Lesehilfe

Wenn Hündin Joy dabei ist, liest Samuel am liebsten

Wenn Samuel in der Stadtbibliothek in Köln-Mülheim vorliest, hört Joy zu. Die Golden-Retriever-Hündin ist ganz entspannt und hilft den Kindern dabei, sich beim Lesen wohlzufühlen.

Foto: Lars Heidrich

Wenn Samuel in der Stadtbibliothek in Köln-Mülheim vorliest, hört Joy zu. Die Golden-Retriever-Hündin ist ganz entspannt und hilft den Kindern dabei, sich beim Lesen wohlzufühlen. Foto: Lars Heidrich

Köln.   Schüler, die Leseschwierigkeiten haben, mögen Joys Anwesenheit. Dadurch können sie sich oft besser konzentrieren und machen weniger Fehler.

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Joy ist richtig gut drauf: Sie macht Rollen auf dem Boden, stupst die Kinder mit der Nase an und lässt sich von ihnen streicheln. Die Golden-Retriever-Hündin ist dreieinhalb Jahre alt und hat einmal in der Woche eine ganz besondere Aufgabe. In einer Bibliothek in der Stadt Köln ist sie seit zwei Jahren dabei, wenn Kinder Vorlesen üben.

Treffpunkt in der Leseecke

Vier Schüler und Schülerinnen von Kölner Grundschulen kommen jede Woche in die Bibliothek, weil sie noch nicht so gut lesen können. Das Vorlesen findet immer in einer Leseecke statt, wo die Kinder und Joy ungestört sind. Schließlich ist es doof, wenn man etwas noch nicht so gut kann und dabei auch noch beobachtet wird!


Joy liebt es, ganz in Ruhe zuzuhören. Vor jeder Lesestunde begrüßen die Kinder die goldbraune Hundedame und ihre Besitzerin Marion Lehmann. Dann wird erst einmal besprochen, was Joy mag und was nicht. „Sie wird zum Beispiel sehr gerne gestreichelt“, sagt Liam.

Und Samuel ergänzt: „Sie mag es aber gar nicht, wenn man sie am Schwanz zieht.“ Die Regeln schreibt Marion Lehmann auf ein Plakat. Dann legt sich Joy in die Mitte auf eine Decke und die Kinder suchen sich ein Buch aus. „Hamstermän“ wollen die vier Jungen heute lesen. Hamstermän hat seit einem Hamsterbiss im Zoo Superkräfte. Jedes der vier Kinder liest dann eine Seite vor. Dabei wird viel gelacht.


Joy bekommt dabei jede Menge Streicheleinheiten. Zwischendurch steht sie aber auch mal auf, trinkt etwas, holt sich ein Leckerli ab, vertritt sich die vier Beine und kehrt wieder auf ihre Decke zurück. Marion Lehmann achtet beim Vorlesen nur auf Joy.

Wenn die Jungen mal etwas länger für ein Wort brauchen oder ins Stocken geraten, unterbricht sie nicht. Samuel findet das gut so: „Wenn keiner dazwischen spricht und Joy dabei ist, kann ich mich besser konzentrieren. Das Lesen fällt mir dann leichter.“ Samuel geht in die dritte Klasse und freut sich jede Woche auf die Besuche bei Joy in der Bibliothek.

Die Angst wird weniger

Joy hat für ihre wöchentliche Aufgabe eine besondere Ausbildung gemacht. Sie ist ein Therapiehund. Golden Retriever eignen sich sehr gut dafür, weil sie eine enge Beziehung zum Menschen aufbauen.

Ihre Besitzerin Marion Lehmann ist sich sicher, dass das Vorlesen den Kindern hilft. „Die Angst wird weniger und die Kinder werden selbstbewusster“, sagt sie. Lesehunde gibt es mittlerweile auch in anderen Städten. Joy war in unserem Bundesland aber die erste Lesehündin – und möchte das mit ihrer Besitzerin noch lange weitermachen.

>>>INFO: Eine Idee aus den USA

Die Idee zum Lesehund kommt ursprünglich aus den USA, wo Tiere schon seit vielen Jahren erfolgreich zur Leseförderung eingesetzt werden. Besonders Kinder, die große Schwächen beim Lesen haben, werden mit dieser Idee gefördert. Und wenn sie dann besser lesen können, steigert das auch das Selbstbewusstsein der Kinder.

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