SCHIFFSHEBEWERK

Ausstellung in Waltrop zeigt Hafen-Historie des Ruhrgebiets

Zeit ist Geld: Eile beim Beladen steigert den Gewinn. Das war schon um 1950 so, als Arbeiter im Sauseschritt Zement mit der Schubkarre an Bord brachten.

Foto: LWL

Zeit ist Geld: Eile beim Beladen steigert den Gewinn. Das war schon um 1950 so, als Arbeiter im Sauseschritt Zement mit der Schubkarre an Bord brachten.

Waltrop.   Die neue Fotoausstellung „Laden und Löschen – von der Sackkarre bis zum Container“ im Schiffshebewerk Henrichenburg blickt auf Häfen des Reviers.

Maritimer Flair, das ist etwas, das man zuvorderst mit den Küsten Norddeutschlands in Verbindung bringen mag – und nicht mit den Kohlegruben des Reviers. Dass aber auch das Ruhrgebiet eine lange Schifffahrtsvergangenheit hat, ruft nun eine neue Sonderausstellung im LWL-Industriemuseum Schiffshebewerk Henrichenburg in Erinnerung. Noch bis zum 28. Oktober ist „Laden und Löschen – von der Sackkarre bis zum Container“ zu sehen.

Über eine kleine Brücke und 14 Stufen steigen die Besucher in den Bauch der „Ostara“ hinab. Der Lastkahn war ab 1928 auf Kanälen und Flüssen unterwegs, 1989 wurde er dann im Schiffshebewerk Henrichenburg vertäut und zum Museumsschiff umgebaut. In der Luft hängt noch immer der Geruch von Maschinenöl. Und wo früher Kohlen für den Transport gelagert wurden, wird nun in zwei großen Räumen die Ausstellung gezeigt.

Unterwegs im Duisburger Hafen

An der Backbord-Wand des Schiffrumpfs hängen Hafen-Bilder der Herner Fotografin Brigitte Kraemer. 2017 war sie mit einer Sondererlaubnis im ansonsten streng abgeschotteten Duisburger Hafen unterwegs. Kraemer fotografierte Frachtschiffe mit Namen wie „Sarina“ und „Justin“, begleitete Brummifahrer und Kranführer, dokumentierte den abendlichen Güterumschlag – und sie hielt unzählige Container im Bild fest.

Gestapelt sind sie wie überdimensionierte Legosteine, auflackiert sind Namen von Reedereien wie „Maersk“, „UASC“ oder „Hamburg Süd“. Duisburg ist hier der Nabel der Welt. Über den Rhein sind die Weltmeere ganz nah. Was ist in den genormten Metallgehäusen wohl drin – wo reisen sie hin? Vielleicht über die „Neue Seidenstraße“ nach China…

Spannend auch Kraemers Fotoserie zum „Trimodalen Verkehr“ – dem Transport von Waren per Schiff, Lastwagen und Eisenbahn. „Ein Binnenschiff fasst so viele Güter wie 34 Lkw“, lesen wir. Und zugleich erinnern ihre Bilder daran, warum das Revier seine heutige Verkehrswege-Infrastruktur überhaupt hat: wegen des Transports der Rohstoffe – allem voran Kohle und Erz –, die hier aus dem Boden gekratzt wurden.

Hochofenteile nach China verschifft

An der Steuerbordwand des Lastkahns hängen Schwarzweiß-Fotografien von Annette Hundemann. 1999 hat sie im Dortmunder Hafen dokumentiert, wie Hochofenteile des Hüttenwerks Phoenix-West nach China verschifft werden. Einen „Vorgang, der den Strukturwandel im Revier auf drastische Weise zum Ausdruck brachte“, so die Ausstellungsmacher.

Nicht fehlen beim Blick auf die Hafenlandschaft des Ruhrgebiets darf offenbar: der TV-Klassiker „Schimanski“. Fotos von der „Schimmi-Gasse“ in Ruhrort, der nahegelegenen Kult-Hafenkneipe „Zum Hübi“ und Aufnahmen der Dreharbeiten mit Götz George und Eberhard Feik leiten in den zweiten Ausstellungsteil über.

Gloria der Revierschifffahrt

Hier zeigen historische Hafenpostkarten – von sepiablass bis stark koloriert – die vergangene Gloria der Revierschifffahrt. Dazu passen die Aufnahmen von Ludwig Windstoßer aus den 1960er-Jahren. Festgehalten hat der Industriefotograf kolossale Kranbrücken, gigantische Greifer und mit Negativabzügen verfremdete Mischanlagen, Kräne und Kohlenkipper.

Gegenüber hängt eine Serie von Hafenbildern unbekannter Fotografen. Entstanden sind sie in den 1950ern in Gelsenkirchen und Recklinghausen. Geht es hier noch um die Dokumentation der Anlagen selbst, rücken wenige Meter weiter die Menschen in den Fokus, die in der Schifffahrt arbeiteten.

Kontrast zu den High-Tech-Häfen

Die bis zu 80 Jahre alten Aufnahmen aus der Sammlung der Reederei WTAG – der Westfälischen Transport Aktiengesellschaft – sind eindringlicher Kontrast zu den modernen High-Tech-Häfen von heute. Sie zeigen die Schufterei der Vor-Container-Ära: drahtige Kerle, die Getreide- und Zementsäcke per Schubkarre aufs Schiff rollen; trainierte Männer, die unzählige Briketts und Grubenholz in die Schiffsbäuche stapeln. Knochenjobs! Passend zum Revier, aber eben doch – mit maritimen Flair.

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