Sommerserie mit Kindern

Kartoffeln sind für Ani und Georgi „typisch deutsch“

Ani (2.v.r.) und ihr jüngerer Bruder Georgi (re.) mit ihren Freunden Greta (li.) und Johann (2.v.l.).

Foto: Matthias Graben

Ani (2.v.r.) und ihr jüngerer Bruder Georgi (re.) mit ihren Freunden Greta (li.) und Johann (2.v.l.).

Sommerserie: Kinder und Jugendliche aus anderen Ländern erzählen von ihrem Leben in Deutschland. Heute: Ani und Georgi aus Georgien.

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In unserer Serie „Jetzt reden wir!“ erzählen Kinder aus anderen Ländern von ihrem Leben in Deutschland. Ani und ihr Bruder Georgi kommen aus Georgien. Ani ist 13 und Georgi 9 Jahre alt. Sie sind seit September 2015 in Deutschland.

Wissen eure Freunde eigentlich, wo Georgien liegt?
Ani: Am Anfang kannten sie Georgien nicht. Sie fanden es cool zu hören, wie meine Geschichte ist – aus welchem Land ich komme und welche Kultur wir haben. Ich habe ihnen dann zum Beispiel erzählt, dass unsere Hauptstadt Tiflis heißt. Viele können Georgien nicht richtig aussprechen.

Und hast du auch einen Freund, Georgi?
Georgi: Ich war erst in einer anderen Grundschule. Am ersten Schultag in der neuen Schule war ich sehr aufgeregt. Nicht alle Kinder waren nett. Ich habe dann Johann kennengelernt, er ist jetzt mein Freund. Wir besuchen uns, spielen Piraten oder gehen nach draußen. Wenn wir bei ihm sind, springen wir auf dem Trampolin im Garten oder verstecken uns vor seiner Schwester. Aus dem ersten Heim, in dem wir waren, habe ich auch noch einen Freund. Er heißt Elnur und kommt aus Aserbaidschan.

Wart ihr auch schon zu einem Geburtstag eingeladen?
Ani: Ja. Da haben wir lustige Spiele gespielt, zum Beispiel Schokoladenessen oder Topfschlagen. Das kannte ich aus Georgien nicht. Wir haben auch ein Spiel mit einem Apfel im Wasser gespielt, in den man reinbeißen musste.
Georgi: Bei Johanns Geburtstag waren wir in einem Museum und haben uns Fossilien angesehen. Ich interessiere mich für Steine und sammle sie, deswegen fand ich das spannend. Im Keller des Museums haben wir uns Schwerter aus alten Zeiten angesehen. Ich hatte einen Kuchen von meiner Oma mitgebracht, den fanden die Gäste leckerer als den vom Geburtstagskind. Sie haben ihn „Georgis Oma-Kuchen“ genannt.


Was sind georgische Spezialitäten aus der Küche?
Ani: Zum Beispiel Chinkali, das sind Teigtaschen mit Fleisch. Oder Khachapuri. Das ist Teig mit Käse, der im Ofen gebacken wird, ein bisschen wie Pizza. In Georgien haben wir viele fettige Sachen, die es in Deutschland nicht so gibt.
Georgi: Meine Oma probiert manchmal neue Rezepte aus. Zum Beispiel Lasagne. Das Essen kenne ich aus „Garfield“, in Georgien hatten wir das nicht. Ich finde, bei „Garfield“ sieht die Lasagne aber anders aus, die Soße sieht aus wie Marmelade, nicht wie Fleisch.

Und was ist typisch deutsch?
Ani: Alles mit Kartoffeln. In der Schule sagen manche Schüler zu den Deutschen „Du deutsche Kartoffel“, wenn sie sich streiten. Das finde ich lustig, ich muss dann immer lachen.

An was denkt ihr gern, wenn ihr euch an Georgien erinnert?
Ani: Georgien ist ein Land, in dem die Menschen sehr gastfreundlich sind. Wir tun immer alles, damit es einem Gast gut geht. Und wenn jemand eine Frage hat, wo etwas liegt, dann sagen die Menschen: „Ich komme mit dir mit und zeige es dir.“
Georgi: Das ist mir hier bei Rewe aber auch mal passiert. Ich habe das Backpulver gesucht, und dann hat eine Frau mich bis zum Regal gebracht.
Ani: In Georgien ist die Natur sehr schön. Aber die Menschen achten nicht so auf die Umwelt. Als ich in Georgien gelebt habe, wusste ich gar nicht, dass man die Umwelt schützen sollte. Die Menschen da werfen den Müll einfach weg, auch auf die Straße.

Hier in Deutschland trennen wir den Müll. Wie findet ihr das?
Georgi: Kompliziert. Man muss wissen, was man wo reinwerfen muss. Ich kann mir das nicht so gut merken. Also die blaue Tonne ist für Kartons und die gelbe für Verpackungen. Aber es gibt auch noch eine braune. Und im Supermarkt stehen Boxen für alte Batterien. Ich finde das nett von Deutschland, dass man das hier so macht.

Manche Menschen trennen den Müll bei uns aber nicht richtig. Sie haben keine Lust dazu. Was sagt ihr dazu?
Ani: Wenn man in Deutschland ist, muss man sich an die Regeln halten.

Was habt ihr hier mal Schönes erlebt? Ani: Weil unsere Schule 50 Jahre alt geworden ist, waren wir mit der ganzen Schule im Fort Fun im Sauerland. Es ist toll, dass man nur einmal Eintritt zahlen muss und dann alles ausprobieren kann. Ich bin vorher noch nie auf einer Achterbahn gefahren. Sie hatte sogar einen Doppel-Looping. Ich bin ganz oft gefahren. Und abends konnte ich nicht schlafen, weil ich immer noch dachte, ich sitze in einer Achterbahn. Unsere Klassenfahrt nach Bacharach war auch sehr schön.
Georgi: Wir waren mit meiner Klasse einmal auf einem Spielplatz mit einer riesig großen Rutsche. Sie war sooo steil und es ging sooo schnell abwärts, dass mein Herz fast stehengeblieben ist. Schön war auch, als wir mal in meiner ersten Grundschule übernachtet haben. Das war die schönste Schule, in der ich je war. Am Schluss habe ich ein Album von meiner Klasse geschenkt bekommen.

Was macht ihr so in eurer Freizeit?
Ani: Ich fahre Fahrrad oder gehe mit meiner Freundin spazieren. Hier gibt es viele Freizeitmöglichkeiten. Ich lese auch gern. Gerade habe ich „Mira reicht’s“ gelesen, das fand ich spannend.
Georgi: Ich mag Zauberbücher und Bücher mit Piraten, zum Beispiel „Piratenalarm in der Karibik“.

Wart ihr schon mal beim Arzt?
Georgi: Ja, beim Zahnarzt. Da hatte ich Angst. Er hat nämlich drei Milchzähne gezogen und deswegen musste ich eine Spritze bekommen. Das hat echt wehgetan und danach hatte ich ein ganz komisches Gefühl in der Lippe.
Ani: Bei mir war mal eine Zahnwurzel entzündet. Sonst war ich noch nicht beim Arzt. Meine Oma ist mein Arzt. Gestern hatte ich Schmerzen an der Schulter. Meine Oma hat gesagt, ich soll heiß duschen und danach hat sie mich massiert, dann war es wieder weg.

Was möchtet ihr in Deutschland gern mal besichtigen?
Ani: Berlin und den Dom in Köln.
Georgi: Ich möchte auch nach Berlin, da gibt es ganz viel zu sehen.

>> DAS IST GEORGIEN

Georgien ist ein Land an der Grenze zwischen Europa und Asien. Nachbarländer sind Russland, die Türkei, Armenien und Aserbaidschan.

Georgien liegt am Schwarzen Meer. Das Land hat nur 3,7 Millionen Einwohner.

DIE ANDEREN TEILE DER SOMMER-SERIE

1. Nicat und Senan aus Aserbaidschan

2. Nuha und Sidra aus Syrien

3. Irina und Tsetseg aus der Mongolei

4. Sujain und Ayan aus Indien

5. Issa und Hadia aus dem Irak

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