Selbstversuch

Einmal als Tarzan durchs Oberhausener Theater fliegen

NRZ-Volontär bei seiner Flug-Einlage in Oberhausen.

Foto: Fabian Strauch

NRZ-Volontär bei seiner Flug-Einlage in Oberhausen.

Oberhausen.  Eins ist klar: Mit schwachen Nerven taugt man nicht zum Darsteller im Musical "Tarzan". Ein Erfahrungsbericht aus schwindelerregender Höhe.

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„Ach, Herr Seelhöfer, Sie sind doch der mit der Höhenangst“, begrüßte mich ein Mitglied des Presse-Teams des Metronom Theaters in Oberhausen. Genau der war ich. War es Mut oder einfach nur Dummheit, dass ich mich bereiterklärte, einmal wie Tarzan an einer Liane durch den Theater-Saal zu schwingen? Egal, was es war, ich hatte die klare Ansage vom Chef, das durchzuziehen.

Beim Empfang mussten alle anwesenden Journalisten noch eine Erklärung unterschreiben, dass sie aus freiem Willen verrückt genug sind, den Tarzan zu machen. „Und da sollen wir dann auch die Telefonnummer von unserem nächsten Verwandten eintragen?“, witzelte ich noch. Galgenhumor. Mehr nicht.

Vorher gab es aber eine Führung durch sämtliche Bereiche, die sich hinter und besonders über der Bühne befinden. Vor allem letzterer war nichts für schwache Nerven. Auf einem Gitter stehend, knapp 20 Meter mitten über dem Zuschauerbereich, wies Fabian Zeeb, der für alle Flug- und Kletter-Einlagen des Musicals zuständig ist, lapidar auf eines von vier senkrecht am Gerüst befestigten Rohren und sagte wie selbstverständlich: „Von hier starten manche Schauspieler dann in die Show.“

Ist Klar.

Gestartet wird von der Bühne aus

Das krasse Gegenteil dazu: Nur am Geländer fest gekauert war es mir möglich, überhaupt auch nur einen Blick nach unten durch das Gitter, geschweige denn durch die Rohre zu wagen. Gedanklich gehe ich schon mal das Gespräch mit dem Redaktionsleiter durch, wieso ich keine Geschichte zu meinem Lianen-Schwung mitgebracht habe. Dann stellt Zeeb klar: „Ihr startet aber gleich nicht von hier.“ Gut. Das hätte die Liebe zu meinem Job auch überstrapaziert.

Los ging es nämlich von der Bühne aus – natürlich erst nach der vertrauenerweckenden Blitz-Schulung. „Ihr müsst wissen, dass ihr beim Landen umknicken könnt und dass es, wenn ihr euch zu fest ans Seil klammert, an den Händen zu Verbrennungen kommen kann“, warnte der Luft-Chef Stuart Gannon.

Der Sprung ins kalte Wasser

Und Rune Høck Møller, einer der Tarzan-Darsteller, fügte an: „An den Stellen, an denen die Sicherung am Körper sitzt, drückt es etwas. Das kann blaue Flecken geben, wenn ihr da nicht trainiert seid und wenig Muskeln habt.“ Trainierte Muskeln? Kenne ich nur aus Erzählungen.

Doch bevor es für mich in die Luft ging, durften sich erst noch die anwesenden Journalistinnen als Jane in Begleitung eines Profis an die Höhenluft gewöhnen. „Du willst aber doch nicht die Jane sein? Du machst gleich direkt den Tarzan-Flug“, bekam ich nur zu hören. Einmal die Jane zur Eingewöhnung wäre eigentlich nicht verkehrt gewesen. Doch ich lasse ja alles mit mir machen.

Im Affenzahn runter vom Podest

Aber – warum auch immer – nahm mittlerweile die Vorfreude Überhand. Ich konnte es kaum erwarten endlich einmal in schwindelerregender Höhe quer durch die Halle zu rasen. Und es hat sich gelohnt, über den eigenen Schatten zu springen! In einem Affenzahn ging es runter vom Podest, dann ein kurzer Zwischenstopp, einmal hin und her gependelt und dann wieder weiter zum großen Finale – der unsanften Landung mit meinem Hintern auf der Bühne.

Einmal als Tarzan durchs Oberhausener Theater fliegen

Eins ist klar: Mit schwachen Nerven taugt man nicht zum Darsteller im Musical "Tarzan". Ein Erfahrungsbericht aus schwindeleregender Höhe.
Einmal als Tarzan durchs Oberhausener Theater fliegen

„Kannst du für Fotos aus der anderen Perspektive nochmal da runterfahren?“, fragte mich der Fotograf. Aber Selbstverständlich! Das zweite Mal – und wieder ein Highlight. Ein Gefühl, das ich zuletzt hatte, als ich die Seilbahn auf dem Spielplatz entlang gedonnert bin – nur war's diesmal noch ein paar Meter weiter oben in luftiger Höhe.

Wieder festen Boden unter den Füßen

Von Kopf bis Fuß zugedröhnt mit Adrenalin hatte aber noch nicht genug. Jetzt wollte ich mich auch als Affe auf die Bühne hängen. Sich nach links und nach rechts lehnen? Locker. Über Kopf baumeln? Kein Problem. Alles einen Meter über den Boden – und mit der Ästhetik eines nassen Sackes.

Plötzlich zog das Seil an und es ging rund vier Meter in die Höhe. „Und jetzt dasselbe nochmal“, rief mir Stuart Gannon zu. Zur Seite? Okay, aber immer langsam. Über Kopf? Jetzt reicht's, lasst mich endlich wieder runter!

Am Ende hatte ich tatsächlich wieder festen Boden unter den Füßen, war wohlauf – und hatte doch eine Geschichte im Block. Wer nicht wagt, der nicht gewinnt. Und wer seinem Chef keine Widerworte geben darf, hält den Mund.

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