Familie

Großeltern-Besuch: Aus den USA ins Ruhrgebiet und zurück

| Lesedauer: 5 Minuten

Die Enkel aus Amerika besuchen ihre Großeltern im Ruhrgebiet. Zum Gruppenbild setzten sich Opa Rainer, Madeleine, Mutter Christina, Jonathan, Oma Heike, Benjamin und Nathaniel (v. li.) zusammen.

Foto: Jakob Studnar / FUNKE Foto Services

Bochum.  Jonathan und Benjamin leben mit ihrer Familie in den USA. Die Sommerferien verbringen sie aber bei ihrer Oma und ihrem Opa in Bochum.

Immer, wenn Jonathan und Benjamin mit ihrer Familie am Flughafen in Deutschland ankommen, gibt es in der Ankunftshalle erst mal ein Picknick. Oma Heike hat dann Fleischwurst-Brötchen im Gepäck, dazu noch Milchschnitten und Apfelschorle. Das gibt es dort, wo die Familie Coelho lebt, nicht.

Ihr Wohnort ist McMinnville ganz im Westen der USA, eine Kleinstadt im US-Staat Oregon. Aber jedes Jahr im Sommer verbringen Jonathan, Benjamin und die kleinen Geschwister Madeleine und Nathaniel viele Wochen im Ruhrgebiet – bei Opa und Oma.

Ausflüge ins Planetarium und zum Ketteler Hof

„Ich freue mich immer sehr, sie zu sehen“, sagt der neunjährige Jonathan, auch wenn er den langen Flug nicht mag. „Wir machen viele Ausflüge.“ In den letzten Wochen waren sie schon in der Zoom Erlebniswelt, auf dem Ketteler Hof und im Planetarium, auf dem Programm steht auch der Movie Park.

„Man muss sehr kreativ sein“, sagt Oma Heike Kroll. Damit es den vier Kindern in der Bochumer Wohnung nicht langweilig wird. Aber Opa Rainer (67) und Oma Heike (62) fällt immer etwas ein. Sie gehen alle gemeinsam ins Schwimmbad oder machen Fahrradtouren. Und weil der Opa ein großer Schalke-Fan ist, hat er Jonathan bei einem früheren Besuch auch schon mal zu einem Spiel mitgenommen.

In diesem Jahr begann die lange Urlaubszeit der deutsch-amerikanischen Familie mit einem Familienurlaub auf Mallorca. „Da war auch Papa dabei“, berichtet der fünfjährige Benjamin. Und noch mehr Verwandte, auch die Tante und der Onkel aus Hamburg, „er ist jetzt Arzt“, sagt Jonathan stolz. Mit seinem Onkel Alexander war er auf Mallorca tauchen, zum ersten Mal im Meer mit einer Pressluftflasche. „Ich habe einen Oktopus gesehen und sogar einen kleinen Schatz gefunden – ein Fußkettchen.“

Der Vater arbeitet auf einem Weingut

Das Leben in den USA ist für die beiden Jungen ganz anders als in Deutschland. Papa David arbeitet auf einem Weingut, das seinen Eltern gehört. Hinter dem Haus, in dem sie wohnen, beginnt der Wald. „Ich mag es, den Wald zu erkunden“, sagt Jonathan, „zum Beispiel mit meinem Bruder oder mit Freunden oder meinem Cousin.“ Er hat sich dort auch schon eine Bude aus Holz gebaut.

Seine amerikanischen Großeltern besitzen ein riesiges Haus am Weinberg – mit Swimmingpool. „Einen Parkplatz zu finden, ob am Haus oder vor den Geschäften, ist nirgendwo ein Problem“, erzählt Mutter Christina (36). „Das Einkaufen dauert aber ziemlich lange“, sagt Oma Heike, „weil man überall mit dem Auto hinfahren muss.“

Fußball, Jiu Jitsu und Schwimmen

Sonntags geht die Familie in die katholische Kirche. Im Joe Dancer Park spielen Jonathan und Benjamin Fußball, außerdem macht der Neunjährige Jiu Jitsu und geht zum Schwimmtraining.

In Deutschland ist ihm aufgefallen, „dass es hier ganz viele große Städte gibt und viele Häuser eng zusammenstehen.“ Dagegen hat McMinnville nur etwa 34.000 Einwohner und das Dorf Amity, wo das Weingut liegt, sogar nur etwa 1800.

Während der Corona-Pandemie waren auch in den USA die Schulen zeitweise geschlossen. Mutter Christina unterrichtete Jonathan zwei Jahre lang zu Hause. Das ist in den USA gesetzlich erlaubt, es gibt keine Schulpflicht wie in Deutschland. „Im September kommt Benjamin auch in die Schule“, sagt Christina Coelho. Er wird entweder auf die Grundschule in Amity oder eine katholische Privatschule gehen.

Die Großeltern besuchen die Tochter, den Schwiegersohn und die Enkel auch regelmäßig. Als Jonathan seine Erstkommunion feierte, blieben sie sogar fünf Wochen lang. „Ich finde es immer sehr aufregend, nach Oregon zu fliegen“, sagt Heike Kroll. Weihnachten versucht die Familie Coelho aber, in Deutschland zu sein. Wegen Corona war der persönliche Kontakt schwierig, da war die Pause, in der sich alle nicht sehen konnten, lang.

Mit der Mutter Deutsch, Englisch mit dem Vater

Zu Hause spricht der Vater nur Englisch mit seinen Kindern, die Mutter nur Deutsch. Den Kindern fällt der Wechsel von der einen in die andere Sprache leicht. „Es ist ganz einfach“, sagt Jonathan. Daher kommen alle in Deutschland auch gut zurecht, vielleicht wird die Familie sogar einmal für ein paar Jahre hierhinziehen. „Ich fände es schön, wenn die Kinder hier noch mal zur Schule gehen würden“, sagt ihre Mutter. Sie selbst hat ihren Mann während eines Austauschjahrs in der elften Klasse kennengelernt. „Ich fühle mich als Weltbürgerin“, sagt sie. „Amerika ist meine Heimat - und Deutschland ist meine Heimat.“

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