Politik

Deutschland ist ein Staat, hat aber 16 Schulsysteme

Kinder melden sich in einer Klasse. Doch welche Fächer unterrichtet wird, entscheiden die einzelnen Bundesländer selbst.

Kinder melden sich in einer Klasse. Doch welche Fächer unterrichtet wird, entscheiden die einzelnen Bundesländer selbst.

Foto: Frank Molter/dpa

In Deutschland hat jedes Bundesland sein eigenes Schulsystem. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet möchte, dass das weiterhin so bleibt

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Tobias geht bei uns in Nordrhein-Westfalen in die fünfte Klasse eines Gymnasiums. Weil seine Eltern aber bald umziehen, wird sich einiges für ihn ändern. Zum einen muss er sich an seine neue Heimat Berlin gewöhnen. Und weil es in Berlin ein anderes Schulsystem gibt, besucht er bald nicht mehr ein Gymnasium, sondern eine Grundschule. Denn in Berlin dauert die Grundschulzeit bis zur sechsten Klasse.

Das ist Föderalismus

Tobias muss zurück in die Grundschule, weil es in Deutschland den Föderalismus gibt. Das Wort Föderalismus kommt vom lateinischen Wort „foedus“, was so viel wie Bündnis oder Vertrag bedeutet. In einem Bundesstaat wie Deutschland gibt es auch ein Bündnis. Und zwar zwischen dem Bund, also Deutschland, und den einzelnen Bundesländern wie Nordrhein-Westfalen, Bayern oder Niedersachsen. Der Bund und die Bundesregierung kümmern sich vor allem um Fragen, die ganz Deutschland betreffen. Dazu gehören zum Beispiel die Einsätze der Bundeswehr.

Die 16 Bundesländer, die alle ihre eigene Landesregierung haben, kümmern sich hingegen um Dinge, die vor allem ihr Bundesland betreffen. Sie dürfen zum Beispiel entscheiden, wie die Polizei bei ihnen funktioniert. Und sie entscheiden auch, welche Schulformen es in ihrem Bundesland gibt und was zum Beispiel eine gute Schuldbildung ausmacht. Deshalb ist die Schulbildung in allen 16 Bundesländern unterschiedlich.

Einigen Bundesländern fehlt jedoch Geld, das sie in Schulen investieren können. Deshalb hoffen sie, dass sie bald mehr Geld von der Bundesregierung bekommen, um zum Beispiel neue Tablets für Schulen kaufen zu können. Dafür müsste aber das Grundgesetz geändert werden. Und das wollen die Ministerpräsidenten aus Nordrhein-Westfalen, Bayern, Baden-Württemberg, Hessen und Sachsen nicht. Sie haben die Befürchtung, dass sich der Bund in ihren Bundesländern einmischen könnte und alle Schulen in Deutschland einheitlich werden. Deshalb möchte auch NRW-Ministerpräsident Armin Laschet, dass weiterhin die Bundesländer entscheiden, auf welche Schulen Kinder gehen können und wie Schulbildung bei ihnen funktioniert.

Das Grundgesetz müsse dafür aber nicht geändert werden, sagt Laschet. Er möchte, dass die Bundesregierung den Bundesländern einfach nur mehr Steuergelder für Schulen gibt. Seiner Meinung nach müsste sich die Bundesregierung dafür aber nicht in die Politik der Bundesländer einmischen.

Es geht um viel Geld

Andere Politiker kritisieren Laschet für seine Meinung. Sie sagen, dass die Bundesregierung den Bundesländern nur mehr Geld geben möchte. Andere finden, dass es sehr kompliziert ist, wenn jedes Bundesland über seine Schulen selbst entscheidet. Das erschwert zum Beispiel Umzüge, so wie bei Tobias. Andere Menschen sagen aber, dass der Föderalismus gut ist. Denn die einzelnen Bundesländer wissen viel besser darüber Bescheid, wo die Probleme in ihrer Region liegen. Nun muss der Bundesrat entscheiden, ob die Bundesregierung oder Armin Laschet recht hat.

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