Mitmensch

Wirtin ist der Hamborner Familien-Tradition verpflichtet

Wacht über 116 Jahre Alt-Hamborner Gaststätten-Tradition an der Hufstraße: Ulrike Liesen, hier mit Ehemann Joachim.Foto:Fabian Strauch

Wacht über 116 Jahre Alt-Hamborner Gaststätten-Tradition an der Hufstraße: Ulrike Liesen, hier mit Ehemann Joachim.Foto:Fabian Strauch

Alt-Hamborn.   Die Wirtstochter Ulrike Liesen wollte eigentlich Sport- und Kunstlehrerin werden. Dann übernahm sie von ihren Eltern Hamborns ältestes Gasthaus.

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Wer am verwinkelten Ende der Hufstraße den Blick auf das zur Linken gelegene Gasthaus schweifen lässt, fühlt sich in der Zeit zurück versetzt. Eine Gaststätte, wie einem Heimatfilm entsprungen, hat dort die Zeiten überdauert. „Ja“, sagt Wirtin Ulrike Liesen, „unser Wirtshaus hat schon etwas von einer Filmkulisse.“

Seit 116 Jahren betreibt die Hamborner Familie Liesen nun die Gaststätte an der Hufstraße. Dass in dem heimeligen Heimatmuseums-Ambiente auch heute noch das Leben pulsiert, ist Wirtin Ulrike Liesen zu verdanken. Die hatte Ende der 1980’er Jahre eigentlich gar nicht vor, Wirtin zu werden.

Die Frau, die einst am Abtei-Gymnasium ihr Abitur ablegte, hatte eigentlich ganz andere Pläne mit ihren Leben: „Ich habe Sport und Kunst studiert“, sagt sie beim Gespräch in Alt-Hamborns „guter Stube“, „auf Lehramt. Eigentlich wollte ich Lehrerin werden.“

Von Großmutter begründete Tradition fortgesetzt

Dann starb der Vater, dem sein Wirtshaus stets am Herzen gelegen habe, erzählt sie: „Da galt es, eine Entscheidung zu treffen. Die Tradition meiner Großmutter Margarete Liesen fortsetzen, oder die Gaststätte schließen?“

Gemeinsam mit ihrem Mann Joachim habe sie damals, 1989, entschieden, das Wirtshaus weiter zu führen. Die Entscheidung habe natürlich viel mit Traditionsbewusstsein zu tun gehabt: „Sehen sie, Traditionen gibt es ja nicht nur in Süddeutschland, Bayern, oder so. Die gibt es auch bei uns, in Hamborn.“

Schwarz auf Weiß bescheinigt wird ihre diese Tradition auch mit einer seltenen Urkunde, auf der die Beecker König-Brauerei sich für 100 Jahre Zusammenarbeit bedankt: „Ich glaube, dass die ziemlich selten sind“, sagt Ulrike Liesen, „meines Wissens nach haben die Neudorfer Lindenwirtin und wir so etwas. Ansonsten wüsste ich da spontan niemanden.“

Ein Stück alte Heimat

Tradition bedeute für sie auch, sagt Ulrike Liesen, dass heute noch Stammgäste zu Besuch kämen, die sie schon ihr ganzes Leben lang kenne: „Ich habe ja als Mädchen vor 50 Jahren angefangen, meinen Eltern zu helfen“, sagt Ulrike Liesen, „und Gäste, die damals gerade volljährig waren und als Lehrlinge kamen, kommen auch heute im Rentenalter noch zu uns.“ Auch kehrten regelmäßig Menschen ein, die Hamborn einst verlassen hätten: „Für die sind wir dann auch ein Stück alte Heimat.“

Gerade in diesen Tagen, wenn die Sonne die Menschen in die Biergärten lockt, würden auch junge Leute den Außenbereich des Wirtshauses für sich entdecken: „Die kommen zu uns, um in diesem Ambiente abzuschalten oder zu lesen.“ Der große Bücherschrank, den sie für ihre Gäste vor halte, sei ihr nämlich besonders wichtig: „Ich liebe es, zu lesen. Und lasse die Gäste gern daran teilhaben.“

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