Musik

Applaus für „A Quiet Place“ mit Kent Nagano in Dortmund

Leonard Bernsteins Oper "A Quiet Place" unter Kent Nagano.

Leonard Bernsteins Oper "A Quiet Place" unter Kent Nagano.

Foto: Pascal Amos Rest

Dortmund.   Leonard Bernstein von der tragischen Seite gehört: Stark besetzte Hauptrollen und punktgenaues Dirigat sorgen für Applaus im Konzerthaus Dortmund.

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Er schreibe in erster Linie ernste Musik, hat Leonard Bernstein einmal gesagt. Das geneigte Publikum aber kennt eigentlich nur den „Lennie“ der Musicals „West Side Story“ oder „On the Town“, also den erfolgreichen Broadwaykomponisten.

Dass dieser wohl berühmteste amerikanische Pianist, Dirigent, Pädagoge auch Schöpfer großer, bekenntnishafter Symphonien war, dass er mit dem überaus tragischen, zynischen und anrührenden Werk „A Quiet Place“ seine amerikanische Oper schrieb, spiegelt sich in kaum nennenswerten Aufführungen wider.

Elastisches, punktgenaues Dirigat

Nun aber hat sich das Konzerthaus Dortmund dieses Bernstein’schen Schmerzenskindes angenommen, das trotz diverser Umar­beitungen nie mit Erfolg behaftet war. Hier erklingt es in einer reduzierten Fassung als Kammeroper, die 2012 vom Dirigenten Kent Nagano und von Garth Edwin Sunderland arrangiert worden ist. 18 Instrumentalisten, ein kleiner Chor und vier Sänger schildern beeindruckend das Leben einer Familie, deren heile Welt zerbricht. Man flüchtet sich in Erinnerungen. Das Ende aber steht für Versöhnung.

Naganos elastisches, punktgenaues Dirigat entlockt dem Ensemble Modern feinste Klangnuancen, die mitunter gespenstisch wirken, dann wieder harsch und brutal oder ergreifend lyrisch. Die avancierte Musik, teils mit 12-Ton-Elementen durchsetzt, vor allem aber rhythmisch äußerst komplex, trägt starke psychologisierende Momente. Bisweilen aber blitzt Bernsteins jazziger Tonfall noch auf.

Heftiger Applaus fürs Experiment

Stark sind die Hauptrollen besetzt. Mit dem anrührenden Baritonton von Christopher Purves als Vater, der mit der Homosexualität seines Sohnes (Jonathan McGovern) zurechtkommen muss. Strahlende Sopranmomente zelebriert Siobhan Stagg als Tochter Dede. Und Benjamin Hullett als von beiden geliebter Francois verfügt über tenorale Kraft wie Sensibilität.

Zu Recht gibt es heftigen Applaus für dieses spannende Experiment in Sachen konzertante Oper.

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