Natur

Das Grüne Band erinnert an die Vergangenheit

Was früher eine bewachte Grenze war und das Land teilte, ist heute ein langer Grünstreifen.

Was früher eine bewachte Grenze war und das Land teilte, ist heute ein langer Grünstreifen.

Foto: Martin Schutt / dpa

Durch Deutschland schlängelt sich das Grüne Band. Das ist ein wichtiger Ort für Tiere und Pflanzen. Früher war dort aber eine Grenze.

Wir mähen unseren Rasen oder bauen Getreide an: An vielen Stellen sorgen wir Menschen dafür, dass Pflanzen genau so wachsen, wie wir es uns wünschen. Es gibt aber auch Gebiete in Deutschland, in denen die Natur tun und lassen darf, was sie will. Ein ganz besonderes Gebiet ist das Grüne Band. Denn aus der Luft betrachtet sieht es tatsächlich aus wie ein Band aus Natur, das sich durchs Land schlängelt. Es verläuft von der Ostsee bis zur nördlichen Ecke des Bundeslandes Bayern. Das Grüne Band ist ziemlich lang: etwa 1400 Kilometer!

Ein geteiltes Land

Wenn man das Grüne Band heute sieht, kann man kaum glauben, dass dort früher alles ganz anders aussah. Damals standen dort Zäune und Wachtürme. Denn anstelle des Grünen Bands verlief eine Grenze durch Deutschland. Das Land war in zwei deutsche Länder geteilt: die DDR im Osten und die Bundesrepublik Deutschland im Westen. Seit 30 Jahren sind diese beiden Länder wieder ein Land: Deutschland, so wie du es kennst.

Melanie Kreutz arbeitet beim Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND). Diese Organisation kümmert sich um das Grüne Band. Sie erzählt von den Anfängen: „In den 70er-Jahren ist Jugendlichen in Nordbayern aufgefallen, dass es viele gefährdete Vogelarten gibt, die nur noch in diesem Grenzbereich vorgekommen sind.“ Das Braunkehlchen sei ein Beispiel für so eine Vogelart. Schon damals gab es diese Vögel nur noch sehr selten. „Da hat man also schon gewusst: Dieser Grenzstreifen ist für die Natur etwas ganz Wertvolles.“

Nach der Grenzöffnung sind dann Naturschützer aus Ostdeutschland und Westdeutschland zusammengekommen und haben eine Idee entwickelt. Frau Kreutz erklärt: „Sie wollten diese vorher ganz stark bewachte Grenze umwandeln in ein Grünes Band für die Natur.“

Mehr als 1200 gefährdete Tierarten und Pflanzenarten leben in diesem Gebiet. „Eine ganz tolle Art ist zum Beispiel der Schwarzstorch“, erzählt Frau Kreutz. Der sieht ähnlich aus wie der bekanntere Weißstorch. Allerdings ist sein Gefieder schwarz. Und anders als der Weißstorch lebt er lieber etwas weiter weg von den Menschen. Auch viele seltene Pflanzen findet man im Grünen Band. Etwa den Frauenschuh: „Das ist eine ganz große, gelb-braune Orchidee, die auch wirklich die Form von einem Frauenschuh hat.“

Viele der Arten fühlen sich auch deshalb so wohl im Grünen Band, weil die Landschaft so vielfältig ist. „Es ist ein Mittelding aus Wald und Wiese“, erklärt Melanie Kreutz. „Da sind Hecken mit drin, da ist höheres Gras mit drin, teilweise aber auch ganz niedriges Gras.“ Auch Bäche fließen durchs Grüne Band. So entstehen ganz viele verschiedene Lebensräume für jede Menge Tiere und Pflanzen.

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