Snooker

Der Mozart des Snookers greift nach dem sechsten WM-Titel

Ronnie O'Sullivan ist einer der glasklaren WM-Favoriten.

Ronnie O'Sullivan ist einer der glasklaren WM-Favoriten.

Foto: dpa pa

Essen.  Am Samstag beginnt die Snooker-WM in Sheffield. Ronnie O'Sullivan greift nach dem sechsten Titel. Hier sind die wichtigsten Fragen und Antworten.

Nur ein Handtuch hatte sich Mark Williams um die Hüfte geschlagen. In einer Sauna wäre das nicht auffällig, auf einer Pressekonferenz nach einer Snooker-Weltmeisterschaft schon. Der Waliser musste eine Wette einlösen, nachdem er seinen dritten Titel gewonnen hatte. Und bei Titel Nummer vier? „Wenn ich nächstes Jahr wieder gewinne, dann mache ich hier nackt einen Radschlag“, kündigte der frühere Weltranglistenerste damals an. Ab Samstag wird der 44-Jährige genau darum spielen, bei der WM in Sheffield.

Wo wird die WM gespielt?

Seit 1977 wird die WM im Crucible Theatre in der einstigen Stahl-Stadt ausgetragen. Bekannt ist die Halle aber nicht wegen ihrer dramaturgischen Darbietungen im Bereich Kunst. „Karrieren im Snooker definieren sich über Erfolge und Misserfolge bei der Weltmeisterschaft und eben im Crucible Theatre“, sagt Rolf Kalb (59), der das 17-tägige Marathon-Event bis zum Finale am 6. Mai für Eurosport kommentiert. Die Halle bietet nur 928 Fans Platz: „Das Publikum in den ersten Reihen könnte den Spielern theoretisch ins Queue fassen“, sagt Kalb. Die steilen Ränge würden für die Sportler eine „klaustrophobische Atmosphäre“ schaffen.

Wie funktioniert Snooker?

Gespielt wird auf einem 3,55 Meter langen und 1,77 breiten Tisch mit grünem Tuch. Die Spieler müssen in festgelegter Reihenfolge 15 rote und sechs andersfarbige Bälle versenken. Die roten werden mit einem Punkt gewertet, die farbigen mit mehr: gelb (2 Punkte), grün (3), braun (4), blau (5), pinkfarben (6) und schwarz (7). Nach jedem roten Ball muss ein farbiger gelocht werden. Am Ende ergibt dies maximal 147 Punkte. Kann ein Spieler den nächsten Ball nicht spielen, wurde er gesnookert. Trifft er ihn trotz Bandenspiels oder Bogenball nicht, kassiert er Strafpunkte.

Wer ist der beste Spieler der Welt?

Ronnie O’Sullivan glaubt, ihn gefunden zu haben: im Spiegel. „Es ist in vielen Punkten schwer, dagegen zu argumentieren, meine Bilanz spricht für sich“, sagte er in einem Eurosport-Interview. Er hält gleich eine Reihe von Rekorden, unter anderem den des schnellsten Maximum-Breaks von 147 Punkten, womit er sich den Spitznamen „The Rocket“ verdiente. O’Sullivan gewann sieben Masters-Titel und siebenmal die UK Championships. Den Platz für die meisten Ranglistenturniersiege (36) teilt er sich mit Stephen Hendry. Der Schotte hat sieben WM-Titel gewonnen, O’Sullivan fehlen noch zwei, um ihn einzuholen. „Nach den Saisonleistungen muss man natürlich sagen, dass Ronnie O’Sullivan einer der glasklaren Favoriten ist“, sagt Kalb mit Blick auf die Chancen des Engländers. Erstmals seit 2010 steht der 43-Jährige wieder an der Spitze der Weltrangliste. Am Montag trifft er zunächst auf James Cahill (23).

Was macht ihn so besonders?

O’Sullivan gilt als Naturtalent. Mit 15 erzielte er als jüngster Spieler ein Maximum-Break, mit 17 gewann er als jüngs­ter Spieler ein Ranglisten-Turnier. Rolling-Stones-Gitarrist Ron Wood nennt ihn „den Mozart des Snookers“. Er selbst sagt, er habe sich seinen Erfolg hart erarbeitet. Aber so rasch O’Sullivan den Tisch eroberte, so sehr veränderte sich auch sein Leben. O’Sullivan litt unter Depressionen, nahm Drogen, trank zu viel und suchte Hilfe bei einem Sportpsychologen. Während der Saison 2012/13 arbeitete er zeitweise auf einer Schweinefarm. 2013 meldete er sich zurück mit dem fünften Weltmeister-Titel seiner Karriere.

Wer kann O’Sullivan schlagen?

Neben Vorjahressieger Williams (44), der an diesem Samstag auf Martin Gould (37) trifft, zählen der Australier Neil Robertson (37) und der Engländer Judd Trump (29) zu den Topfavoriten. „Robertson hat momentan einfach einen großartigen Lauf“, sagt Kalb. „In den letzten vier Turnieren, die er gespielt hat, stand er jeweils im Finale und hat zwei davon gewonnen.“

Sind auch Deutsche dabei?

Höchstens am Kommentatoren-Tisch. Der Essener Lukas Kleckers (22) wird auf dem Experten-Stuhl von Eurosport Platz nehmen. Bislang hat sich noch kein deutscher Spieler für die WM qualifizieren können. „Es fehlt eine gewisse Matchhärte“, sagt Kalb. Wer in die Heimat des Profisports wechsele, stelle schnell fest, „dass er dort zu den ganz kleinen Fischen zählt“.

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