Gründerszene

Hubs, Labs & Co. – Räume und Netzwerke für Innovationen

Zusammen kommen, gemeinsam Ideen entwickeln. Das ist die Idee hinter Hubs, Labs & Co.

Zusammen kommen, gemeinsam Ideen entwickeln. Das ist die Idee hinter Hubs, Labs & Co.

Essen.   Für die Digitalisierung der Wirtschaft ist die Förderung neuer Ideen das A und O. In der Region ist dazu eine dichte Infrastruktur gewachsen.

Digitalisierung ist bekanntlich die große Herausforderung für Wirtschaft und Industrie in diesen Zeiten. Neue Arbeitsweisen und Technologien entwickeln sich rasant. Geschäftsmodelle, die seit Jahrzehnten funktionierten, könnten in ein paar Jahren durch die Entwicklung neuer, innovativer Technologien zunichte gemacht werden.

Die traditionelle Industrie muss umdenken und sich dem digitalen Wandel stellen. Eine Möglichkeit, sich als Unternehmen der Digitalisierung anzunähern, ist, mit Startups zusammenzuarbeiten. Das kann geschehen, indem Programme und Räume geschaffen werden, wo mit neuen Technologien, Arbeitsweisen oder Geschäftsmodellen experimentiert wird, wo Mitarbeiter unterschiedlicher Abteilungen zusammenarbeiten, wo von außen Startups mit ins Boot geholt werden, um sie zu unterstützen und von den Innovationen zu profitieren.

Immer mehr Unternehmen erkennen die Notwendigkeit, solche Möglichkeiten zu schaffen oder sich daran zu beteiligen. Solche Orte und Programme laufen dann unter den meist englischen Begriffen wie Hub, Lab, Accelerator oder Inkubator. Mittlerweile entstehen auch im Ruhrgebiet immer mehr solcher Digital-Hubs und oder Innovation-Labs und immer mehr Unternehmen und Initiativen bieten Accelerator- oder Inkubator-Programme zur Unterstützung von Startups an.

Was steckt hinter all diesen Begriffen, wo liegen die Unterschiede und welche Bedeutung haben Hubs und Labs für die Gründerszene im Ruhrgebiet? Wir wagen einen Erklärungsversuch.

Hubs – Knotenpunkte für Startups, Wirtschaft und Wissenschaft

Der Begriff „Hub“ hat verschiedene Bedeutungen. In der Welt der Startups bezeichnet ein Hub eine Art Knotenpunkt, an dem unterschiedliche Akteure räumlich und durch Aktivitäten vernetzt werden sollen. Vorbild und berühmtestes Beispiel für Digital- oder Innovation-Hubs ist das Silicon Valley, wo auf relativ engem Raum eine Vielzahl unterschiedlichster Startups, Unternehmen, Wissenschaftler und Studenten aufeinandertreffen, um immer neue Ideen für innovative Produkte und Technologien zu entwickeln.

Auch mit den Digital-Hubs, die hierzulande entstehen und von Bundes- und Landesregierung gefördert werden, sollen ähnliche Voraussetzungen geschaffen werden: Orte, an denen sich Startups, traditionelle Wirtschaft und Wissenschaft begegnen und vernetzen, um gemeinsam an Innovationen für die Zukunft zu arbeiten.

Bekannteste Beispiele hier in NRW sind die sogenannten DWNRW-Hubs, die in verschiedenen Städten und Regionen gegründet wurden, um dort die Digitalisierung voranzutreiben. Für das Ruhrgebiet entstand vor ziemlich genau einem Jahr der Ruhr Hub mit Sitz in Essen.

Ein anderes Beispiel sind die „Impact Hubs“ mit Standorten auf der ganzen Welt von New York über Brasilia und Singapur bis hin nach Zürich oder Berlin. Auch im Ruhrgebiet entsteht gerade ein Impact Hub, genauer gesagt in Essen, im Haus der Technik. Impact Hubs zeichnen sich dadurch aus, dass sie räumlich eine Mischung aus Coworking Space und Veranstaltungszentrum anbieten und ihre Mitglieder untereinander vernetzen – immer unter der Voraussetzung, einen „Impact“, also eine „Wirkung“ zu erzeugen. Impact Hubs gelten daher als Anlaufstelle für Sozial-Unternehmer sowie für Verbände und Initiativen, aber auch Unternehmen, die lokal handeln und dabei global vernetzt sein wollen.

Labs – Orte zum Experimentieren und Ausprobieren

Ein Lab bezeichnet eine Räumlichkeit, in der neuartige, innovative Konzepten, Methoden und Ideen entwickelt, umgesetzt und experimentiert werden. Ein Lab kann eine konkrete Ausrichtung haben, verschiedene Akteure einer Region vernetzen oder offen für unterschiedliche Ansätze aus der Bevölkerung sein. Das Social Impact Lab beispielsweise, das sich 2016 auf dem Haniel-Gelände in Duisburg angesiedelt hat, ist speziell auf Sozial-Unternehmen ausgerichtet. Es bietet neben kreativ gestalteten Räumen, die die Kommunikation und den Austausch der Mitglieder fördern sollen, auch zeitlich begrenzte Förderprogramme für Gründer an, die in der Zeit an ihren Geschäftsmodellen arbeiten können und dabei von dem Netzwerk des Social Impact Labs unterstützt werden.

Accelerator und Inkubator – Förderprogramme für innovative Startups

Um mit Startups zusammenzuarbeiten, bieten immer mehr große Unternehmen Förderprogramme an, die Startups dabei helfen sollen, sich schneller zu entwickeln und zu wachsen, beziehungsweise das Produkt schneller zur Marktreife zu bringen. Der Vorteil für die Unternehmen selbst besteht vor allem darin, an der Entwicklung innovativer Technologien und Geschäftsmodelle direkt beteiligt zu sein. Solche Förderprogramme laufen unter den Bezeichnungen Accelerator oder Inkubator. Was genau ist damit gemeint und wo liegen die Unterschiede?

Acceleratoren – Beschleuniger für junge Unternehmen

Acceleratoren sind Förderprogramme für Startups in der frühen Phase, deren Geschäftsmodell schon auf einigermaßen sicheren Füßen steht. Ziel des Programmes ist es, die Entwicklung und das Wachstum des Startups zu beschleunigen und zwar vor allem mit intensivem Coaching durch Mentoren und mit dem Zugriff auf das Netzwerk der Organisation oder des Unternehmens, welches das Programm anbietet. Bei einigen Anbietern ist auch eine finanzielle Unterstützung enthalten. Die Förderung geht über einen Zeitraum von einigen Wochen bis hin zu drei Monaten. Im Gegenzug für das Coaching gibt das Startup meistens Unternehmensanteile ab. Das Programm wird in der Regel mit einem sogenannten Demo Day abgeschlossen, an dem die Startups die Chance haben, ihre Geschäftsidee vor Investoren oder Unternehmen zu präsentieren. Ein aktuelles Beispiel aus dem Ruhrgebiet ist der Starbuzz-Accelerator in Mülheim an der Ruhr. Hier werden vor allem Startups aus dem Bereich Online-Handel und Logistik unterstützt. Zu den Partnern des Accelerators gehören Handelsriesen wie Tengelmann oder Aldi Süd.

Inkubatoren – Brutkästen für innovative Geschäftsideen

Inkubatoren heißen Förderprogramme für Startup-Teams in der frühen Phase, deren Geschäftsidee noch nicht ganz ausgereift ist. Bietet ein großes Unternehmen oder ein Konzern ein Inkubator-Programm an, werden dort oft für interne Geschäftsideen externe Gründerteams ins Unternehmen geholt, welche die Ideen ausarbeiten und ein Unternehmen daraus gründen.

Der Begriff kommt aus der Medizin und bedeutet so viel wie „Brutkasten“. Anders als beim Accelerator steht nicht die Wachstumsbeschleunigung im Fokus. Vielmehr geht es darum, ideale Bedingungen für das Gründerteam zu schaffen, um ein erfolgreiches Unternehmen zu starten. Die Programme beinhalten in der Regel ein intensives Mentoring durch Coaches und die Bereitstellung von Arbeitsplätzen. Die Unterstützung erfolgt meistens über mehrere Monate. Das Social Impact Lab Duisburg beispielsweise bietet das Inkubator-Programm „AndersGründer“, das sich speziell an Social Startups richtet.

Orte der Vernetzung für ein innovatives Ruhrgebiet

Ob Hub, Lab, Accelerator oder Inkubator – allen gemeinsam ist die Vernetzung und die Zusammenarbeit von unterschiedlichen Akteuren mit dem Ziel, innovative Ideen und Technologien für die Zukunft zu entwickeln. Für die Schaffung einer gründerfreundlichen Region ist die Entstehung solcher Zentren ein wichtiger Schritt.

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Carmen Radeck ist Betreiberin der Seite RuhrGründer.de, eine der wichtigsten Online-Plattformen, die sich mit der Gründerszene in der Region befasst. Sie wird als Kolumnistin ab jetzt regelmäßig hier auf unserem Themen-Special über die brummende Branche, die neuesten Trends, die spannendsten Projekte berichten.

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