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Coworking Spaces: Die gemeinschaftliche Alternative zum Büro

Gruppendiskussion im Unperfekthaus. Die Einrichtung ist als Coworking Space und Ort für Meetings schon lange etabliert.

Gruppendiskussion im Unperfekthaus. Die Einrichtung ist als Coworking Space und Ort für Meetings schon lange etabliert.

Essen.   Klar ist Heimarbeit extrem preiswert: Aber als Gründer braucht man auch Feedback und Impulse. Dafür gibt's den Coworking Space - die Büro-WG.

Wenn man ein Unternehmen gründet, stellt sich immer auch die Frage, von wo aus man arbeitet. Mietet man ein Büro? Benötigt man ein Ladenlokal, eine Werkstatt oder Lagerräume? Oder reicht der Küchentisch in den heimischen vier Wänden?

Für viele Sologründer und kleine Teams ist der Schreibtisch zuhause, das sogenannte Homeoffice, oft der Arbeitsort für den Start – kein Büro ist günstiger. Aber gerade das private Ambiente des Homeoffice hat seine Tücken. Zum einen lauern Ablenkungen überall (Couch, Fernseher, Wäsche), zum anderen fällt einem gerade als Einzelselbstständigem rasch die Decke auf den Kopf. Wer für den Start nur einen oder wenige Büroarbeitsplätze benötigt, für den könnte ein Coworking Space deshalb die richtige Alternative oder Ergänzung zum Homeoffice sein – vor allem, wenn man sich zu Anfang seiner Gründung nicht an langwierige Mietfristen binden möchte.

Noch bis vor wenigen Jahren im Ruhrgebiet kaum existent, entstehen inzwischen jedes Jahr mehr dieser Gemeinschaftsbüros der besonderen Art – von Duisburg über Essen und Gelsenkirchen bis Witten und Dortmund. Aber was sind Coworking Spaces genau? Und sind sie für Sologründer genauso geignet wie für kleinere Startup-Teams? Ein Überblick:

Coworking Spaces: flexible Schreibtischplätze mit Netzwerk

Der Begriff „Coworking“ kommt aus dem Englischen und bedeutet so viel wie „zusammen arbeiten“. Coworking Spaces sind meistens große, offene Büroräume, in denen vor allem Selbstständige, immer häufiger aber auch Angestellte verschiedener Unternehmen zusammen arbeiten.

Der Unterschied zu einem festen Büro liegt darin, dass man sich in einem Coworking Space flexibel und je nach Bedarf – also tage-, wochen- oder monatsweise – einen Schreibtischplatz buchen kann. Im Mietpreis enthalten ist in der Regel die Nutzung von Schreibtisch, Stuhl, WLAN, Drucker und Kopierer sowie einer gemeinschaftlichen Küche mit Kühlschrank, Mikrowelle und Geschirr. Auch ein Meeting- oder Seminarraum kann meistens mitgenutzt werden. Benötigt der Gründer zusätzlich Büroschränke oder Rollcontainer zur Aufbewahrung, können auch diese dazugebucht werden.

Ein Coworking Space als Arbeitsplatz bedeutet für Gründer, dass sie sich sofort an die Arbeit machen können, ohne sich um Einrichtung oder Internetverbindung kümmern zu müssen. Nur das eigene Arbeitsmaterial wie Laptop, Handy oder Büromaterial muss man selbst mitbringen.

Die eigentliche Besonderheit von Coworking Spaces ist allerdings die offene, meist persönliche und lockere Atmosphäre. Die Coworker, wie die Mieter in Coworking Spaces genannt werden, sehen sich als eine Gemeinschaft an, als Community. Sie arbeiten zwar jeweils an ihren eigenen Projekten oder Aufträgen, nutzen häufig aber auch die Möglichkeit, zusammenzuarbeiten, von dem Wissen der anderen Coworker zu profitieren und sich auszutauschen. Durch diese offene Grundhaltung kommt es nicht selten zu Kooperationen, neuen Aufträgen, Ideen und Feedback zur eigenen Arbeit.

Wer arbeitet in Coworking Spaces?

In Coworking Spaces trifft man vor allem Freiberufler und Kreative, also beispielsweise Berater und Coaches, Grafik- und Webdesigner, Texter oder Programmierer. Auch kleinere Startup-Teams starten ihre Karriere in Coworking Spaces und immer häufiger Angestellte großer oder mittlerer Unternehmen – sei es, um in Projektteams an innovativen und kreativen Konzepten außerhalb des gewohnten Umfeldes zu arbeiten oder um auch aus einer vom Firmensitz entfernten Region für das Unternehmen zu arbeiten, weil der oder die Angestellte aus familiären Gründen beispielsweise an einen anderen Ort gezogen ist. Mit den Möglichkeiten der Online-Kommunikation ist es heutzutage ja oftmals möglich von jedem Ort für ein Unternehmen zu arbeiten.

Darum sind Coworking Spaces gute Arbeitsorte für Gründer

Ob solo oder als kleines Team, besonders für Gründer, die für den Start lediglich ein Büro benötigen, sind Coworking Spaces oftmals ein idealer Ort zum Arbeiten. Weder müssen sie sich um die Schaffung der Infrastruktur kümmern, noch sich an lange Mietfristen binden. Der größte Vorteil für Gründer besteht aber darin, dass sie zudem auf das Netzwerk des Coworking Spaces und seiner Nutzer haben.

Anders als beispielsweise in reinen Business-Centern spielt in Coworking Spaces die Community und das Networking eine wichtige Rolle und wird aktiv gepflegt. Für Gründer besteht dabei die Möglichkeit, erste Geschäftskontakte zu knüpfen, Kooperationspartner und sogar Kunden zu finden. Oder einfach Feedback von Außenstehenden zum eigenen Unternehmen, Service oder Produkt einzuholen. Viele Coworking Spaces bieten darüber hinaus Veranstaltungen zu verschiedenen Themen an, die Selbstständige betreffen und interessieren.

Wo findet man Coworking Spaces im Ruhrgebiet?

Ist in Berlin und anderen Großstädten das Konzept des Coworking schon seit vielen Jahren etabliert, fanden sich im Ruhrgebiet bis vor wenigen Jahren kaum Coworking Spaces. Das hat sich inzwischen geändert. In vielen Ruhrgebietsstädten gibt es mittlerweile größere und kleinere der Gemeinschaftsbüros.

Hinter einigen von ihnen steckt übrigens auch eine erfolgreiche Gründergeschichte. In Dortmund beispielsweise wollte vor vier Jahren das junge Unternehmerehepaar Dörte und Tim Schabsky nach dem Uni-Abschluss in London die Idee des Coworking in ihrer Heimat in Dortmund verwirklichen. Nach einem ersten kleinen Coworking Space im Stadtteil Wickede und viel Erklär- und Überzeugungsarbeit haben die beiden inzwischen drei weitere Standorte in Dortmund eröffnet. Über 200 Coworker zählen inzwischen zur „Community"“ des Work Inn, der größten im Ruhrgebiet.

Auch in Essen finden sich einige Coworking Spaces. Neben dem Unperfekthaus kann man inzwischen auch im Impact Hub Ruhr direkt gegenüber dem Hauptbahnhof, dem ruhr:HUB in der City oder dem Kabü in Rüttenscheid flexibel einen Schreibtischplatz mieten.

In Witten hat sich seit einigen Jahren das Arbeitscafé „[....] raum“ als Coworking Space im kreativen Umfeld des Wiesenviertels etabliert. Genauso „c/o Raum für Kooperation“ im Kreativquartier Gelsenkirchen-Ückendorf oder das Work Café im Duisburger Technologiezentrum. Sind diese Coworking Spaces oft von Gründern aus der Region gestartet, hat mit dem Rent24 inzwischen auch eine internationale Kette einen Standort im Ruhrgebiet aufgeschlagen.

Coworking Spaces als wichtiger Bestandteil für die Gründerszene

Nicht nur als Orte zum flexiblen Arbeiten, sondern vor allem wegen ihrer angeschlossenen Netzwerke und der Möglichkeit zum gegenseitigen Austausch verschiedener Menschen und Branchen sind Coworking Spaces unverzichtbare Bestandteile eines Gründer-Ökosystems.

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Carmen Radeck ist Betreiberin der Seite RuhrGründer.de, eine der wichtigsten Online-Plattformen, die sich mit der Gründerszene in der Region befasst. Sie wird als Kolumnistin ab jetzt regelmäßig hier auf unserem Themen-Special über die brummende Branche, die neuesten Trends, die spannendsten Projekte berichten.

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