen?

Das traf nur teilweise zu, die Leute waren schon vorsichtig. Ich bin hie und da auch einer gewissen Skepsis begegnet. Man merkt, dass das Leben für einige Menschen hier hart ist. Was mir auffällt, ist die Bescheidenheit der Menschen. Vielleicht ist unteranderem auch das ein Grund dafür, dass sich der Fokus in Sachen Strukturwandel stärker auf die neuen Bundesländer gerichtet hat und man darüber das Ruhrgebiet eher vernachlässigt hat.

Was sagen denn Ihre Freunde im ach so hippen Berlin, dass Sie jetzt das Ruhrgebiet fotografieren?

Einige werden herkommen und sich die Ausstellung ansehen, das Interesse am Ruhrgebiet ist auch hier groß. Das kulturelle Angebot des Reviers kann sich ja durchaus mit dem Berliner messen - und gerade Zollverein ist Magnet und Mittelpunkt in einem Stadtteil, in dem es ja kein richtiges Zentrum gibt. Ich jedenfalls werde wieder hierherkommen und weiter fotografieren. Es reizt mich sehr, den ‚Pott’ noch besser kennenzulernen.

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