Kino

„Ad Astra“ kommt ins Kino - starkes All-Abenteuer

Brad Pitt als Roy McBride in einer Szene des Films "Ad Astra - Zu den Sternen"

Brad Pitt als Roy McBride in einer Szene des Films "Ad Astra - Zu den Sternen"

Foto: - / dpa

Science-Fiction-Film mit Tiefgang. James Grays „Ad Astra“ erzählt vielschichtig vom Fortschritt der Welt und individueller menschlicher Tragödie.

Ganz am Ende von James Grays letztem Film, der Abenteuer- und Entdeckergeschichte „Die versunkene Stadt Z“, wandert der Blick der Kamera von der Erde nach oben zum Himmel. Ein subtiler und zugleich majestätischer Schwenk, der damals andeutete, dass sich Grays gebrochene Helden, ein britischer Entdecker und sein Sohn, auf ihre Suche nach einer mythischen Stadt verlieren werden. All die Kämpfe und Enttäuschungen, von denen Gray erzählt hat, lösten sich in dieser Einstellung auf. Was bedeutet schon das Scheitern einiger Menschen angesichts der Unendlichkeit des Alls. Etwas Tröstliches lag in dieser Erkenntnis. Der Einzelne mag schwach und vergänglich sein, das große Ganze, das Universum in seiner Schönheit, ist ewig und wird die Erinnerung an uns alle bewahren.

Blickt man nun, etwa zweieinhalb Jahre später, auf diese letzte Einstellung zurück, bekommt sie noch eine andere Bedeutung. Es ist, als wollte Gray mit diesem unvergesslichen Schwenk einen Bogen zu „Ad Astra - Zu den Sternen“, seinem neuesten Film, schlagen. Diesmal bleibt die Kamera nicht auf dem Boden der Erde zurück. Sie fliegt mit seinen Protagonisten, einem besessenen Astronauten und Forscher und dessen innerlich anscheinend durch nichts zu rührenden Sohn, hoch hinauf zu den Sternen und an die Grenzen unseres Sonnensystems.

„Ad Astra“ zeigt zeitgemäße Spezialeffekte, aber kein Show-Kino

Wieder trifft die menschliche Sehnsucht nach neuen Horizonten und unendlichen Weiten auf eine überaus intime Geschichte einer komplexen, von Enttäuschung und Verlust geprägten Vater-Sohn-Erzählung. Das Größte und das scheinbar Kleinste sind in James Grays Kino immer untrennbar miteinander verbunden. Doch das müssen seine Figuren erst nach und nach erkennen. Ihr Weg führt in „Ad Astra“ über raue Pfade aber nicht nur zu den Sternen, sie kommen so auch zu sich selbst.

Elektromagnetische Wellen rasen Stürmen gleich durch unser Sonnensystem und gefährden dessen Existenz. Bei einer der von ihnen ausgelösten Überspannungen wäre der Astronaut Roy McBride (Brad Pitt) beinahe ums Leben gekommen. In einer wahrhaft atemberaubenden Szene stürzt Roy von einer Weltraumantenne und fällt taumelnd und sich überschlagend durch die Stratosphäre auf die Erde zu. Schon in diesem Augenblick des Fallens, in dem die Schönheit der Bilder und die Schrecken des Sturzes auf überwältigende Weise verschmelzen, offenbart sich James Grays mittlerweile einzigartiger Stil.

Auch in „Ad Astra“ zeigt Regisseur James Gray seine Gabe, großes Kino mit psychologischen Dimensionen zu vernetzen

Die Spezialeffekte des Films sind zwar absolut zeitgemäß. Trotzdem strahlt „Ad Astra“ eine wunderbar altmodische Klassizität aus. Er ähnelt eher den philosophischen Science-Fiction-Epen der späten 60er und frühen 70er Jahre als heutigen Effektspektakeln. Selbst zwei, drei große Actionsequenzen setzt Gray eher beiläufig in Szene. Er spielt die Schauwerte dieser Szenen bewusst herunter, um so ihre psychologische Dimension zu verstärken.

Kurz nach seinem Sturz von der Weltraumantenne erhält Roy einen streng geheimen Auftrag. Vor fast 30 Jahren ist sein Vater Clifford McBride (Tommy Lee Jones), eine Legende der US-amerikanischen Raumfahrt, zum äußeren Rand unseres Sonnensystems aufgebrochen. Das Lima-Projekt, das nach außerirdischen Lebensformen suchte, gilt seit 16 Jahren als verschollen. Seine Teilnehmer wurden für tot erklärt. Doch nun erfährt er, dass sein Vater noch lebt und für die elektromagnetischen Stürme verantwortlich sein soll. Deswegen bekommt er den Auftrag, zum Mond und von da aus weiter zum Mars zu reisen. Er soll Kontakt mit Clifford aufnehmen und ihn mit allen nötigen Mitteln stoppen.

Nicht nur dieser Auftrag erinnert an die Mission von Captain Willard in Francis Ford Coppolas legendärem Vietnam-Kriegsfilm „Apocalypse Now“. Wie Coppola erzählt auch Gray seine Geschichte als eine Art Episoden- und Stationendrama, das von Brad Pitts ruhigen und elegischen Voice Over zusammengehalten wird. Jede einzelne Episode der Geschichte zeugt von den unglaublichen Errungenschaften der Menschheit und von ihrer ebenso maßlosen Hybris. Der sichtlich gealterte Brad Pitt wird zu einer Art Stellvertreterfigur. Seine emotionale Distanziertheit und sein fast schon mechanischer Ehrgeiz, der ihn weiter und weiter gehen lässt, spiegeln die Stärken wie die Schwächen der Menschen wieder.

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