Autorendämmerung in Dortmund

Dortmund.   Die Stadtrundfahrt für die über 170 Schriftsteller, die ab Donnerstag zur Jahrestagung des deutschen Pen-Zentrums erwartet werden, soll vom Phönixsee mit dem untergegangenen und dem auferstandenen Ruhrgebiet zur Schlösschen-Zeche Zollern führen. Lokalmatador Heinrich Peuckmann will zudem einen Großteil der Autoren vom Tagungsort im Dortmunder U durch die Nordstadt ins „Depot“ führen, „ohne allzu viele von ihnen unterwegs zu verlieren“.

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Die Stadtrundfahrt für die über 170 Schriftsteller, die ab Donnerstag zur Jahrestagung des deutschen Pen-Zentrums erwartet werden, soll vom Phönixsee mit dem untergegangenen und dem auferstandenen Ruhrgebiet zur Schlösschen-Zeche Zollern führen. Lokalmatador Heinrich Peuckmann will zudem einen Großteil der Autoren vom Tagungsort im Dortmunder U durch die Nordstadt ins „Depot“ führen, „ohne allzu viele von ihnen unterwegs zu verlieren“.

Und falls dann jemand von den Damen und Herren des geschliffenen Worts in Dortmund einen idealen Ort zum Arbeiten sieht, würde die Stadt Dortmund umgehend ein Stadtschreiber-Stipendium organisieren – „das ist zwar noch nicht mit dem Kulturausschuss abgestimmt“, räumte Dortmunds Oberbürgermeister Ullrich Sierau gestern ein, „aber das kriegen wir schon organisiert. Wir sind sehr stolz, dass Sie uns als Tagungsort gewählt haben.“

Sierau wird gemeinsam mit dem noch amtierenden Pen-Präsidenten Josef Haslinger die Jahrestagung am kommenden Donnerstag in der Bürgerhalle des Dortmunder Rathauses eröffnen, bevor die Autoren tags drauf im U-Turm per geheimer Wahl einen Nachfolger für ihren Präsidenten finden. Der Romancier Haslinger („Opernball“), der den deutschen Pen seit 2013 anführt, hatte bereits vor einem Jahr angekündigt, in diesem Frühling abzutreten: „Demokratie braucht den Wechsel“, betonte Haslinger gestern noch einmal; außerdem habe sich der Schriftsteller Haslinger, der ja auch noch als Professor am Deutschen Literaturinstitut in Leipzig den schreibenden Nachwuchs schult, in den vergangenen vier Jahren in einem „Winterschlaf“ befunden, dessen nahes Ende ihn sichtlich froh stimmt.

Seit der Gründung 1921 stellt sich der zur Völkerverständigung gegründete Pen schützend vor verfolgte Schriftsteller, und so hat sich neben dem internationalen „Writers in prison“-Programm für inhaftierte Autoren das deutsche Programm „Writers in exile“ als traurige Erfolgsgeschichte erwiesen: Seit 17 Jahren bekommen mit Unterstützung des Bundes jeweils acht verfolgte Autoren bis zu drei Jahre lang ein Aufenthaltsstipendium in Deutschland – „und bislang haben alle im Anschluss hier auch Asyl erhalten“, betont Josef Haslinger.

Die aktuellen Stipendiaten werden am Freitagabend im Dortmunder „Theater im Depot“ vorgestellt, wo es auch eine Diskussion über die Zukunft von Wahlen, Demokratie und Meinungsfreiheit geben wird (19 Uhr). Auf dem Podium unter anderem: der belgische Bestsellerautor David Van Reybrouck, der dafür plädiert, dass in den Parlamenten neben gewählten auch noch zufällig ausgeloste Volksvertreter sitzen sollten, um den Debatten und Entscheidungen wieder mehr Volks- und Lebensnähe zu verleihen.

Zum Abschluss der Jahrestagung soll noch einmal ein weites Feld abgeschritten werden, auf dem sich auch der ureigene Beitrag des Ruhrgebiets zur deutschen Dichtung abgespielt hat: Literatur und Arbeit. Unter dem Titel „Poetische Schlagwetter“ soll es nicht nur um eine „Nachschau“ (Haslinger) gehen, sondern auch um die Frage, inwieweit sich Literatur heute um Themen wie Zeitarbeit, Leiharbeit, Home-Office, Scheinselbstständigkeit und Arbeitslose kümmert.

Zu der Diskussion am Sonntag in der Rotunde des Museums für Kunst und Kulturgeschichte werden neben Reiner Hoffmann, dem Vorsitzenden des Deutschen Gewerkschaftsbundes, auch die Autoren Kerstin Hensel (Pen Deutschland) und Jean-Paul Dekiss (Frankreich) erwartet (11 Uhr).

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