Nachtspeicherstrom

Barkenberger finden Alternative

Barkenberg, die „allelektrische Stadt“ hängt am Speicherstrom.

Barkenberg, die „allelektrische Stadt“ hängt am Speicherstrom.

Foto: Hans Blossey

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Barkenberg.  Zwar gibt es für viele Barkenberger kaum eine Alternative zur ungeliebten Stromheizung. Seit kurzem aber dank Selbsthilfe einiger Bürger eine Wechselmöglichkeit beim Anbieter von Nachtstrom zum Aufladen der Heizkörper.

„Weil die Stadt nichts für uns tut, bin ich selbst aktiv geworden“, erklärt Franz Ratajczak. Bisher war RWE der einzige Anbieter mit einem Nachtspeichertarif für Strom. Der hat gerade erst eine Preiserhöhung zum 1. September von 12,86 auf 13,55 Cent/kWh angekündigt.

Franz Ratajczak hat sich umgehört und ein Unternehmen aus Weeze mit ins Boot geholt. Oliver Dörr vom Verbraucher-Kontor vertritt den Energievermittler Evita aus Stuttgart. Dieser biete den Nachttarif 1,6 Cent unter dem RWE-Angebot an. Frank Ratajczak: „Obwohl ich meine Heizkosten schon technisch reduziert habe, spare ich damit noch mal 250 Euro im Jahr.“

Sauer ist Ratajczak indes auf die Stadt: Am Freitag wollte Stromvermittler Oliver Dörr nach Vermittlung der Bürger einen Infostand auf dem Wulfener Wochenmarkt aufbauen. Vom Gewerbeamt kam eine Absage. Er musste aufs Gelände der „Bar 61“ zwischen Gemeinschaftshaus und See ausweichen, wohin sich nur wenige verirrten. Immerhin: Vier Verträge konnte Dörr abschließen. Weitere sollen folgen, hoffen die Bürger. Denn der Strompreis werde zunächst für ein Jahr garantiert. Mit einem stabilen Grundbestand an Kunden könne danach auch mit anderen Versorgern verhandelt werden, so Oliver Dörr.

Die Nachspeicheröfen sind in Barkenberg ein besonderes Problem: Der Stadtteil wurde in der Gründungszeit zur „allelektrischen Stadt“ erklärt. Häuser wurden ohne Kamine und Versorgungsleitungen gebaut. Umrüstungen auf konventionelle Heizsysteme sind darum mit immensen Kosten verbunden. Bis 1989 waren Siedler sogar verpflichtet, ihre Gebäude mit Strom zu beheizen. Und selbst wer investieren möchte, stößt an Grenzen. Gasleitungen etwa sind nur in Randbereichen verlegt. Außerdem waren die Barkenberger bisher an RWE gebunden, weil andere Versorger keinen Nachtstrom anbieten.

2008 bemühte sich die Stadt vergebens, Barkenberg als Pilotprojekt in das Förderprogramm „Energieeffiziente Stadt“ zu bekommen, um Konzepte für Umrüstungen zu entwickeln. Viele Eigentümer haben ihre Häuser mit Holzkaminen nachgerüstet. In den flachen Bungalow-Siedlungen wird der Rauch aber häufig zum Nachbarschaftsärgernis.

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