Kinder

Kopfläuse – ungefährlich, aber auch unangenehm

Blick nach oben: Krabbelt und juckt es in den Haaren? Dann könnten hier Läuse unterwegs sein.

Blick nach oben: Krabbelt und juckt es in den Haaren? Dann könnten hier Läuse unterwegs sein.

Foto: Getty

Duisburg/Mülheim.   Kopfläuse sind unangenehm, aber ungefährlich. Ausgestorben sind sie längst noch nicht. Experten sagen, dass an jeder Schule und in jedem Kindergarten zwei bis drei akute Träger der Parasiten vorkommen. Auf diese Weise verbeiten sich die Tiere. Doch wer die Scham ablegt, bekommt schnell Hilfe. Nach wenigen Tagen ist das große Krabbeln vom Kopf verschwunden.

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„Liebe Eltern, in der Gemeinschaftseinrichtung Ihres Kindes sind Kinder mit einem Kopflausbefall festgestellt worden.“ Ein Satz, den kein Elternteil gern lesen möchte. Und doch haben viele ein solches Schreiben wie das des Gesundheitsamtes Mülheim schon in Händen gehalten – und sich unwillkürlich am Kopf gekratzt.

„Kopflausbefall“ – wie kann das sein, fragt sich mancher, dass eine zivilisierte Gesellschaft, die über Shampoos, Waschmittel und saubere Wohnräume verfügt, noch mit einem solchen Problem zu tun hat? Weil die Läuse niemals ganz ausgerottet wurden und es keine vorbeugenden Mittel gibt, um sie sich vom Hals (oder Kopf ) zu halten. Anders als Mücken bleiben die unangenehmen aber ungefährlichen Kopfläuse für die Wissenschaft eher belanglos. Man weiß, wie man sie wieder los werden kann, das muss reichen.

Zwei bis drei Träger pro Schule

Bei statistischen Erhebungen in England wurde festgestellt, dass es pro Schule immer zwei bis drei akute Träger der Parasiten gibt. Zahlen, die der Chef des Duisburger Gesundheitsamtes und ehemalige Leiter des umweltmedizinischen Dienstes der Stadt Mülheim, Dr. Dieter Weber, bestätigen kann. „Kreiselnder Befall“ nennt er das. Im Herbst seien die Zahlen meist am höchsten, wobei sich über die Jahre ein kleiner Rückgang bemerkbar gemacht habe. Dennoch: Aussagekräftige und einheitliche Erhebungen gebe es nicht, da jede Stadt anders mit dem Problem umgehe.

Entgegen anderslautender Vorurteile hat der Befall nichts mit mangelnder Hygiene zu tun – die Laus mag alle Köpfe gleich gern. Trotzdem sind langhaarige Mädchen tendenziell häufiger betroffen – eine lange Mähne wirke auf die Läuse eben einladender als ein „Fünf-Millimeter-Stoppelschnitt“, so Weber.

Es reicht, wenn die Kinder die Köpfe zusammenstecken

Dass die Läuse besonders häufig in Kindergärten oder Schulen auftauchen, hängt mit dem alterstypischen Verhalten der Kinder zusammen. Wo sie eng beieinander sitzen, hat auch die Kopflaus leichtes Spiel. Sie kann zwar nicht springen, es reicht jedoch aus, wenn Kinder „die Köpfe zusammenstecken“ oder beispielsweise in der Kita auf einem Sofa liegen, auf dem zuvor ein Kind mit Kopfläusen gelegen hat. Auch über Kleidungsstücke wie Mützen können die Läuse wandern – das kommt jedoch seltener vor als die Ansteckung durch Körperkontakt.

Symptome wie Juckreiz machen sich bereits nach einigen Tagen bemerkbar, „wenn die Läuse an der Kopfhaut knabbern“, wie Weber es ausdrückt. Denn die Tiere ernähren sich von menschlichem Blut: Sie ritzen die oberste Hautschicht an und saugen dann das Blut aus dem verletzten Gefäß. Mit den krallenartigen Endgliedern ihrer Beine können sie sich gut in den Haaren fortbewegen, auf glatten Oberflächen sind sie dagegen eher unbeholfen.

Kindergärten, Schulen und andere Gemeinschaftseinrichtungen sind nach dem Infektionsschutzgesetz verpflichtet, Kopflausbefall zu melden. Woraufhin beispielsweise in Mülheim Webers Schreiben zum Einsatz kommt, in dem die Eltern auf Vorsichtsmaßnahmen und Behandlungsmöglichkeiten hingewiesen werden und unterschreiben müssen, dass sie die Köpfe ihrer Kinder gründlich untersucht haben. Auf diese Weise lasse sich der Befall meist zügig eindämmen, sagt Weber. Voraussetzung: „Man muss offen damit umgehen, auch wenn das für die Betroffenen nicht leicht ist.“ Einige Schulen versuchen mit eigenen Kontrollsystemen, die Verbreitung von Läusen zu verhindern. So hat beispielsweise eine Essener Grundschule feste Kopflaus-Checks eingerichtet. Dort untersuchen freiwillige Eltern mehrmals im Jahr zu angekündigten Terminen den Kopf jedes Kindes auf Lausbefall.

Was zu Hause getan werden muss

Zu Hause müssen Bettwäsche, Handtücher, Schlafanzüge und Unterwäsche gewaschen werden; Kämme und Bürsten oder Haarspangen sollten Eltern mit heißer Seifenlösung reinigen. Was sich nicht ohne Weiteres waschen lässt, manche Stofftiere etwa, kann auch für drei Tage in eine Plastiktüte gesteckt werden – bekommen die Läuse keine Nahrung, sterben sie nach spätestens 55 Stunden ab.

Die Haare des betroffenen Kindes müssen mit speziellen Mitteln behandelt werden, deren Kosten die Krankenkasse übernimmt, wenn ein ärztliches Rezept vorliegt. Abgesehen davon ist ein Arztbesuch nicht notwendig.

Anders als früher seien die Läusemittel heute gut verträglich und sehr zuverlässig, obwohl sie keine Schadstoffe enthielten, so Weber. „Sie funktionieren auf Öl-Basis und ersticken die Läuse.“ Meist sind die Tiere nach 24 Stunden tot, allerdings können aus den abgelegten Eiern, den Nissen, noch Läuse nachschlüpfen. Dieter Weber weist daraufhin, dass die Anwendungshinweise des Herstellers unbedingt beachtet werden müssen, gerade was Menge und Konzentration angeht. Wer hier spare, riskiere einen Wiederbefall.

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