Fotografie

Axel Hüttes Landschaften der Selbsterkundung

Axel Hütte Geäst-1, Germany 2009, Ditstone Print, 155 x 255 cm Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.

Axel Hütte Geäst-1, Germany 2009, Ditstone Print, 155 x 255 cm Kunstsammlung Nordrhein-Westfalen.

Düsseldorf/Bottrop.  Der Fotograf Axel Hütte war einfach „fällig“: Der Düsseldorfer Kunstpalast und das Bottroper Museum Quadrat blättern im Lebenswerk des Künstlers

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Axel Hütte, 1951 in Essen geboren, gehörte zu den ersten, die bei Bernd und Hilla Becher an der Düsseldorfer Kunstakademie Fotografie studierten. Er half dem heute legendären Paar noch dabei, die Kohle- und Stahl-Architektur des Ruhrgebiets im Bild festzuhalten, als von Industriekultur keine Rede war und deren Bauten als Spekulationen auf Zweck und Zeit einer nach dem anderen dem Erdboden gleichgemacht wurden. Hütte schleppte die schwere Plattenkamera. Dass er sie bis auf den heutigen Tag und längst auf eigene Rechnung in die entlegensten Winkel der Welt schleppt, hat nichts mit Sentimentalität oder Rostalgie zu tun: Das analoge Ungetüm ist für den Fotografen Axel Hütte auch im digitalten Zeitalter das Arbeitsgerät der Wahl, mit der größtmöglichen Präzision.

Hütte nennt sich in Sachen Genauigkeit „150-prozentig“, selbst die Eisenrahmen seiner Bilder („kalt gewalzt oder gezundert“) lässt er „auf den Millimeter genau“ anfertigen. Hütte ist längst ein internationaler Markstein der Fotografiekunst, und dass das Bottroper Museum Quadrat und der Düsseldorfer Kunstpalast völlig unabhängig voneinander auf die Idee kamen, Axel Hütte auszustellen, offenbart nicht nur die bisweilen zum Autistischen neigende Arbeitsweise unserer Ausstellungshäuser, sondern auch, dass Hütte reif war für eine umfassende Würdigung: Bottrop zeigt den „frühen“ Hütte von den Akademie-Jahren bis 1994, Düsseldorf dagegen die Bilder, die seither entstanden bis hin zu den jüngsten aus der Antarktis.

Riesenformaten aus den Regenwäldern

Ausgerechnet diese Bilder gehören zu den Ausnahmen im Œuvre dieses Meisterfotografen: Sie erzählen. Sie berichten vom Zustand der Welt, denn statt des großen, allumfassenden Weiß mit wenigen Schattierungen und Kanten sehen wir im Blauschwarz von Himmel und See ein paar weiße Fetzen treiben, letzte Reste dessen, wie es scheint,was die globale Erwärmung vom einst so ewig scheinenden Eis übrig ließ.

Denn bekannt geworden ist Axel Hütte mit Riesenformaten aus den Regenwälder und den nächtlichen Metropolen dieser Welt, die nicht nur in ihren meterhohen, meterbreiten Formaten das Staunen lehren. Nicht über Idyllen oder Naturgewalten, sondern über den Augenblick. Auf den der Fotograf bisweilen Stunde um Stunde, ja Tage wartet. Dieses gleißende Weiß des Rheins bei Ingelheim, diese taufrischen Nebelbilder aus Italien, diese mit Stämmen, Ästen und Zweigenzugestellten Waldlandschaften, die nichts so spüren lassen wie die eigene Einsamkeit. „Ich räume meine Bilder so leer wie möglich“, sagt Hütte, „damit sich die Betrachter in ihnen selbst wiederfinden können. Damit sie darin nach sich selbst suchen können.“

Architekturstudien aus London, Venedig und Paris

In Düsseldorf wird man das nicht nur vor den Brückengeometrien von Südafrika über Japan bis zum niederrheinischen Griethausen können, sondern auch bei den kopfstehenden Wasserspiegelungen und zwei sehr berückenden Videoarbeiten. In Bottrop wiederum begegnet man den Freunden aus dem einstigen Nachtleben des Künstlers als Porträt-Serien und Parallele zur legendären Arbeit des Studienkollegen Ruff. Aber auch strengen Architekturstudien aus London, Venedig und Paris nebst extrakühlen Hauseingängen aus dem Rheinland (weil die Berliner zu heimelig waren) und farblich grandios ins Licht gesetzten U-Bahn-Stationen. Alles mit leerem Himmel und menschenleer. Vom Betrachter einmal abgesehen.

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