Fridays for Future

Klimastreiktag am 24. September: Interview mit Leonie Bremer

| Lesedauer: 4 Minuten
 Luisa Neubauer (rechts) und Leonie Bremer sind Aktivistinnen bei Fridays for Future.

 Luisa Neubauer (rechts) und Leonie Bremer sind Aktivistinnen bei Fridays for Future.

Foto: dominik Butzmann

Fridays for Future ruft zum Klimastreik auf. Sprecherin Leonie Bremer erzählt im Interview, warum dieser 24. September so wichtig für sie ist.

In vielen Städten ruft die Bewegung Fridays for Future für den 24. September zu einem großen Klimastreik auf – auch in Essen, Duisburg, Düsseldorf, Oberhausen, Mülheim, Xanten, Wesel und anderen Orten in Nordrhein-Westfalen. Leonie Bremer (24) ist eine der Sprecherinnen von Fridays for Future. Sie ist Studentin und wohnt in Köln. Im Interview erzählt sie von ihrem Einsatz für den Klimaschutz und den Zielen der Aktivistinnen und Aktivisten.

Wissen Kinder und Jugendliche genug über die Hintergründe des Klimawandels?

In unserem Schulsystem haben wir es nicht geschafft, dass in den Fächern über Klimagerechtigkeit gesprochen wird. Ich habe mein Abi 2015 gemacht. Ich hatte Erdkunde-LK (Leistungskurs) und wir haben nicht einmal über die Klimakrise gesprochen. Schülerinnen sagen mir heute: Wir haben mal eine Stunde zum Klimawandel, das war’s dann.

Warum engagierst du dich so für das Thema?

Ich war schon früh sehr sensibel für Ungerechtigkeiten. Ich habe zum Beispiel mit sieben Jahren aufgehört, Tiere zu essen, weil ich nicht verstanden habe, dass ich Meerschweinchen habe, aber Hühner essen soll. Mir geht es sehr um Gerechtigkeit.

Was studierst du?

Ich habe Umweltingenieurwesen studiert und war im ersten Semester im Braunkohletagebau von RWE. Wenn man sich das einmal so nah anschaut, kann man – glaube ich – nicht anders als aktivistisch zu werden.

Kinder sind die Generation, die der Klimawandel am stärksten betrifft. Was können sie tun?

Es ist ja nicht nur so, dass Kinder nicht wählen dürfen. Es gibt auch niemanden im parlamentarischen System, der ihre Stimmen vertritt. Das ist zweimal grausam. Genau deswegen ist unsere Bewegung ja so groß geworden. Sie bringt diese Leute zusammen, die sonst keine Möglichkeiten haben, in dem jetzigen System irgendwas zu tun. Auf der Straße haben wir viel mehr bewirkt als die Parteien.

Was muss sich ändern?

Die Bundesregierung muss Leuten zuhören, die noch sehr viel Leben vor sich haben. Im Moment wird viel mit mächtigen Leuten in großen Unternehmen verhandelt, wie man Klimaschutz umsetzen kann, aber nicht zum Beispiel mit Randgruppen. Das sind aber die, die unter der Klimakrise stärker leiden werden. Es muss gerechter werden. Die Gesellschaft muss einfach viel mehr mitwirken können.

Der Kohleausstieg 2038 ist für euch zu spät...

Es gibt Möglichkeiten, das früher hinzubekommen. Kohle ist der schädlichste Energieträger, den es gibt. Wir müssen da raus. Die Energieversorgung ist trotzdem garantiert.

Es gibt aber Leute, die das anders sehen. Man braucht zum Beispiel Speicher für Strom aus Sonne und Wind...

Genau. Und deswegen studiere ich das auch. Ich mache meinen Master in „Technologie für Erneuerbare Energien“. Da geht es zum Beispiel um Speicher. Wissenschaftler sagen, dass es möglich ist. Wir müssen dafür sorgen, dass auf jedem öffentlichen Gebäude eine Solaranlage steht. Und dass die Speicher für Windkraftanlagen auf dem Meer erweitert werden.

Viele sagen, bis 2030 sei noch Zeit, grundlegend etwas an der Klimapolitik zu ändern. Dann bist du 33 Jahre alt. Was wünschst du dir bis dahin?

Ich hoffe, dass dann der Verkehr so weit ausgebaut ist, dass Leute auf dem Land mit dem Bus oder der Bahn in die Stadt fahren können. Die Verkehrswende muss in den Städten angefangen werden und dann aufs Land gehen. Ich hoffe, dass wir bis 2035 komplett auf erneuerbare Energien umstellen. Dass das möglich ist, haben wir mit dem Wuppertal-Institut in einer Studie ausgearbeitet. Beim Thema Ernährung hoffe ich, dass klimafreundliche Produkte dann günstiger sind als klimaschädliche.

Was bedeutet der Klimastreik morgen für dich?

Wir haben jetzt mehrere Monate wieder jeden Freitag gestreikt. Der 24. September ist der Höhepunkt für uns. Wir müssen vor der Bundestagswahl noch einmal zeigen: Wir sind da, wir waren immer da. Es ist ein unfassbar wichtiger Tag für uns.

Der Klimastreiktag

Am 24. September 2021 wollen Schülerinnen und Schüler weltweit für mehr Klimaschutz streiken. In rund 80 Staaten sind Aktionen geplant. In Deutschland gibt es über 440 Demonstrationen und Kundgebungen.

Das Motto lautet: „Another world is possible – eine bessere Welt ist möglich!“

Organisationen wie Greenpeace, der Naturschutzbund, der BUND, der WWF, die Naturfreunde und die Klima-Allianz unterstützen den Klimastreik. Hier gibt es mehr Infos zum Klimastreik.

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