Insolvenz

Indiso reißt Samariter in die Pleite

Foto: Henryk Brock

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Unna. Das Missmanagement von Indiso-Geschäftsführer Siegfried Gebur reißt den Landesverband des Arbeiter-Samariter-Bundes NRW in die Krise. Die Landessamariter mussten jetzt die Insolvenz beantragen, weil sie Pachtschulden von 2,8 Millionen Euro drücken.

Die Riesensumme lief auf, weil Seniorenresidenzen-Chef Gebur Mieteinnahmen aus dem Königsborner „Haus am Kurpark“ nicht an den Landesverband weiterleitete. In der Hoffnung, das Gebäude von der Westfälischen Provinzial-Versicherung erwerben zu können. Der jahrelange Verhandlungspoker schlug wie weitere Gebur-Deals fehl. Mit den einbehaltenen Mieten wurden akute und immer weiter klaffende Finanzlücken gestopft. Lücken, weil für die neu errichteten Luxus-Seniorenwohnanlagen wie die City-Residenz in Unna oder das Haus Bergstraße in Dortmund dringend benötigte zahlende Mieter ausblieben. Bis Strafanzeigen von Gläubigern dazu führten, dass das Amtsgericht Dortmund die Indiso-Geschäftsführung stoppte und das Insolvenzverfahren für das Tochterunternehmen des ASB-Regionalverbandes Unna einleitete.

Mit der Indiso-Pleite konnte der ASB-Landesverband nicht mehr auf Ausgleichszahlungen hoffen, um die offenen Pachtzahlungen abzugelten. Nach beantragter Insolvenz bestellte das Amtsgericht Köln Rechtsanwalt Andreas Amelung zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Der Profi ist zuversichtlich, ein Fortbestehen des ASB-Landesverbandes zu sichern. „Letztlich mit der Alternative, einen neuen Landesverband zu gründen, der die Aufgaben und Mitarbeiter des alten Landesverbandes übernimmt.“ Amelung hofft aber, die Insolvenz abwenden zu können und will dazu der Westfälischen Provinzial in der kommenden Woche ein Angebot unterbreiten. „Und der Gläubiger wäre blöd, wenn er den Vergleich nicht annehmen würde“, so der Insolvenzverwalter. Denn die dabei zugesagten Gelder könnten „über den ASB-Bundesverband sofort zur Auszahlung kommen“.

Verfahren kann zwei
bis drei Jahre dauern

Anders sähe es aus, wenn das Insolvenzverfahren durchgezogen werden müsste. „Das kann seine zwei bis drei Jahre dauern, bis der Gläubiger überhaupt Geld sieht.“ Mit welcher Summe dabei überhaupt zu rechnen ist, will er dem Gläubiger-Anwalt gerne vorrechnen. Denn beim Landesverband sei wenig zu holen.

Der Dachverband mit seinen sechs hauptamtlichen und 14 Teilzeit-Mitarbeiter habe kaum Vermögen, besäße selbst nur eine belastete Immobilie in Bottrop (betreutes Wohnen) sowie die ASB-Landesschule in Erftstadt.

Zudem sei er fest gewillt, alle Rechtswege auszuschöpfen, ob der Landesverband überhaupt für die Pachtschulden verantwortlich ist. Das Berufungsverfahren dazu ist im September angesetzt.

Wie unsere Zeitung von Insolvenzprofis erfuhr, muss die Westfälische Provinzial davon ausgehen, dass Amelung ein Quote um 10 Prozent der Gesamtforderung als Vergleichsangebot vorlegen wird. Vermutlich weniger als 280 000 Euro.

Sollte die Westfälische Provinzial das Angebot akzeptieren, so hat Indiso-Geschäftsführer Siegfried Gebur alleine hier indirekt einen Schaden vorn rund 2,5 Millionen Euro verursacht.

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