Radverkehr

Kinder erobern bei Fahrrad-Demo „Kidical Mass“ die Straße

Karla, Marlene, Linn und Martha engagieren sich fürs Radfahren und die Kidical Mass am Weltkindertag. Hier fahren sie auf einer Fahrradstraße in Essen.

Karla, Marlene, Linn und Martha engagieren sich fürs Radfahren und die Kidical Mass am Weltkindertag. Hier fahren sie auf einer Fahrradstraße in Essen.

Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Am Sonntag gibt es in über 90 Städten in Deutschland Fahrrad-Demos von Kindern und Jugendlichen. Auch Marlene (9) und Linn (10) machen mit.

Kinder und Jugendliche, die in der Stadt wohnen, trauen sich oft nicht, mit dem Rad zur Schule zu fahren. Es ist zu gefährlich, weil Fahrradwege fehlen oder nicht von den Autospuren getrennt sind. Am Sonntag demonstrieren deswegen in über 90 deutschen Städten Kinder und Jugendliche gemeinsam mit ihren Eltern. Diese kinderfreundlichen Fahrrad-Demos heißen „Kidical Mass“. Auch die neunjährige Marlene und ihre Freundin Linn (10) sind am Sonntag dabei.

Autofahrer überholen zu eng

Beide ärgern sich darüber, dass Autofahrer oft den vorgeschriebenen 1,50-Meter-Abstand zu Radfahrern nicht einhalten. Marlene sagt: „Man hat teilweise richtig Angst im Straßenverkehr, weil man so eng überholt wird, dass man sich am Seitenspiegel festhalten könnte. Da denken sich die Autofahrer manchmal, wenn ich allein unterwegs bin: ,Ach, ist ja nur ein Kind’.“

Der Zustand der Radwege ist auch nicht so gut. Marlene hat beobachtet: „Oft ist der Radweg zwischen Straßenbahnschienen und parkenden Autos, wo jederzeit eine Tür aufgehen könnte. Und dann fährst du halt in die Tür rein oder in die Straßenbahnschienen.“ Und Linn ergänzt: „Und manchmal ist der Radweg so huckelig, dass man gar nicht richtig fahren kann. Das ist richtig blöd.“ Manchmal würde sie am liebsten auf den Bürgersteig wechseln, weil sie sich nicht sicher fühlt.

An Kreuzungen haben die beiden auch schon schwierige Situationen erlebt. Linn kritisiert: „An vielen ist gar kein Fahrradweg oder nur einer, der sich da so quer durchschlängelt. Da verliert man total den Überblick. Man weiß nicht, wo man langfahren soll.“

Im Tunnel durchklingeln

Die „Kidical Mass“ ist als Demonstration angemeldet. Deswegen sichert die Polizei überall die Strecken und passt auf. Die, die mitmachen, kommen auf Fahrrädern, Tretrollern, Kinderrädern, in Anhängern und auf Lastenrädern. Marlene und Linn freuen sich schon auf die Stimmung, denn sie haben schon mal bei einer „Kidical Mass“ mitgemacht. Linn erzählt: „Das ist eine tolle Atmosphäre, wenn man gemeinsam über die Straße braust. Meist läuft dazu Kindermusik.“ Und Marlene betont: „Das Beste ist, wenn man durch Tunnel fährt und man die ganze Zeit durchklingeln kann.“

Die Mädchen nehmen mit Freunden und Eltern teil, weil sie zeigen will, dass das Thema Radwege auch Kinder angeht – auch wenn sie noch nicht bei der Kommunalwahl mitmachen dürfen. „Wir brauchen bessere Radwege für den Weg zur Schule“, sagt sie. „So kann man das Kindern einfach nicht zumuten.“

Angeschimpft in der Einbahnstraße

Außerdem findet sie: „Autofahrer sollten geduldiger sein und auf uns Rücksicht nehmen. Es kommt zum Beispiel, dass ich angeschimpft werde, weil ich in eine Einbahnstraße hineinfahre, die für Radfahrer freigegeben ist, aber die Autofahrer wissen das nicht.“ Und Linn fordert: „Und sie sollen nicht so knapp an uns vorbeifahren!“

Infos zu allen „Kidical Mass“-Aktionsorten am 20. September gibt’s hier.

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