Karnevalslieder

GEMA kassiert im Kindergarten

Kinder aus dem Liebfrauenkindergarten in Holzwickede haben Angst vor GEMA Gebühren. Foto: Henryk Brock

Foto: Henryk Brock

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Holzwickede. „ Da steht ein Pferd auf dem Flur“, „Die Hände zum Himmel“ oder „Die Karawane zieht weiter“.

Solche Hits trällern nicht nur Kinder gern. Viele Eltern singen bei Anlässen wie Karneval, Sommerfest oder Weihnachten im Kindergarten mit. Damit ist jetzt Schluss. Die GEMA, Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte, will vorschulische Einrichtungen für das Kopieren von Noten oder Liedtexten bezahlen lassen. Mitglieder der GEMA sind Künstler, wie Komponisten und Sänger. Jeder, der Musik, Noten oder Texte dieser Künstler bei einer öffentlichen Veranstaltung benutzen möchte, muss dafür Geld bezahlen.

„Das ist Geldmacherei“

„Ich verteile keine Liedtexte mehr“, sagt Kerstin Dilger. Sie ist Erzieherin im kath. Kindergarten „Liebfrauen“. „Ich finde die Forderung der GEMA unglaublich, das ist reine Geldmacherei.“ Ihre Kollegin Marianne Jauer vom AWO-Kindergarten „Sonnenblume“ meint: „Wie sollen wir die Kinder fördern, wenn wir den Eltern die Liedtexte zum Singen-Üben nicht mehr mit nach Hause geben dürfen?“ Das Problem besteht auch in der ev. Kita „Caroline Nord-Licht“: „Uns fragen Eltern regelmäßig nach Liedtexten. Dann versuche ich zu erklären, dass wir die nicht verteilen können, solange es keine Nutzungsvereinbarung mit der GEMA gibt“, so Petra Chudzinski.

Knapp 60 Euro kostet eine Kopierlizenz für 500 Kopien pro Jahr. „Die GEMA ist wirklich ideenreich. Natürlich ist es für viele Künstler schwer von ihrer Arbeit zu leben“, sagt Peter Resler von der AWO des Kreises Unna. „Aber viele Kindergärten haben das Geld nicht oder brauchen es für andere Sachen.“ Gabi Schilcher von der GEMA sieht das anders: „Ich würde jedem Kindergarten raten, das Geld zu investieren. Sonst läuft man Gefahr, illegal zu handeln.“

GEMA-frei sind neben traditionellen Volksliedern Musikstücke, deren Komponisten mindestens 70 Jahre tot sind. Dann ist das Urheberrecht erloschen. Im Internet bieten kommerzielle Anbieter GEMA-freie Instrumentalmusik an. Nachgucken, ob ein bestimmtes Lied gebührenpflichtig ist, kann man in der Rubrik „Musikalische Werke“ im Bereich „Online Services & Lizenzen“ auf www.gema.de.

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