Dortmund. Ein Star-Geiger setzt Zeichen - und Altbundestagspräsident Lammert auch. Ihr Einsatz gegen Antisemitismus führte beide jetzt ins Konzerthaus

Ein „längst fälliges Zeichen“ nannte Konzerthaus-Chef Raphael von Hoensbroech das Statement gegen Antisemitismus, das er und der einstige Bundestagspräsident Norbert Lammert diesem Abend vorausschickten. Er wurde zum Solidaritätsakt umgewidmet, mit Einverständnis der Musiker und in Abstimmung mit der Stadt Dortmund.

Der Bezugspunkt zu Israel ergab sich durch den Dirigenten Lahav Shani und den Geiger Pinchas Zukerman, beide in Tel Aviv gebürtig. Sie führten das Violinkonzert des vor den Nazis nach Palästina geflohenen Münchners Paul Ben-Haim auf, gemeinsam mit den Bamberger Symphonikern. Das 1960 geschriebene Werk kostet die Möglichkeiten des Instruments reizvoll aus.

Pinchas Zukerman (75) als Star des Konzerts gegen Antisemitismus in Dortmund

Der 75-jährige Pinchas Zukerman spielt es mit einem Violinton, der nostalgisch stimmt: In seiner saftigen Klanggebung mit dem weit schwingenden Vibrato tönt die berühmte Schule von Dorothy DeLay an der New Yorker Juilliard School nach. So üppig kann heute kaum jemand spielen, ohne zu dick aufzutragen. Aber Zukerman protzt nicht: Die Süße seines Tons wirkt so natürlich wie triumphal. Wo sich sein Solo gegen das Orchester behaupten muss, kann er widerborstig zupacken, mit einem Bogenstrich, der alle Finessen kennt. Zuvor zieht das neue, effektvolle Werk „Overcoming“ der Komponistin Franghiz Ali-Zadeh den Vorhang auf, mit dramatischen Paukenwirbeln und unter dem dumpfen Pochen der großen Trommel.

Große Karriere: Dortmunds Residenzkünstler Lahav Shani wird zukünftiger Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Er startet dort im Jahr 2026
Große Karriere: Dortmunds Residenzkünstler Lahav Shani wird zukünftiger Chefdirigent der Münchner Philharmoniker. Er startet dort im Jahr 2026 © dpa | Sven Hoppe

Bruckners 7. Sinfonie dirigiert Lahav Shani aus dem Geist der Humanität heraus. Er errichtet keine Kathedrale, schwenkt keinen Weihrauch, sondern konzentriert sich auf den inwendig glühenden Strom der Musik. Der trägt auch über Generalpausen hinweg. Die Bamberger Symphoniker antworten mit einem wunderbar runden Orchesterklang, der nicht ins Pathos ragt: feierlich und tief im Kopfsatz, tänzerisch und kraftvoll im Scherzo. Das milde Leuchten der Wagnertuben im Adagio bleibt noch lange im Ohr: trauernd und doch Glück verheißend, ersehnten Frieden beschwörend.