Konzert

Alte Hits von Alice in Chains wirken wie Brandbeschleuniger

William DuVall ist seit 2008 Sänger der Grunge-Band Alice in Chains – hier beim Festivalauftritt in Zagreb am 27. Juni.

Foto: Matija Habljak/PIXSELL/imago

William DuVall ist seit 2008 Sänger der Grunge-Band Alice in Chains – hier beim Festivalauftritt in Zagreb am 27. Juni. Foto: Matija Habljak/PIXSELL/imago

Köln.   In der ausverkauften Kölner Live Music Hall herrschten beim Auftritt der Grunge-Band Alice in Chains am Mittwochabend tropische Temperaturen.

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Die Luft in der Live Music Hall wies am Mittwochabend nur noch Spurenelemente von Sauerstoff auf. Die gefühlten Temperaturen nahe der 50-Grad-Grenze toppten sogar jene in den Tropen. „Lasst uns einfach zusammen schwitzen“, rief Jerry Cantrell seinem völlig aufgeheizten Publikum zu. Dann stimmte der am Bart sichtlich ergraute Co-Sänger und Gitarrist von Alice in Chains mit seinen Mitstreitern auch noch bevorzugt die großen, alten Hits der Grunge-Band aus Seattle an. Diese wirkten in der Hitze des emotionalen Höllenfeuers wie Brandbeschleuniger.

Die Musikhelden vergangener Tage, sie erweisen sich auch heute noch als Publikumsmagneten mit erstaunlicher Anziehungskraft: Mit knapp 1300 Zuhörern war die Live Music Hall im Kölner Stadtteil Ehrenfeld zum Zerbersten gefüllt. Die Karten für das Konzert – neben dem Auftritt in Berlin am Tag zuvor der einzige Deutschland-Halt auf dieser Welttour – waren seit Wochen vergriffen. Und um punkt 21 Uhr hatte das Warten ein Ende: Das Quartett – bestehend aus Cantrell sowie Bassist Mike Inez, Schlagzeuger Sean Kinney und Sänger William DuVall - trat ins Scheinwerferlicht.

Puristen akzeptieren nur Stimme von Layne Staley

Letzterer hat sich längst ein hohes Ansehen in Fankreisen erarbeitet und mit seiner Band zwei wertgeschätzte Alben aufgenommen. In Fankreisen der Band gibt es aber immer noch jene Puristen, die die Ursprungsstimme der Band für unersetzlich halten. Das Problem: Layne Staley starb im April 2002 im Alter von nur 34 Jahren an den Folgen seiner jahrelangen Drogensucht. Die Band löste sich danach direkt auf und ging erst ab 2006 wieder im Rahmen einiger Festivalauftritte mit ständig wechselnden Sängern an den Start. Erst mit William DuVall wurde ein Vollzeit-Ersatz am Mikro gefunden. So konnten mit ihm ab 2008 die nächsten Kapitel in der Geschichte von Alice in Chains geschrieben werden.

Das Erstaunliche: Beim Auftritt in Köln legten die Grunge-Rocker den Fokus eben nicht auf jene neuen Stücke, die DuVall mitgeprägt hat. Nein, stattdessen lassen Cantrell & Co fast alle Songs der ersten beiden Alben „Facelift“ und „Dirt“ aufs Publikum herniederprasseln. Diese Platten waren es auch, die Alice in Chains Anfang der 90er den Durchbruch bescherten. Gemeinsam mit Nirvana, Pearl Jam oder Soundgarden zählten sie zu den Vorzeigegesichtern des Grunge. Kein Wunder, dass sie bis heute weltweit mehr als 30 Millionen Alben verkauft haben und damit eine der erfolgreichsten US-Bands aller Zeiten sind. Das neue Werk namens „Rainier Fog“ soll übrigens im August erscheinen.

Fast alle Songs von den ersten beiden Alben

Beim Kölner Konzert gab es vom neuen Material nur eine einzige Hörprobe, dafür aber ganz viel alten Stoff. Ob „Bleed the Freak“, „Dam That River“, „Them Bones“ oder „Down in a Hole“: Sänger DuVall kopiert den verstorbenen Staley nicht, sondern gibt den Songs mit seiner markanten Stimme eine individuelle, ebenso funktionierende Note. Zwischendrin wird mal der Fuß vom Gaspedal genommen. Etwa bei „Nutshell“ – jener tieftraurigen Ballade, bei der so viele im Saal von Herzen mit einstimmten, das es zutiefst berührte. Ein Fan in Reihe eins erwies sich bei jedem (!) Song als derart textsicher, dass er ein Extralob von Gitarrist Cantrell persönlich einheimste.

Nach 75 Minuten war das reguläre Set vorbei – mit „Man in the Box“ als würdigem Rauswerfer. Erst in der Zugabe wurden die Überhits „Would?“ und „Rooster“ serviert. Da standen Herz und Hirn endgültig lichterloh in Flammen.

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