Malerei

2018 – über die „Die vier Jahreszeiten“ von Hein Driessen

Die vier Jahreszeiten in Michael Grundschule in Praest, Emmerich.

Die vier Jahreszeiten in Michael Grundschule in Praest, Emmerich.

Am Niederrhein.   Ein Werk von Altmeister Hein Driessen erinnert an den stetigen Wandel der Jahreszeiten, die unseren Rhythmus auf natürliche Weise mitbestimmen.

Wie isset? Et muss.

Jetzt, wo das neue Jahr noch klein ist und in der Wiege liegt, mischt sich in den anfänglichen Zauber immer auch die eine und andere Unsicherheit. Was werden die kommenden 52 Wochen bringen? Tja, in nunmehr noch 362 Tagen werden wir es wissen.

Wer aber bereits stolze 85 Jahre alt ist, so wie Hein Driessen, allseits bekannter Maler vom Niederrhein, blickt natürlich mit einer lebenserfahrenen Gelassenheit in die Zukunft, hat er doch schon viele Höhen und manche Tiefen in seinem Künstlerdasein erlebt.

Gestern, um kurz nach elf, begann 2018 für ihn mit dem Besuch eines älteren Ehepaares aus Thüringen, das mit dem Schiff in Emmerich am Rhein gelandet war – und sich im Atelier des Altmeisters ein Stück vom Glück mit nach Hause nahm: ein strahlend schönes Bild vom Niederrhein.

Von jener Landschaft also, die sich durch eine eigentümliche Milde auszeichnet. Die tiefe Ebene zwischen Rhein und Maas bietet ausreichend Platz für die Natur, die sich hier vergleichsweise sanft und ungestört ausbreiten kann. „Eine verschwiegene Schönheit, die sich nicht anpreist“, lobt Hein Driessen seine Heimat.

Auch und gerade die Jahreszeiten machen den Reiz des Niederrheins aus, sie bestimmen den Rhythmus dieser immer noch ländlichen Gegend noch immer mit. Den Mann, der sich seit mittlerweile 60 Schaffensjahren stets auch als Botschafter dieser Region versteht, freut das: „Hier bei uns kann man vier Mal im Jahr die Natur immer auf eine andere Art genießen.“

Ein Landschaftsmaler wie er lebt natürlich von und mit den Wechseln der Jahreszeiten, die den Gang der Natur bestimmen – und ebenso den der Menschen, die hier leben. Bei seiner Arbeit ist der Künstler, der nicht wenige Promis aus Politik, Sport und Wirtschaft duzt, seit jeher so bodenständig wie ein Bauer. Auch der bewegt sich in einem ewigen Kreislauf durch die Zeit, geht Hand in Hand mit Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Und ist abhängig von den Kräften der Natur, die bisweilen gewaltig sein können. Und lernt im Laufe des Lebens, damit zu leben, mal besser, mal schlechter.

Wie isset? Et muss.

Umgraben, Säen, Mähen, Zusammenrechen – seit jeher sind das die vier Jahreszeiten der Landwirte. Hein Driessen, dieser urwüchsige Niederrheiner, der so knorrig wie eine Kopfweide sein kann, kennt und weiß das.

Schon 1964 nahm er sich dieses großen Themas an. Die Darstellung der vier Jahreszeiten spielte in der Kunst in Europa in jeder Epoche eine Rolle. Bis heute wird das Werden, Gedeihen, Reifen und Vergehen als vierteiliger Bilderzyklus angelegt.

Der junge Hein Driessen, einst an der Folkwang-Schule in Essen und an der Werkkunstschule in Düsseldorf mit dem gesamten Repertoire der bildenden Künste ausgestattet, griff für seine Abbildung der vier Jahreszeiten selbstverständlich auf die landestypische Figur des Bauern zurück.

Mit Temperafarben malte er seine vier Bilder eins zu eins auf Karton. Den künstlerischen Entwurf setze der traditionsreiche Werk-stattsbetrieb Hein Derix in Kevelaer auf Glas um. Mittels Schwarzlotmalerei, bei der die Schmelzfarbe in das Untergrundmaterial eingebrannt wird, wurden die Zeichnungen übertragen – Licht- und Schattenwirkungen inklusive.

Es ist ein Zeichen von Qualität, dass dieses Werk noch heute im Treppenhaus der Michael-Grundschule in Praest hängt. Wenn die Sonne durch das farbige Glas schimmert, scheinen „Die vier Jahreszeiten“ von Hein Driessen auf ihre ganz eigene und besondere Art. „Alles macht das Licht“, schwärmt der Altmeister, der sich von diesem Sinnesreiz immer wieder auf ein Neues inspirieren lässt.

Jetzt, wo das Jahr noch jung und unverbraucht ist, horcht Hein Driessen wieder einmal in sich hinein: Er selbst ist im Herbst seines Lebens angekommen. Na und? „Bernd Terhorst, mein Lehrmeister, wurde über 90 Jahre alt“, erzählt er.

Wie isset? Et muss.

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