Köln. Schmusekonzerte sollen die anderen im Advent geben. Mando Diao lässt den Teufel tanzen. In Köln feierten Fans die Lederburschen um Björn Dixgård

Wer zum Teufel ist Boblikov? Auf dem Cover des Albums, dem die aktuelle Tour von Mando Diao ihren Namen verdankt, sieht der Typ mit den kreiselnden Augen aus wie eine Kreuzung aus dem Oberhaupt der Addams Family und einem dämonischen Mexikaner, ein Strippenzieher, der Skelette für sich tanzen lässt und einlädt in seine „Magical World“, seine magische Welt. „Frustration“, so heißt das erste Stück des neuen Longplayers, mit dem die so gar nicht gefrustet wirkenden Schweden Samstag ihr Konzert im gut gefüllten Palladium Köln eröffnen.

Die nächsten beinahe zwei Stunden bleibt es dann vorwiegend dynamisch. Ein Schippchen mehr Druck hätte schon sein können. Aber wer mag, als Rockfan schon mäkeln, wenn die Alternative daraus besteht, Sarah Connor bei ihren Weihnachtskonzerten von Köln bis Oberhausen zu lauschen? Da entzünden die lässigen Lederburschen um Frontmann Björn Dixgård lieber „One Last Fire“, das sie mit „Fire in the Hall“ gleich weiter glühen lassen. Dass es dabei „fucking hot“ werden wird, wie Dixgård voranschickt, versteht sich von selbst.

Mando Diao: Köln feiert mit „Boblikov’s Magical World“ Weihnachtskonzert der rauen Sorte

Das nachfolgende Forderung „Stop the Train“, auch aus Boblikovs magischem Universum entlehnt, könnte man, angesichts der Tatsache, dass sich zu diesem Zeitpunkt auf Deutschlands Schienen so rein gar nichts tut, durchaus als eine gewerkschaftliche Sympathiebekundung verstehen. Wobei musikalisch genau das Gegenteil vermittelt wird. Das Stück hat lokomotivischen Atem, es shuffelt und stampft und dampft ähnlich kraftvoll vorwärts wie weiland der Klassiker von Jethro Tull, nur ohne die Querflöte von Ian Anderson.

Entfesselungskünstler aus Schweden:n Mando Diao heizte auf der  „Boblikov’s Magical World“ dem Kölner Publikum mächtig ein.
Entfesselungskünstler aus Schweden:n Mando Diao heizte auf der „Boblikov’s Magical World“ dem Kölner Publikum mächtig ein. © FUNKE Foto Services | Thomas Brill

Flöten, also korrekterweise pfeifen, kann Dixgård auch, was ihm bei „Orchrasy“ einen extra fetten Applaus einbringt. Da ist die Band aus Borlänge beim zweiten Teil ihres in vier Akte unterteilten Abends angekommen, statt eines Vorhangs fällt dazwischen blaues Licht auf die Bühne, und es gibt eine kleine Pause. Das Schöne an Mando Diao ist ihre Bandbreite. Der Alternativrock-Schublade sind sie längst entkommen. „Long Before Rock`n Roll“ mit seiner vaudevillehaften, aristokätzischen Anmutung ist dafür ein gutes Beispiel oder auch das ofenwarm-kuschelige „Scream for You“. Beim neuen Song „Get Down“ klingen Mando Diao wie entgrenzt und entfesselt.

Was wäre Mando Diao ohne Björn Dixgård, oberkörperfreier Auftritt inklusive?!

Maßgeblich daran beteiligt ist der 42-jährige Sänger. Seine leicht raue Stimme ist bei Bedarf, etwa bei „One Two Threee“, auch in der Lage eine schwebende Klang-Ebene zu erreichen. Er stöhnt und kreischt sich rhythmisch „Down in the Past“, die zweite Zugabe „Love Last Forever“ kommt sahneweich und honigsüß daher. Wobei Dixgård da zum Entzücken seiner Fans mit nacktem Oberkörper und weißem Handtuch um den Hals antritt. Der Höhepunkt des Abends: „Dance With Somebody“. Hymnischer kann eine ganze Halle nicht mitsingen.