Essen.

„Wir glauben an die drei Ds“

Foto: Andre Laaks,Innogy

Essen.   Mit dem Fahrstuhl geht es in den 24. Stock. Uwe Tigges, Personalvorstand und Arbeitsdirektor von innogy, erwartet uns schon. Wer ganz oben in einem Unternehmen arbeitet, scheint auch einen Platz ganz oben im Gebäude zu bekommen. Seine Assistentin, die er mit einem Schmunzeln als seine Chefin bezeichnet, berichtet von Stürmen, die den runden Turm leicht zum Schwanken bringen. Ein Arbeitsplatz für die Schwindelfreien mit sensationeller Aussicht.

Mit dem Fahrstuhl geht es in den 24. Stock. Uwe Tigges, Personalvorstand und Arbeitsdirektor von innogy, erwartet uns schon. Wer ganz oben in einem Unternehmen arbeitet, scheint auch einen Platz ganz oben im Gebäude zu bekommen. Seine Assistentin, die er mit einem Schmunzeln als seine Chefin bezeichnet, berichtet von Stürmen, die den runden Turm leicht zum Schwanken bringen. Ein Arbeitsplatz für die Schwindelfreien mit sensationeller Aussicht.

Johanna: Wie sind Sie zu Ihrem
Beruf gekommen?

Für einige Jahre habe ich in der Arbeitnehmervertretung, im Betriebsrat, gearbeitet. Weil ich über diese Funktion im Aufsichtsrat der RWE war, also dem Kontrollgremium des Vorstands, hat man mich dann zu meiner Überraschung gefragt, ob ich diesen Job annehmen würde. Ich habe wahrscheinlich viele Voraussetzungen mitgebracht und war zum richtigen Zeitpunkt am richtigen Ort.

Johanna: Sie haben also nicht schon als kleiner Junge gesagt: Das ist mein Traumberuf? Oder: In die Richtung möchte ich mal arbeiten?

Für mich gab es zwei Möglichkeiten: Ich werde Vermessungstechniker oder Ingenieur, so wie mein Vater. Ich besaß viel Affinität zu diesen Themen und bin so in der Nachrichtentechnik gelandet. Da war ich also noch weit von meinem heutigen Job entfernt. Irgendwann im Berufsleben habe ich festgestellt, dass es gut ist, etwas Kaufmännisches zu lernen, und habe noch meinen Betriebswirt gemacht. Und so wurde das Portfolio immer runder. Aber ich glaube, diesen Job, den wir hier im Management machen, den kann man nicht erlernen.

Johanna: Wie hält man so einen anstrengenden Job durch?

Wenn man Spaß, Leidenschaft und Engagement mitbringt, nimmt man das nicht so wahr. Viele Menschen empfinden die Arbeit als belastender, wenn sie einen langweiligen Job machen. Ich kann mich daran erinnern, dass ich als Auszubildender manchmal auf die Uhr geschaut und mich gefragt habe, wann der Tag endlich um ist. Heute ist das anders.

Johanna: Sie waren vorher Mitglied des Betriebsrat und so in der Rolle des Arbeitnehmervertreters. Jetzt sind Sie eher in der Rolle des Arbeitgebervertreters. Merken Sie den Unterschied deutlich?

In meinem Job bin ich, wenn man so will, eine Art Sparringspartner. Meine Aufgabe als Arbeitsdirektor ist es, die Anliegen der Menschen aus dem Unternehmen in den Vorstand zu bringen und die Vorstandsmeinung wiederum ins Unternehmen. Ein Balanceakt.

Anna: Was treibt Sie und innogy an?

Wir glauben an drei Megatrends: Dekarbonisierung, Dezentralisierung und Digitalisierung. Die drei Ds. Wir glauben also daran, dass wir immer weniger CO2 auf der Welt produzieren. Wir glauben an eine Dezentralisierung der Energieversorgung. Heute gibt es viele kleinere Energieerzeuger, auch Haushalte können das sein. Und wir glauben an die Digitalisierung, also dass die Stromnetze digital und schneller gesteuert werden und werden müssen.

Anna: Welche Voraussetzungen braucht es für den Umstieg auf erneuerbare Energien?

Die Energiewende findet im Netz statt, genauer gesagt im Verteilnetz, das bis in die Haushalte reicht. Und unsere Aufgabe ist es, das Netz sicher und zuverlässig zu steuern. Ich vergleiche das Energiesystem gerne mit einer Badewanne, die bis zu einem Eichstrich gefüllt ist. Wenn wir den Stöpsel herausziehen, dann läuft Wasser heraus – die Menschen verbrauchen Strom. Gleichzeitig muss aber die gleiche Menge Wasser in die Wanne fließen bzw. Strom ins System eingespeist werden, sodass der Stand in der Badewanne immer dem Eichstrich entspricht. Das ist bei Kraftwerken vergleichsweise einfach, bei Sonne und Wind aber nicht, weil es auch mal wolkig ist oder eine Flaute herrscht. Und dabei sind 95 Prozent aller Erneuerbare-Energien-Anlagen ans Verteilnetz angeschlossen. Deshalb ist das Austarieren des Verteilnetzes eine zentrale Aufgabe und im Rahmen der Energiewende eine unserer größten Herausforderungen. Wir sagen aber, wir schaffen das.

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